Schreiben ist leicht.

Man muss nur die falschen Wörter weglassen

(Mark Twain)

Seminar

Einleitung und Vorwort

Teil 1. Voraussetzungen

Teil 2. Aneinander gereihte Ereignisse

Teil 3. Das Setting

Teil 4. Vor dem Anfang beginnen

Teil 5. Die Recherche

Teil 6. Suspense

Teil 7. Charakterisierung

Teil 8. Charakterisierung Teil II

Teil 9. Die Sprache als Element der Charakterisierung

Teil 10. Perspektivwechsel

Teil 11. Subtext

Teil 12. Gespenster

Teil 13. Dicke Bücher, dünne Bücher

Teil 14. Stufendiagramm

Teil 15. Beleidigung

Teil 16. Erzählperspektive

Teil 17. Überlange Sätze

Teil 18. Zeitsprünge

Teil 19. Rückblende

Teil 20. Der Höhepunkt

Teil 21. Trivialliteratur

Teil 22. Oppositionelle Kräfte

Teil 23. Dopplungen

Teil 24. Direkter und indirekter Dialog

Teil 25. Wie schreib ich denn nun?

Teil 26. Die Was-Wäre-Wenn-Formel

Teil 27. Wie drücke ich mich aus?

Teil 28. Ehrlichkeit dem Leser gegenüber

Teil 29. Was kann ich als Autor verdienen?

Teil 30. Wie finde ich einen Verlag

Teil 31. Brotlose Kunst?

Teil 32. Das Wann, Wo und Wie

Teil 33. Kapitelgestaltung

Teil 34. Wörtliche Rede

Teil 34. Wie sollte ein Exposee aussehen?

Teil 36. Das Letzte, aber nicht das Letzte: SEX

 

Ein Seminar für alle Zaungäste, die das Schreiben oder auch das Lesen besser verstehen wollen. Verfasst und zusammengestellt von Peter Ternes. Basis hierfür ist eine abgeschlossene Autorenausbildung und mehrere veröffentlichte Romane.

 

Was heisst Seminar? Der Thesaurus meiner Textverarbeitung erklärt das Wort u.a. mit Bildung, Schule, Lehre und Erziehung. Was wollen wir  mit diesem Seminar erreichen? Die Antwort ist denkbar einfach! Immer wieder hören und erfahren wir, das junge begabte Autorinnen und Autoren ihre Manuskripte bei Verlagen einreichen und nichts weiter als eine standardisierte Ablehnung bekommen. Woran liegt das? Es mag viele Gründe geben. Mit Sicherheit aber ist ein Grund häufig: die Autorinnen und Autoren beherrschen einfach nicht das Handwerk des Schreibens. Was heisst hier Handwerk, fragt Ihr Euch? Ganz einfach, das Schreiben ist ein Handwerk, wie jedes andere auch und muss gelernt werden. Es reicht nicht, wenn jemand der Meinung ist, dass er sich das zutraut. (Siehe auch unter Bildung)

Schreibe ich einfach drauflos, könnte ich Gefahr laufen, dass zwar meine Kinder und meine Frau mir anerkennend auf die Schulter klopfen, aber ein professioneller Lektor nur ein müdes Lächeln dafür übrig hat. Das Ergebnis kennen wir alle, das Manuskript wird abgelehnt. Viele Autoren sind in der Lage Wörter zu Sätzen zu formulieren, aber von den Feinheiten des Handwerks wissen sie nichts. Es gibt da ganz einfache Grundregeln zu beachten. Wenn ich diese aber nicht kenne, kann ich mich auch nicht daran halten. Das Ergebnis - siehe oben -  ist bekannt. In diesem Seminar soll Wissen vermittelt werden, das es den angehenden Autor ermöglichen soll

das Schreiben oder auch das Lesen besser zu verstehen.

 

Vorwort

Ich beabsichtige nicht, mich hier als Oberlehrer aufspielen zu wollen. Ich maße mir auch kein allgemeinverbindliches Urteil an, sondern, ich äussere hier nur meine persönlichen Eindrücke über die Technik des Schreibens. Jeder möge selbst entscheiden, was er damit anfängt. Ich versuche meine Thesen durch Beispiele zu untermauern. Teilweise sind das fiktive Beispiele, teilweise aus meinen eigenen Büchern und teilweise aus Büchern anderer Autoren.

Ich greife auch auf Zitate von James N. Frey und seinen Büchern „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt”, Teil I+II, auf Stephen King und sein Buch: „Das Leben und das Schreiben”, Fritz Geising „Kreativ schreiben” und andere zurück.

Auf Grund mehrfacher Aufforderungen habe ich die einzelnen Kapitel nun überarbeitet, vervollständigt und neu eingestellt. Ich wünsche allen Lesern viel Spaß.

Anregungen, Fragen und Kritik an: *

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Welche Voraussetzungen benötige ich, um schreiben zu können oder was macht das Schreiben aus?

Wenn wir eine Grundvoraussetzung an erster Stelle sehen wollen, welche wäre das? Ein Universitätsstudium? Nein! Ganz abgesehen davon, dass man das Schreiben - im Gegensatz zu den USA - in Deutschland nicht studieren kann, höchsten artverwandte Richtungen, wie z.B. Germanistik, Literatur oder Journalismus. Aber das ist es nicht! Viele gute Schriftsteller haben nie eine Universität von innen gesehen, wie beispielsweise Charles Dickens, Daniel Defoe, Ernest Hemmingway um nur einige zu nennen.

Was ist es denn? Ganz einfach, als Voraussetzung können wir Selbstdisziplin, Beharrlichkeit und absolutes Durchhaltevermögen setzen. Ich teile Freys Meinung (Dozent für kreatives Schreiben in den USA), wenn er sagt, das Romane schreiben viel Zeit in Anspruch nimmt und viel emotionale und mentale Energie erfordert. Zeit, die man normalerweise mit der Familie oder mit Freunden verbringt, muss geopfert werden. Es gibt kaum Schriftsteller, die ein zweites Zeitintensives Hobby haben. Frey geht noch einen Schritt weiter, er behauptet, dass die meisten Schriftsteller ein ziemlich eintöniges Leben führen. Sie verbringen die meiste Zeit im Keller oder in einer stillen Kammer vor dem PC. Verfolgt von der Vorstellung, die Leser könnten ihre Arbeiten dümmlich, flach oder blöde finden. Freys Botschaft lautet: „Das Schreiben ist nicht glanzvoll, aufregend oder romantisch. Es ist harte Arbeit. Befriedigend ja. Aber verdammt hart.”

Eine Frage, die mir oft gestellt wird, ist die, wie lange man an einem Roman schreibt. Stephen King sagt in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben”, das er pro Buch etwa ein viertel Jahr an Zeit benötigt. Ich teile dies Meinung, auch ich schreibe in der Regel drei Monate an einem Manuskript. Wenn man längere Zeit veranschlagt, liegen auch längere Pausen vor. Währen dieser Zeit läuft der Autor Gefahr, die Bindung zu seinem Werk teilweise oder sogar ganz zu verlieren. Ich musste diese bittere Erfahrung bei meinem 7. Projekt machen. Äusseren Umständen hatte ich es zu verdanken, dass ich das Schreiben vernachlässigt habe. Die Bindung und die Identifikation mit dem Stoff waren weg und es hat eine Menge an Arbeit und Überwindung gekostet, das Manuskript zu beenden. Wenn alles glatt läuft, wir das Buch im Herbst 2005 das Licht der Welt erblicken.

Wie gehe ich als angehender Autor aber nun an ein Romanprojekt heran? Meiner Meinung nach sollte an erster Stelle die fertige Story in groben Zügen in unserem Kopf existieren. Ich habe einmal einen Roman geschrieben wo das nicht der Fall war und ich hatte mir damals geschworen, das nie wieder zu tun! Habe ich also eine Idee, setze ich mich vor meinen Computer und fange an zu schreiben. Nach ca 3 Monaten (oder auch länger) tippe ich die Buchstaben -E-n-d-e- ein und das vorläufige Manuskript ist fertig. Wie geht es dann weiter? Während des Schreibens habe ich mir schon eine Handvoll Probeleser gesucht (4-6 Personen sollten reichen), diese Leute sollten aber einiges an Voraussetzungen mitbringen. Sie sollten belesen sein und sich im Genre, in dem ich geschrieben habe, auskennen. Ihr IQ sollte etwas höher als eine Tischkante sein und es wäre auch nicht verkehrt, wenn deren Beruf etwas mit der Schreiberei zu tun hat (bei mir: Lehrerin, Leiter Universitätsbibliothek, andere Autoren), ist aber nicht immer zu verwirklichen. Ganz wichtig ist, dass sie sich nicht scheuen, dem Autor ihre ungeschminkte Meinung zu sagen. Niemanden von uns ist geholfen, wenn man ein Pfund Honig ums Maul geschmiert bekommt. Ein Punkt erscheint mir noch wichtig. Die Testleser sollten in der Lage sein, ein Manuskript in einer vorgegebenen Zeit zu lesen. Wenn ich ein Manuskript im Januar rausgebe und die Einschätzung irgendwann im Dezember wiederbekomme, dann brauche ich sie nicht mehr. Eine reale Zeit wären 6 Wochen. Während dieser Zeit - und das ist ganz wichtig - sollte der Autor selbst sein Manuskript nicht anrühren. Warum nicht? Weil der Autor unbedingt Abstand gewinnen muss. Frey definiert diese Zeit auf mindestens 4 Wochen, besser 6, noch besser 12 Wochen. Meine Erfahrungen bestätigen das. Während dieser Zeit trudeln die testgelesenen Manuskripte nach und nach beim Autor wieder ein. Die Kommunikation und der Versand zwischen Autor und Testleser funktioniert am besten via Internet, geht natürlich auch anders. Die Probanden schreiben dann direkt in mein Manuskript ihre Eindrücke rein und geben abschliessend eine Gesamteinschätzung ab. Stolpern mehrere Testleser über ein Problem, ist der Autor gut beraten, dies zu ändern. Aber auch bei der Schreiberei gilt: Jeden recht getan, ist eine Kunst die niemand kann. Was heissen soll, ich muss nicht jeden Änderungswunsch akzeptieren. Meine Dozentin und Lektorin sagte immer zu mir: „Sie sind der Boss und ich schlage vor, dass Sie vom Recht des Urhebers Gebrauch machen.”

Irgendwann ist das Manuskript fertig, was dann folgt kennen wir alle. Klinkenputzen bei den Verlagen ist angesagt und wie das endet, steht in den Sternen...

Noch ein paar Worte zu den technischen Voraussetzungen. Handschriftliche Manuskripte werden von den Verlagen nicht mehr angenommen. Auf eine Schreibmaschine schreiben? Um Gotteswillen! Ich würde jeden empfehlen sich einen PC oder Notebook zuzulegen, wobei man dran denken sollte, dass es nicht eine ultramoderne Höllenmaschine zu 1.000 Euro oder mehr sein muss. Wenn ich nur schreibe, genügt ein guter Gebrauchter. Mein erstes Notebook war Bj. 98, leistet 350 MHz, reichte zum schreiben dicke und hatte mich gebraucht 375 DM gekostet. Die Frage nach der Textverarbeitung sollte jeder für sich selbst klären. Ich schreibe mit WordPro. Word, StarWord eignen sich ebenfalls bestens. Texteditoren sind eher ungeeignet.
Wer professionell arbeiten möchte, kommt um ein Diktiergerät nicht herum. Jeder wird es kennen, man hat einen zündende Idee und bevor man vor dem PC sitzt, hat sie sich in Wohlgefallen aufgelöst. Ich habe ein digitales Diktiergerät, nicht viel Grösser als ein Kugelschreiber. Ein herkömmlich, mechanisches reicht natürlich auch, wenn die Grösse nicht stört. Und wer meint, mit einem Notizblock und Bleistift auszukommen, bitte schön. Und wer meint gar nichts von all dem brauchen zu müssen, auch gut. Es gibt kein Muss.

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Schreibe ich aneinander gereihte Ereignisse oder lieber gleich einen Roman?

Während der Zeit, die ich geschrieben habe (es waren sieben Romane, fünf veröffentlicht, einer kurz davor, einen eingestellt und einer in Arbeit. Stand: 01/05), war ich auch immer mal wieder als Testleser tätig. Gelegentlich habe ich auch junge Autoren betreut, als so eine Art Mentor. Dort - und auch in diesen Seminaren - gebe ich dann meine Erfahrungen und das mir bei der Autorenschule angeeignete Wissen weiter. Ich habe es schon mal erwähnt, möchte es aber noch einmal wiederholen: Die Fehler, die Autoren machen, finden sich zum Teil auch in meinen Manuskripten. Das liegt daran, weil ich auch erst drauflos geschrieben und erst dann jene Schule absolviert habe. Aber jene Fehler haben noch einen anderen Grund. Nachdem ich meinen fünften Roman fertig hatte, bewarb sich eine Autorin aus unseren Reihen als Testleser. Ich sagte zu und schickte ihr das Manuskript. Sie ist über einen Satz gestolpert, der mir trotz Erfahrung und Schule nicht aufgefallen war. Thema: eine Frau fällt auf hoher See über Bord, treibt allein im Wasser und kann nur dem davonlaufendem Schiff hinterher sehen. Zitat: ...Tränen rannen ihr über das Gesicht, die niemand sah, da die Wellen sie umgehend wegspülten... Ich fand den Satz richtig toll, aber jene Autorin sagte mir, dass die Tränen ohnehin niemand sehen konnte, da ja keiner weiter da war, der sie hätte sehen können! Was will ich damit sagen? Man wird für seine eigene Texte betriebsblind und es beweist, wie wichtig Testleser sind. Jeder von uns ist also gut beraten, wenn er Testleser hat, die aufmerksam ans Werk gehen und gegenüber dem Autor auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Übrigens: es wird empfohlen, dass man sich Testleser des andern Geschlechts suchen soll, da die Denkweise der Geschlechter unterschiedlich sein sollen.

Weiter ist mir aufgefallen, dass es Autoren gibt, die in ihren Manuskripten nur Ereignisse aneinander reihen und der Meinung sind, sie schreiben einen Roman. Wenn sie einen Dialog schreiben, erfährt der Leser nicht, was um den Figuren herum passiert und was sie während des Gesprächs tun. Es entsteht der Eindruck, dass die Figuren da in einem sterilen Raum stehen, zur Salzsäule erstarrt. Es gibt keine Gesten, kein Wetter, kein Subtext noch gibt es Zwischenmenschliches von den Charakteren zu berichten. Die Szene wird durch nichts aufgelockert. Subtext z.B. ist völlig überflüssig für die Story, aber er locker sie ungemein auf. Es ist unwichtig, ob eine Figur während eines Dialoges mit der Hand eine Fliege verscheucht, aber es lässt die Figuren agieren und nicht nur stur und steif dastehen und reden.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Erst als unreifer Text, danach im gleichen Beispiel lasse ich die Charaktere agieren und Stimmung rüber bringen.

Als Martin am nächsten Morgen vom Brötchen holen kam, war Ute bereits auf.
„Guten Morgen! Gut geschlafen?“, begrüsste er sie.
„Ich schlafe immer gut. Aber danke und ebenfalls einen schönen guten Morgen. Ich habe schon mal den Tisch gedeckt. Meine Gefährtin schläft noch. Sie war die halbe Nacht wieder auf Achse. Lassen wir sie schlafen!“
„Wenn ich gewusst hätte, dass du schon auf bist, hätte ich dir meinen Schlüssel gegeben.“
„Ach, nicht so schlimm, die zwei Tassen und das bisschen Käse. Bist du soweit? Ich hole dann den Kaffee.“
„Ich hab’ von dir geträumt”, sagte Ute plötzlich, als sie mit dem Kaffe zurückkam.
„Doch hoffentlich was Schönes“, antwortete Martin.
„Es war sehr schön ...“, gab sie zurück.
„Was ist? Warum siehst du mich so an?“
„Ich wollte dich nicht stören“, sagte er entschuldigend. „Und irgendwohin muss ich doch sehen, oder? Wenn du direkt vor mir sitzt ...“
„Erzählst du mir von deinem Traum?“, fragte er nach einer kurzen Pause zurück.
„Nein, nein. Das verrat ich nicht. Keine Chance, das bleibt mein Geheimnis.“
Kurz darauf sagte sie zu Martin: „Ich wäre so weit und wie sieht es bei dir aus?“
„Viel gegessen hast du nicht gerade.“
„Ich esse nie viel. Kennst du doch. Steht in deinem Buch. Das ewige Problem der Frauen. Jede schleppt doch hier und da ein Pölsterchen zu viel mit sich herum, oder sie bilden es sich zumindest ein. Ich bin da keine Ausnahme.“
„Ich kann bei dir beim besten Willen keine Pölsterchen entdecken.“
„Schön. So soll es auch bleiben. Ich werde mir eine lange Jeans und einen Pulli überziehen. Meinst du das reicht?“
„Dicke“, antwortete Martin nur und fügte hinzu: „Ich mach mich dann auch fertig. Wie lange wirst du brauchen?“
„Fünf Minuten“, gab sie zurück und verschwand im Inneren ihres ...

Was hat der Leser hier erfahren? Ein Mann und eine Frau, zwischen denen es wohl irgendwie zu knistern scheint, nehmen ein gemeinsames Frühstück ein und brechen anschließend irgendwohin auf. Das war's, toll! Was soll's? Schließlich haben wir doch eine Menge an Informationen erhalten, könnte man sagen. Das ist richtig! Das es aber auch besser geht, zeigt nachfolgendes:

Als Martin am nächsten Morgen vom Brötchen holen kam, war Ute bereits auf und machte sich auf seiner Terrasse zu schaffen. Sie trug nur ein T-Shirt, einen Slip und ein Paar Badelatschen.
“Guten Morgen! Gut geschlafen?“, begrüßte er sie.
„Ich schlafe immer gut. Aber danke und ebenfalls einen schönen guten Morgen. Ich habe schon mal den Tisch gedeckt. Meine Gefährtin“, Ute machte eine knappe Geste mit dem Kopf in Richtung ihres Appartements, „schläft noch. Sie war die halbe Nacht wieder auf Achse. Lassen wir sie schlafen!“
„Wenn ich gewusst hätte, dass du schon auf bist, hätte ich dir meinen Schlüssel gegeben.“ Er hatte irgendwie ein schlechtes Gewissen,  dass Ute die Sachen hatte herübertragen müssen, auch wenn es nur ein paar Meter waren.
„Ach, nicht so schlimm, die zwei Tassen und das bisschen Käse. Bist du soweit? Ich hole dann den Kaffee.“
Schweigend saßen sie vor ihren dampfenden Tassen und angebissenen Brötchen, bis Ute plötzlich sagte: „Ich hab’ von dir geträumt.“
„Doch hoffentlich was Schönes“, antwortete Martin.
„Es war sehr schön ...“, sagte sie geheimnisvoll und ihre Gedanken schienen zu ihrem Traum zurückzuwandern. Mit geschlossenen Augen und leicht zurückgelehnt sah es aus, als träumte sie ihren Traum weiter. Martin sah sie schweigend an und traute sich nicht, ihre Andacht zu unterbrechen. Ute musste die Ruhe bemerkt haben, denn unvermutet öffnete sie wieder ihre Augen.
„Was ist? Warum siehst du mich so an?“
„Ich wollte dich nicht stören“, sagte er entschuldigend. „Und irgendwohin muss ich doch sehen, oder? Wenn du direkt vor mir sitzt ...“ Der Satz blieb unvollendet und Martin fragte sich, ob sie ihn wohl in ihre Geheimnisse einweihen würde. Während sie lustlos an ihrem Brötchen kaute und gelegentlich ihr widerspenstiges Haar hinter die Ohren schob, fasste er all seinen Mut zusammen.
„Erzählst du mir von deinem Traum?“
„Nein, nein!“ Ute lächelte. „Das verrat ich nicht. Keine Chance, das bleibt mein Geheimnis.“
Nachdem Ute die Hälfte ihres Brötchens gegessen hatte, sagte sie zu Martin: „Ich wäre so weit und wie sieht es bei dir aus?“
„Viel gegessen hast du nicht gerade.“
„Ich esse nie viel. Kennst du doch. Steht in deinem Buch. Das ewige Problem der Frauen. Jede schleppt doch hier und da ein Pölsterchen zu viel mit sich herum, oder sie bilden es sich zumindest ein. Ich bin da keine Ausnahme.“
„Ich kann bei dir beim besten Willen keine Pölsterchen entdecken.“
„Schön. So soll es auch bleiben.“
Ute erhob sich, nahm ihre Tasse und sagte dann: „Ich werde mir eine lange Jeans und einen Pulli überziehen. Meinst du das reicht?“
„Dicke“, antwortete Martin nur und fügte hinzu: „Ich mach mich dann auch fertig. Wie lange wirst du brauchen?“
„Fünf Minuten“, rief sie ihm über die Schulter zu und verschwand im Inneren ihres Appartements...

Ich glaube, es ist offensichtlich, dass dieses Beispiel deutlich besser ist. Es ist völlig unwichtig, dass: Während sie lustlos an ihrem Brötchen kaute und gelegentlich ihr widerspenstiges Haar hinter die Ohren schob..., aber es gibt etwas rüber, was das Ganze deutlich lockerer macht. Die Phantasie des Leser kann mitspielen mit dem Geschehen zwischen den Zeilen.

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Das Setting
Das Setting ist mein Lieblingsthema. Frey geht darauf ausführlich ein, dazu aber mehr weiter unten. Das Setting wird von vielen Autoren einfach ignoriert, andere beschäftigen sich sehr ausführlich damit (zu letzteren gehöre ich).
Jeder, der schreibt, sollte sich fragen, für wen er schreibt oder, was er mit seiner Schreiberei erreichen möchte. Es reicht nicht, wenn man in der Lage ist, Wörter zu Sätze, Sätze zu Kapiteln und diese zu Manuskripten zu verarbeiten. Ein Buch ist das dann noch lange nicht. In meiner Mentortätigkeit habe ich es immer wieder mit derartigen Manuskripten zu tun, in dem das Setting ganz fehlt. Die angehenden Autoren schreiben sehr direkt auf ihr Thema zu. Ihre fiktiven Charaktere werden nicht konsequent charakterisiert. Der Leser weiß nicht, zu welcher Jahreszeit die Story spielt, er erfährt nichts über die Räumlichkeiten, in der z.B. die Unterhaltung der Helden abspielt. Es werden nur Ereignisse aneinander gereiht. Irgendwann ergeben diese Ereignisse ein Manuskript, wie sie denken, was sie dann voller Euphorie an verschiedene Verlage schicken. Das Ergebnis kenne viele nur zu gut, es kommt in Form einer Ablehnung.
Was haben nun diese Autoren falsch gemacht? Eine leichte Frage, eine schwere Antwort? In der Tat, in diesem Fall ja.
Beschäftigen wir uns aber zuerst einmal mit dem Begriff Setting. Der Leser blickt durch die Augen eines bestimmten Charakters auf eine Szenerie (Zeit, Ort, soziale Umfeld) und erhält damit sofort eine Menge an Informationen. In der Weltbild-Autorenschule wird unterrichtet: Gleich zu Beginn der Geschichte sollten Sie einige wenige, aber konkrete Details zum Setting einarbeiten, damit die Leser wissen, wo und wann sie sich befinden. Im Verlauf der Geschichte, sollten weitere Details häppchenweise folgen.
Wenn ich mal wieder ein fremdes Manuskript redigiere, beginnt dann oft mal das große Rätselraten. Der Held steigt in sein Auto. Aha, ein Auto! Keine Typenangabe. Es könnte also ein ultramoderner Wagen sein, aber auch ein Auto aus der Gründerzeit. Mein Versuch, die Zeit herauszufinden ist also fehlgeschlagen. Irgendwann auf Seite 56 zückt der Held plötzlich sein Handy. Jubel, Jubel. Doch nicht Gründerzeit. Ich frage mich immer wieder, warum jene Autoren solche Fragen nicht gleich zu Beginn klären? Das kann man direkt oder indirekt tun. Ich tendiere zu letzterem.

Beispiel:
Wir schrieben den 5. Dezember 1947, als... (direkt).
Es war so ziemlich genau 3 Wochen vor Heiligabend, 2 Jahre nach dem letzten Weltkrieg, als... (indirekt).
Aufgefallen ist mir auch, dass die Autoren, die keine Angaben zum Setting machen, auch im weiteren Verlauf keinerlei Angaben zum Wetter, Räumlichkeiten und dergleichen machen. Obwohl doch gerade diese Angaben eine Geschichte ungemein auflockern. Lasst mich das mit ein paar Beispielen unterlegen.

Stundenlang wanderte Martin Bunge durch die Gegend, fernab der Touristenburgen. Durch schattige Pinienwälder führten ihn seine Füße und über staubige Waldwege ging er, überquerte trockene Wiesen...


Eine kleine Bar in einer kleinen Stadt in Deutschland. Wenige Stühle waren besetzt. An einem Billardtisch in einer Ecke langweilten sich zwei Teenager. Ein alter Mann fütterte einen Spielautomaten. Regen tropfte vom Dach. Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund...

Wir erreichten Hohwacht. Die Sonne war im Begriff, ihre Reise hinter dem nahe gelegenen Wald in Richtung Westen fortzusetzen. Wir hatten immer noch einen wunderschönen und milden Abend. Langsam verstummte das Gezwitscher der Vögel, nur noch hoch oben in einer Tanne gab eine einsame Drossel der sinkenden Sonne ein Ständchen...

Inzwischen war die Sonne untergegangen. Der Wind hatte sich gänzlich gelegt und die See war spiegelglatt. Am Himmel formierten sich die ersten Vogelschwärme für ihre lange Reise Richtung Süden. Irgendwo bellte ein Hund. Vereinzelt kreisten noch die letzten Schwalben am Abendhimmel. Am Horizont war ein kleines Fischerboot zu sehen, in dem wahrscheinlich der Fischer seine Netze einholte. Der Tag verabschiedete sich mehr und mehr. Der Abend endete so, wie viele Abende zuvor zwischen mir und Katja geendet hatten.

Kann man beim Setting auch etwas falsch machen? Worauf wir wetten können! Gruselgeschichten sind nahezu untrennbar von stürmischen Nächten. Das Duell der Westernhelden findet in der Regel in gleißender Sonne statt, um nur zwei Klischees zu nennen. Und Klischees gilt es zu vermeiden.
Über das Geschriebene bin ich ja ganz schön attackiert worden (aber konstruktiv und dagegen ist nichts einzuwenden) . Es gibt doch tatsächlich einige Autoren, die der Meinung sind, dass ein Setting (also die Angaben über Zeit Ort, sozialen Stand usw.) nicht erforderlich sind. Andere sind wiederum der Meinung, dass es durchaus wichtig ist. Ich möchte dass Thema noch einmal mit ein paar Beispielen belegen:

Begonnen hatte alles an einem jener typischen Sommertage. Die Sonne war dabei mit Siebenmeilenstiefel gen Westen zu wandern, die letzten Vögel gaben sich ein Ständchen. Ein lauer Luftzug drang durch das Schlafzimmerfenster im ersten Stock des Hauses in der Waldstraße, am Stadtrand des kleinen Taunusstädtchen Soundso. Von irgendwoher drang das Klingeln eines Handys durch das geöffnete Fenster in den Raum...
So oder in der Art, kann ein Buch beginnen. Was hat ein Buch mit einem Schulaufsatz gemein? Es beginnt mit einer Einleitung, dann folgt der Hauptteil und dann der Schluss. Die Einleitung fehlt oftmals ganz, m. E. ein typischer Anfängerfehler. Ich habe mal obige Einleitung geschrieben, die zugleich ein Setting ist und die zeigt, dass ein solches nicht ellenlang sein muss. Nehmen wir sie auseinander:
1. Satz: Sommertag! Der Leser ist informiert, um welche Jahreszeit es sich handelt! 2. Satz: Siebenmeilenstiefel gen Westen. Und schon wissen wir etwas über die Tageszeit! Ein lauer Luftzug... Aha, schönes Wetter! Taunusstädtchen... (nur als Beispiel) und schon wissen wir, wo sich die Story abspielt! Handyklingeln... Also kann es sich nicht um das 17. Jahrhundert handeln, sondern, wir befinden uns in der Gegenwart. Fehlt nur noch etwas zum sozialen Stand der Heldin. Mit 4 Sätzen habe ich dem Leser die ersten wichtigen Informationen gegeben, die er braucht und auch erwartet. Wie schildere ich nun aber den sozialen Stand? Ganz einfach, indem der Leser z.B. an die Gedanken in Richtung Kleiderwahl teilhaben kann, die sich die Protagonistin aus ihrem Kleiderschrank aussucht. Das könnte so aussehen ... ziehe ich nun das sündhaft teure Escadakleid an oder lieber das von Armani? (wobei ich gar nicht weiß, ob Armani Kleider entworfen hat, aber das ist hier für das Beispiel unwichtig), oder: Sie hielt ihr selbstgenähtes Kleid vom vorigen Sommer in Händen... diese zwei (nur) Sätze allein könnte schon reichen, zu erahnen, dass das Geld wohl keine so große Rolle spielt (erster Satz) oder: dass das Geld nicht so dicke da ist (zweiter Satz), aber da kann man noch einen drauf setzen... viel lieber hätte sie das tolle Kleid gehabt, das sie vor ein paar Tagen im Schaufenster in der Innenstadt gesehen hatte, aber dazu reichte ihr bescheidenes Einkommen leider nicht aus.... und schon weiß der Leser, wie es um den sozialen Status dieser Frau bestellt ist. Und ganz nebenbei hat er auch erfahren, dass das Schlafzimmer im ersten Stock liegt. Denn das wird später noch wichtig und ich brauche es dann nicht noch breit erklären. Soviel zum fiktiven Beispiel.
Man kann das natürlich auch alles weglassen und folgendermaßen beginnen: Juliane stand vor ihrem Kleiderschrank und überlegte, welches Kleid sie wohl zu der Feier anziehen sollte. Um neunzehn Uhr sollte sie beginnen, wie sie ihrer Einladung entnommen hatte. Es folgt die Überlegung, ob das grüne oder lieber das blaue. Im nächsten Satz verlässt sie das Haus... Die Heldin in meinem Beispiel hat auch überlegt, ob das eine oder andere Kleid und hat dann ebenfalls das Haus verlassen... Aber die Aussagen über das Kleid lassen vermuten, wie es um ihren Geldbeutel bestellt ist, und damit haben wir einen enormen Beitrag zum Setting (in diesem Beispiel sozialer Stand) gemacht..
Wie beginne ich denn nun? Erzähle ich den Leuten wie der Kahn aussieht, mit dem der alte Mann über das Meer fährt oder lasse ich es bleiben? Nehmen wir mal die (teilweisen) Worte einer Lektorin und die sollte sich ja auskennen: “Die Geschichte fängt sofort mit einem Dialog an, diese Einleitung finde ich sehr gut. Durch die Gedanken von Martin Bunge bekommt man sofort alle wichtigen Informationen über ihn, seinen Beruf, seinen Familienstand und den Grund der Reise. Das Ganze ist in sich sehr schlüssig und ist Ihnen sehr gut gelungen. Die Hauptfiguren des Romans treten sofort in Erscheinung...”

Spätestens jetzt sollten wir wissen, das es jemanden gibt, der Wert auf das Setting legt.

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Vor dem Anfang beginnen

Wenn ein Roman vor der eigentlichen Geschichte beginnt, kann er das? Darf er das? Er kann und er darf! Einen Roman vor dem eigentlichen Roman zu beginnen ist ein beliebtes Mittel, dessen sich erfahrene Autoren gerne bedienen. Klassische Beispiele wären da Lolita von Nabukov, Madame Bovary von Flaubert. Bekannter ist vielleicht Hemingway’s der alte Mann und das Meer. Auch ich habe einen meiner Romane vor dem eigentlichen Anfang begonnen. Warum? Nehmen wir einmal den Klappentext zu diesem Roman und fragen uns, was der Autor dem Leser ankündigt bzw. verspricht. Zitat: Nach zehn Jahren treffen sich ein ehemaliger Elitesoldat und eine verwöhnte Millionärsgattin in der Abflughalle zu ihrem Urlaubsflug in die Karibik wieder... Während eines gemeinsamen Abends in einem Tanzlokal der einheimischen Bevölkerung werden sie von Kidnappern entführt und weit ins Landesinnere verschleppt. Die Situation eskaliert, als einer der Entführer sich der Frau nähert. Es bleibt den beiden nichts weiter übrig, als panikartig die Flucht zu ergreifen. Schnell stellt sich heraus, dass die Flucht zum Horrortrip durch die grüne Hölle wird.

Die beiden Hauptdarsteller werden also entführt, können fliehen und es beginnt der eigentliche Roman, die Flucht durch den Dschungel. Wie wir vom Klappentext her wissen, hat der Autor dem potentiellen Leser die Flucht als Horrortrip durch den Dschungel versprochen. Alles, was er vorher geschrieben habe - so könnte man meinen - ist doch Quark im Schaufenster? Mitnichten! Hätte ich den Roman nicht vor dem Anfang begonnen, hätte ich vor dem Problem gestanden, die Figuren und das Dilemma, in dem sie sich befinden, gleichzeitig einzuführen. Der Leser hätte sich gefragt, wer sind denn die beiden, wo kommen sie her, wie stehen sie zueinander und was haben sie als normal sterbliche Mitteleuropäer im Dschungel zu suchen? Irgendwann hätte ich in einer Rückblende den Leser über die Ausgangssituation informieren müssen. Wie es mit Rückblenden bestellt ist, dazu komme ich noch. Nur vorweg: Sie sind nicht gern gesehen. Sie sind unbrauchbar, ungeeignet und z.T. sogar verpönt. Der vielzitierte Dozent Frey sagt, dass der Beginn vor dem Beginn dem Leser die fiktive Welt zeigt, so, wie sie ist, bevor sich die Ereignisse entwickeln, die zum zentralen Konflikt führen. Diese Ausgangssituation ist wie Salat und Suppe vor dem Hauptgericht. Es ist wichtig, dass der Leser den Status quo kennt, das heißt, die Lage der Dinge zu einem bestimmten Zeitpunkt... die Ausgangssituation.

Bleiben wir bei obigen Beispiel. Zu dem Zeitpunkt, wo mein Roman (richtig) beginnt, also die Flucht durch den Urwald, weiß der Leser alles über die beiden Hauptfiguren. Er weiß, wo sie herkommen, kennt ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bzw. weiß bescheid darüber, welche Fähigkeiten sie nicht haben, die sie aber für solch einen Horrortrip haben sollten. Er weiß auch, was diese beiden normalsterblichen Mitteleuropäer im zentralamerikanischen Dschungel zu suchen haben und er ist auch darüber informiert, wie die beiden zueinander stehen. Kurzum, er weiß alles, was er wissen muss. Der Roman (oder der Horrortrip) kann beginnen.

Abschließend noch die Antwort auf die Frage, wie lang soll denn nun der Anfang vor dem Anfang sein? Dafür gibt es meines Erachtens kein Patentrezept. Er sollte so lang sein, bis der Leser alle nötigen Kenntnisse über die Ausgangssituation hat. In meinem Beispiel sind es über 80 Buchseiten.

...Christina kauerte immer noch am Boden und wagte nicht, sich zu rühren. Sie versuchte zu ergründen, wie viel Zeit seit Uwes Weggang vergangen war. Zu allem Überfluss war ihr kalt und sie hatte eine panische Angst, nicht nur vor den Kidnappern, sondern auch vor den ungewohnten Geräuschen des Dschungels. Um sie herum zirpte es, es raschelte und Tausende von anderen Lauten durchdrangen die Luft. Was mussten sich im Wald für Tragödien abspielen? Der Tod des einen war Fortbestand des anderen. Das war der Lauf der Dinge, so hat es die Schöpfung eingerichtet. Der ganz normale Wahnsinn. Bei der bloßen Vorstellung, auch ein Glied in dieser Kette zu sein und von einem Raubtier gefressen zu werden, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken...
„Last Minute nach Nirgendwo”, ein Karibikurlaub wird zum Horrortrip durch den Dschungel, ein Thriller. ISBN 3-936600-01-5

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Die Recherche. Oder - wie komme ich an Hintergrundmaterial?

Obwohl es Menschen gibt, die so tun als ob, behaupte ich einmal, dass niemand alles wissen kann. Wenn ich das sage, dann ist das nicht als Mangel an Allgemeinwissen zu verstehen. Möchte ich einen historischen Roman schreiben, dann sollte ich mich entweder in der Epoche gut auskennen, weil es vielleicht gerade mein Hobby ist oder aber ich sollte mich sorgfältig auf diese Epoche vorbereiten. Wenn ich in einem Krimi von Polizeiarbeit berichten möchte, sollte ich mich darin auskennen, einfach damit mein Stoff glaubwürdig wird. Ich muss als Autor auch damit rechnen, dass einmal ein Polizist zu meinen Lesern gehören wird. Mich mitleidig beschmunzeln zu lassen, gehört nun nicht gerade zu meiner Lieblingsbeschäftigung.

Ohne sorgfältige Recherche kann man kaum anschaulich schildern. Wie komme ich aber nun an die richtige Quelle?
Als ich in einen meiner Romane einen tödlichen Autounfall beschreiben wollte, stand ich plötzlich vor der Frage der Todesursache, denn mein Fahrer sollte noch ein paar Minuten leben und dann erst sterben. Eine Rettung sollte aus medizinischer Sicht unmöglich sein. Welche Verletzung hat dies zur Folge? Ich bin damals kurzer Hand in die nächste Unfallchirurgie marschiert und habe dort mein Anliegen vorgetragen. Zwei Minuten später saß ich im Büro des Chefarztes, der mir breitwillig Auskunft erteilte. Heute weiß ich, dass man nach einem Gefäßabriss (z.B. Aorta) keine Überlebenschance hat und nach wenigen Minuten das Zeitliche segnet. Ich möchte mit diesem Beispiel anführen, dass sich vieles klären lässt, in dem man Leute, die dieses Fachwissen haben, fragt. Wohl dem, der diese in seinen Bekannten- oder Freundeskreis hat.

Bücher sind natürlich auch eine Quelle. Nicht nur ich weiß, was nach einem Gefäßabriss passiert. Alle meine Leser wissen es jetzt auch, denn Bücher vermitteln Bildung. Auch Romane! In Deutschland kommen zu den schon vorhandenen Büchern jährlich 60.000 bis 80.000 Neuerscheinungen auf den Markt. Eine enorme Zahl! Der Anteil an Sachbüchern dürfte beträchtlich sein. Wir müssen sie ja nicht gleich kaufen, denn Sachbücher haben ihren Preis. Aber wozu gibt es Bibliotheken? Eine Universitätsbibliothek dürfte keine Wünsche offen lassen. Besonders eignen sich Fachbücher, die für Kinder oder Jugendliche geschrieben wurden, weil sie alles sehr anschaulich schildern, was man in Erwachsenenbüchern manchmal vermisst.

Aus Filmen lässt sich ebenfalls Wissen beziehen. Wenn ich einen historischen Roman schreiben möchte, sollte ich mir ein paar historische Filme ansehen und nach Möglichkeit auch schon das eine oder andere Buch darüber gelesen haben.

Die beste Quelle dürfte wohl das Internet sein. Ich habe einmal meine Protagonisten tagelang durch einen Dschungel irren lassen. Allein der Gedanke daran, welche Viecher da so herum krauchen und fleuchen, lässt einem schon die Nackenhaare zu Berge stehen. Mein konkretes Wissen dagegen war recht vage. AOL gestartet, die Suchmaschine Lycos aufgerufen und als Suchbegriff Vogelspinne eingegeben. Wenig später wusste ich, dass das Gift der Vogelspinne, entgegen landläufiger Meinung, mit dem der Wespe vergleichbar ist und bestenfalls eine Rötung der Haut oder eine leichte Schwellung hinterlässt. Also nichts da mit Todesbiss und so. All das gehört ins Reich der Fabeln oder Märchen.

Andere Autoren eignen sich ebenfalls als Recherchenquelle. Wenn ich einmal ein Kinderbuch schreiben wollte, würde ich Manuela Kindler unserer Autorenseite (www.autoren-netz.de) - eine Koryphäe in Sachen Kinderbücher - nach ihren Recherchenquellen fragen.

Abschließend noch einen Tipp. Niemals eine Geschichte mit dem recherchierten Material überfrachten. Ein Roman ist kein Sachbuch. Immer schön den Plot im Auge behalten. Es reicht wenn ich in meinem Buch behaupte, dass das Gift der Vogelspinne nicht sehr giftig ist. Ich muss nicht auch noch den Beweis mit verschiedenen chemischen Formeln antreten.

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Suspense und narrativer Haken.

Oha, was bin ich darüber attackiert worden, als ich z.B. in einem meiner Romane schrieb: hätten sie gewusst, was sie dort erwarten würden, sie hätten sich sinnlos betrunken, nur um in Folge der Trunkenheit ihren Flieger zu verpassen. (übrigens kam die Attacke von einer möchte-gern-Autorin).
Wie halte ich einen Leser bei der Stange? Die Antwort ist denkbar einfach, mit einem guten Buch. Logo, werdet ihr sagen, aber das ist mir nicht genug. Mit Spannung. Auch logo! Wenn der Autor etwas interessantes zu berichten hat, hält er den Leser auch bei der Stange und er muss nicht befürchten, dass sein Werk in die Ecke fliegt, wo es verstaubt. Das Wort Suspense kommt aus dem englischen und heißt einfach Spannung, Gespanntheit. Suspense soll also Gespanntheit vermitteln und nicht lange Weile! Was aber nun, wenn der Autor dem Leser Informationen geben muss, die ziemlich trocken, ja sogar fast langweilig sind, die aber für den weiteren Verlauf der Geschichte - also später - wichtig sind. Dann ist guter Rat oft teuer. Schlimm wird es, wenn diese nötigen Informationen über mehrere Seiten gehen. Was aber tun um den Leser in so einem Moment bei der Stange zu halten? Ganz einfach, man lege einen so genannten narrativen Haken aus. Mit diesem Haken soll man den Leser festhalten, daher also der Begriff Haken. Was aber ist Suspense? In meinen Fremdwörterlexika gibt es dieses Wort nicht. In meinen Studienunterlagen meiner Autorenschule sehr wohl. Suspense ist das Gegenteil von Überraschung. Bei einer Überraschung passiert etwas, womit der Leser nicht gerechnet hat. Bei der Suspense rechnet der Leser damit, dass etwas passiert und schon haben wir Autoren den Leser bei den Ohren gepackt, wir haben ihm am Haken. Und damit kommen wir der Sache schon ein Stückchen näher. Die Definition der Autorenschule besagt: Suspense entsteht, wenn der Leser mehr weiß als die Protagonisten und sich um sie sorgt. Der Meister der Suspense ist Hitchcock. Sein klassisches Beispiel dafür sind Leute, die an einen Tisch sitzen und eine langweilige Unterhaltung führen (der Leser ist versucht, die langweilige Stelle zu überspringen oder gar das Buch in die Ecke zu feuern.) Unter dem Tisch ist eine Bombe, die plötzlich explodiert. Der Leser ist überrascht. Suspense ist, wenn der Leser weiß, dass unter dem Tisch eine Bombe ist. Dieselbe langweilige Unterhaltung wird plötzlich interessant, weil der Leser wissen will, was passiert, er fiebert diebisch mit. Und damit beweist der Autor, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat.

Wenn der Leser im Gegensatz zum Protagonisten weiß, dass hinter der nächsten Ecke das Grauen lauert, wird er mit Sicherheit das Buch nicht in die Ecke feuern, egal, wie langweilig auch gerade die Stelle im Buch sein mag und der Autor hat es geschafft, dem Leser am (narrativen) Haken zu haben.

Es sind beim Suspense-Verfahren also nicht fehlende Informationen, die für den Leser Spannung erzeugen, sondern Informationen, die der Leser hat und die der Protagonisten benötigen würde, um eine Gefahr auszuweichen. Der Leser kann den Protagonisten nicht warnen und leidet damit besonders intensiv. Die praktische Umsetzung eines narrativen Hakens ist recht simpel. Nehmen wir ein Beispiel: „... diese Sorgen sollten nichts dagegen sein, im Vergleich zu dem, was mich noch erwarten würde...”

Ein weiteres Beispiel ...euphorisch brachen sie auf, ein fataler Fehler, wie sich bald darauf herausstellen sollte...

...wenn er gewusst hätte, welche schrecklichen Ereignisse ihn in der Ferne erwarteten, er hätte sich am Abend sinnlos betrunken, so dass er zwangsläufig sein Flugzeug verpasst hätte...

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Charakterisierung

Die indirekte Charakterisierung ist in jedem Fall der direkten vorzuziehen. Nehmen wir ein Beispiel: Heidi war 30 Jahre, ca 160 cm groß und mochte an die 60 kg wiegen... Wenn man so etwas in einem Roman verarbeitet, wird jeder Lektor entnervt das Manuskript beiseite legen, weil er weiß, dass der Autor das Handwerk des Schreiben nicht beherrscht (mit Handwerk meine ich hier nicht die Rechtschreibung, Grammatik oder die Orthographie!). Die Frage ist die: ist es nicht egal, ob Heidi nun 29, 30 oder 31 ist? Das selbe gilt für Größe und Gewicht. Nehmen wir folgendes Beispiel aus der Autorenschule. (ich füge es bewusst ein, da immer wieder gefragt wurde, wie es in solch einer Schule vor sich geht). Hier also die Aufgabe und die Antwort meiner Dozentin, Frau Rees.

Aufgabe Nr. A 10

Hanna war 68 Jahre alt, 1,56 m groß und trug am liebsten rosa Latzhosen und alte Turnschuhe. Sie war eine großzügige offene Person, die trotz ihres ungewöhnlichen Lebensstils von fast allen im Dorf respektiert wurde.

Charakterisieren Sie diese Person indirekt. Sie dürfen weder die Zahlen (Alter, Größe) noch die Adjektive großzügig und offen nennen, sondern diese Informationen indirekt vermitteln.

Stop, bevor ihr weiterlest, überlegt erst mal selbst, ob ihr es hinbekommen könntet. Wenn ja: wie?

Meine Arbeit:

Hanna war nicht mehr die Jüngste und hatte den Zenit ihres Lebens lange überschritten. Sie war zwar klein an Größe, aber ihr Herz anderen Menschen gegenüber war groß und unverschlossen. Sie war im Dorf beliebt, daran änderte auch die Tatsache nichts, dass sie am liebsten tagaus, tagein immer in den selben Klamotten herumlief und ihr Lebensstil von denen der anderen abwich.

Hallo Herr Ternes,

in aller Knappheit haben Sie die Aufgabe gelungen umgesetzt. Hanna kommt gut rüber und man kann sich ein Bild von ihrer Art sowie ihrem Aussehen machen. Perfekt.

Weiterhin viel Spaß!

Ihre C.Rees.

Fassen wir also zusammen: Mit wem haben wir es zu tun? Eine Frau, die so um die sechzig sein wird, denn sie hat den Zenit ihres Lebens überschritten. (völlig wurscht, wie alt denn nun genau). Klein an Größe, wie klein könnte das sein? Bei einer Frau schätze ich das so auf 150 cm. usw. Damit haben wir also geklärt, wie man fiktive Charaktere indirekt charakterisieren kann. Ich denke auch, dass aus dem Beispiel hervorgeht, welche Art zu bevorzugen ist.

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Indirekte Charakterisierung II

Kürzlich hatte ich in einem Internetforum über die indirekte Charakterisierung gesprochen und daraufhin einige Fragen erhalten, die mich veranlasst haben, noch einmal zu dem Thema Stellung zu nehmen. Da obiges Beispiel einigen Autoren nach zu kurz war, hier ein längeres:
Die einzige Aussage, die man als direkt bezeichnen könnte ist: Mitte zwanzig. Ansonsten gibt es keine direkten, sondern durchweg nur indirekte Angaben.
Zur Erklärung: 10 Personen befinden sich in einem Flugzeug. Dem Leser werden die Crewmitglieder vorgestellt und damit charakterisiert.

Obwohl die Reisegruppe erster Klasse flog, verging die Zeit nur quälend langsam. Neugebauer hatte gleich nach dem Start begonnen, die Reiseteilnehmer einander vorzustellen. Da war Rudi Schauinsland, sein ehemaliger Klassenkamerad. Genauso alt, genauso groß und genauso schwer wie Neugebauer selbst. Die beiden hatten überhaupt viel gemeinsam. Sie waren in derselben Branche tätig, und Gerd hatte später mitunter das unbestimmte Gefühl, dass Rudi ebenso vermögend war wie sein gegenwärtiger Chef. Die Stahlbranche musste zweifellos sehr ertragreich sein. Außerdem beschlich ihn manchmal so ein Gefühl, dass Rudi Mitfinanzier der Exkursion war. Beide Männer begeisterten sich seit ihrer frühesten Jugend für die Segelei, und wie Gerd später erfahren sollte, war dieser Südseetörn auch ein Jugendtraum von Rudi. Rein vom Äußerlichen hätten sie durchaus Brüder sein können. Nicht nur, dass sie von Größe, Alter und Statur her gleich waren, auch sonst fand man überall Gemeinsamkeiten. Kurz geschorenes Haar mit gleich großen Geheimratsecken und eine beginnende Glatze am hinteren Oberkopf. Beide schauten sie durch ähnlich gestaltete Brillen in die Welt. Das Positive an den beiden Freunden war, dass sie ihren offensichtlichen Reichtum nicht zur Schau trugen. Obwohl beide hoch dotierte Manager waren, wie Gerd erfahren hatte, bewahrten sie sich ihre Einfachheit anderen gegenüber, was ihnen eine gewisse Sympathie einbrachte. Darüber hinaus hatten beide nicht nur eine Vorliebe für junge knackige Frauen, sie brachten sie auch gleich mit. Da war Katja, die zweifellos zu Neugebauer gehörte und in einem Alter war, dass sie ohne weiteres seine Tochter hätte sein können. Sie war mit Abstand die Kleinste im Team, und um dies zu kaschieren, rannte sie die ganze Zeit mit hochhackigen Schuhen herum. Sie hatte eine dunkle Kurzhaarfrisur und strahlend blaue Augen, die erahnen ließen, dass ihre Haarfarbe nicht echt war. Ihr Gesicht zierte ein kleines, aber niedliches Stupsnäschen. Sie hinterließ auf Gerd einen äußerst sympathischen Eindruck und bewies in jeder Hinsicht Stil und gute Manieren.
Karin Bauer schien allem Anschein nach die Freundin von Rudi zu sein und etwa im gleichen Alter wie Katja. Sie war eine schlanke und überaus gepflegte Erscheinung. Neugebauer erzählte, dass sie als Kosmetikerin arbeitete, und so war es nicht weiter verwunderlich, dass sie ganz hervorragend geschminkt war. Sie war zwar deutlich größer als Katja, aber dafür immer noch kleiner als Rudi. Sie hatte blondes mittellanges Haar, das sie gekonnt zu einem Knoten hochgesteckt hatte. Ihre grünen Augen hatten etwas schelmisches an sich, und Gerd beschlich nicht zum letzten Mal das Gefühl, dass sie es faustdick hinter den Ohren haben musste. Im Laufe der Reise wurde er dann und wann das Gefühl nicht los, dass die beiden Frauen, genau wie er selbst, für ihre Anwesenheit bezahlt wurden. Er nahm sich aber vor, es nicht weiter zu hinterfragen. Wenn die beiden auch noch sehr jung waren, so waren sie doch erwachsene Menschen und mussten wissen, was sie taten.
Benno Klein war ein Fall für sich, und Gerd brauchte nicht lange, um ihn zu durchschauen. Er verkörperte einen jener Sprücheklopfer, die ihrem eigenen Anspruch mit dem Mundwerk meilenweit voraus waren, es in ihrem bisherigen Leben zu nichts gebracht hatten und es wahrscheinlich auch im weiteren Leben zu nichts bringen würden. Gerd bekam nach und nach den Eindruck, dass niemand ihn und seine Sprüche so recht ernst nahm, und er fragte sich zwangsläufig, welchem Zustand er es wohl zu verdanken hatte, dass er bei dem Törn mit dabei war. Auf der anderen Seite hatte Benno Klein ein spaßiges Wesen, dass bei allen anderen gut ankam und dazu beitrug, den zwölfstündigen Flug nicht ganz so langsam vergehen zu lassen. Altersmäßig mochte er wohl zwischen Gerd und Neugebauer liegen, für seinen Körper galten andere Maßstäbe. Man hätte ihm ohne weiteres abnehmen können, als Sumo-Ringer aufzutreten, wenn es ihm einfallen würde, dieses zu behaupten. Sein Bauch war der eines Mastschweins und sein Kopf der eines Preisboxers. Wenn er sich etwas zurücklehnte, konnte er ein Champagnerglas auf seinem Bauchansatz unterhalb der Brust abstellen, ohne dass es herunterfiel. Seine kurzen dicken Wurstfinger passten genau wie seine langen strähnigen Haare, die er zum Zopf zusammengebunden hatte, irgendwie zu seinem ganzen Erscheinungsbild. Sein schweres Doppelkinn rundete dieses nur noch ab.
Zwar hieß Wolfgang mit Nachnamen ebenfalls Klein, aber das waren auch schon alle Gemeinsamkeiten. Ansonsten konnten beide unterschiedlicher nicht sein. Wolfgang war einen Kopf größer, dafür wog er aber höchstens halb soviel wie Benno. Er verkörperte die sprichwörtliche Bohnenstange. Von seinem Alter her mochte er wohl an Rudi und Harry herankommen. Ansonsten fiel er durch keine Besonderheiten auf. Wie bei allen anderen ließ Harry die übrigen Teilnehmer über Wolfgangs Funktion im Unklaren.
Genauso entzog es sich Gerds Kenntnis, weshalb die drei jungen Frauen mitgenommen worden waren. Ein Attribut jedoch war bei allen augenscheinlich: ihre Attraktivität. Harry, sein neuer Chef, hatte, was Frauen anging, zweifellos Geschmack.
Viola schien die älteste der Damen zu sein und war etwa in Gerds Alter. Doch auch sie hinterließ bei ihm einen sehr guten Eindruck. Sie hatte etwas Sanftes an sich und - warum, wusste er nicht - er musste bei ihrem Anblick immer an eine Katze denken. Vielleicht lag es an ihren funkelnden Augen, vielleicht an ihrem Gemüt, dass ihm wie das eines Stubentigers vorkam? Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie unnahbar war, wie man es Katzen im Allgemeinen nachsagt. Er wusste es nicht, konnte sich aber sehr gut vorstellen, das im Laufe der Reise herauszufinden. Äußerlich hatte sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Karin, Rudis Begleitung. Augenfällig waren die ebenfalls blonden Haare, die sie beide hochgesteckt hatten. Auch hier ließ ihn der Verdacht nicht los, dass die Haarfarbe nicht echt zu sein schien. Im Gegensatz zu Viola schien Karin schlanker zu sein, doch zu einem späteren Zeitpunkt sollte Gerd zu der Überzeugung kommen, dass dieser Eindruck trog. Es mochte an ihren vollen Brüsten gelegen haben, dass er dachte, sie hätte eine etwas fülligere Figur. Diese Frau war für ihn das, was man als Sinnbild sprühender Erotik bezeichnen konnte und obendrein atemberaubend attraktiv.
Und schließlich waren da noch Anna und Maria, die Zwillinge, wie Katja und Karin etwa Mitte zwanzig und von leicht exotischem Aussehen. Lange schwarze lockige Haare verdeckten häufig ihre makellosen Gesichter, so dass man von den blendend weißen Zähnen und den tief dunklen Augen nur wenig zu sehen bekam. Die reinsten Rassefrauen, was sie in erster Linie wohl der Tatsache zu verdanken hatten, dass sie brasilianischer Abstammung waren, wie Gerd später erfuhr. Der Grund ihrer Anwesenheit blieb ebenfalls im Unklaren. Außerdem ließ Harry die anderen im Unklaren darüber, welchem Umstand Gerd es zu verdanken hatte, diesen gut bezahlten Job erhalten zu haben. Acht Wochen Ferien und dafür auch noch bezahlt zu werden, war schon eine feine Sache.
Dass der Segeltörn anders als erwartet verlaufen würde, konnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen...

Mit dem letzten Satz gibt der Autor dem Leser ein Versprechen. Der Segeltörn entwickelt sich zum Alptraum auf hoher See...

Wer nun wissen möchte, wie es mit den schillernden Figuren unter enormen Stress weitergeht, findet die Antwort in: „Die Branche bei der es um den Tod geht”, ISBN 3-937312-11-0

Aber kommen wir zurück zur indirekten Charakterisierung. Im obigen Text befindet sich keine konkrete Altersangabe. Der Leser erfährt nicht, wie groß die Leute und wie schwer sie sind. All diese Zahlen lässt der Autor ganz bewusst aus, denn sie wären Bestandteil einer direkten Charakterisierung.

Eine Autorin, die ich in Laufe meiner Mentortätigkeit einmal kennen gelernt hatte schrieb einmal: ... Es war der 14. Dezember 1947... Was sagt uns dieser Satz? Es ist Winter, das Jahr 1947 und Mitte Dezember. Ganz klar und auch ganz direkt. Ich habe wie folgt korrigiert: ... Es war an einem kalten Wintertag ungefähr zwei Wochen vor Weihnachten und ziemlich genau zwei Jahre nach dem letzten Weltkrieg... Was sagt dieser Satz? Genau das gleiche, wie obiger nur eben indirekt und jene Autorin hatte ihn, hellauf begeistert, übernommen.

Immer wieder stelle ich fest, dass junge Autoren ihre Charaktere nicht konsequent charakterisieren. Das wenige, was sie schreiben ist dann auch noch recht dürftig. Ich sprach daraufhin eine Autorin an und sie antwortete, dass sie nicht so recht wisse, wie sie die Charakterisierung vornehmen soll. Ich antwortete ihr, dass die Spiegelvariante gerne benutzt wird, stellte dann aber sehr schnell fest, dass sie damit nichts anzufangen wusste.

Hier ein Beispiel, für die Charakterisierung mit Hilfe der Spiegelvariante:

Georg Kramer legte an der Garderobe seinen Mantel ab und begab sich auf direktem Wege ins Bad. Lange hatte er sich daran gewöhnt, dass seine Frau äußersten Wert darauf legte, dass er zu jeden Anlass entsprechend gekleidet war. Unpassende Kleidung, eine unordentliche Frisur oder gar schwarze Ränder unter den Fingernägeln waren im Hause Kramer undenkbar.
Als Georg der Dusche entstieg, betrachtete er an der gegenüberliegendem Wand sein Spiegelbild. Vierzig Jahre bist du nun geworden, dachte er, und kannst dich immer noch sehen lassen. Kein Doppelkinn, kein Bierbauch, keine Schwimmringe um den Hüften. Weder zu klein, noch zu groß, zu dünn oder gar zu fett. Seine Maße waren deutscher Durchschnitt, wie er meinte. Seine Haare waren, der vorherrschenden Richtung nach, kurz geschoren und die sich bildenden Geheimratsecken hielten sich in Grenzen. Wie alle Mitglieder seiner Familie hatte er dunkelblondes dichtes Haar. Seine klein geratenen, eng zusammenstehenden blaugrünen Augen, gaben seinem Gesicht etwas Verschlagenes. Seine hohe Stirn und seine gerade Nase erinnerten entfernt an einen römischen Imperator. Seine eng anliegenden Ohren waren während seiner Kindheit gleichermaßen Anlass für Neid und Spott.
Gerne stand Georg nach der morgendlichen Toilette vor dem Spiegel, biss seine Zähne zusammen, öffnete dabei die Lippen und betrachtete mit Stolz zwei Reihen vorbildlich gepflegter Zähne, die jeden Zahnarzt in den Ruin treiben mussten. [Hier endet die Spiegelvariante, der Autor nutzt diese Charakterisierung und stellt weitere fiktionale Charaktere vor.]
Als die Badezimmertür geöffnet wurde, griff Georg zum Handtuch und begann sich abzutrocknen. Seine Frau betrat das Bad, stellte sich wortlos vor den Spiegel und begann ihr Make-up aufzufrischen. Georg nutze die Gelegenheit und unterzog sie einer eingehenden Betrachtung. Auch in diesem Bereich habe ich ausgesprochenes Glück gehabt, dachte er weiter, als seine Augen Silvias Körper abtasteten. Silvia war zwar zwei Jahre älter als er, hatte sich aber über all die Zeit hinweg ihre phantastische Figur erhalten. Auch Silvias Maße konnte man durchaus als durchschnittlich bezeichnen. Da sie meistens mit hochhackigen Schuhen unterwegs war, fiel die Tatsache, dass sie einen halben Kopf kleiner war als Georg, nicht weiter ins Gewicht. Sie hatte es offenbar ihren regelmäßigen Gymnastikübungen zu verdanken, dass man auch bei ihr Fettansätze vergeblich suchte. Ihr dunkelblondes volles Haar, dass sie in der Regel offen trug, hatte sie an der linken Seite gescheitelt. Sie achtete peinlichst darauf, dass das Haar nicht Ihre Schulter erreichte, da sie - ihrer Meinung nach - dafür nicht mehr jung genug war.
Sie war - wie immer - tadellos gekleidet und Georg konnte sich nicht erinnern, dass er seine Frau während ihrer zwanzigjährigen Ehe schon einmal
nachlässig gekleidet gesehen hätte.
Sie trug an diesem Tage ein hellblaues Kostüm, das ihre tadellose Figur hervorragend unterstrich. Ihre Beine wurden von einer glitzernden Strumpfhose eingehüllt und Georg ertappte sich bei dem Wunsch, dass ihr Rock ruhig kürzer hätte sein können, um von ihren wohlgeformten Oberschenkeln etwas mehr preisgeben zu können. Georg wusste, dass Silvias ganzer Stolz ihre Brust war und sie machte daraus anderen gegenüber auch keinen Hehl. Trotz ihres Alters und der Tatsache, dass sie daran zwei Kinder genährt hatte, hatte ihre Brüste das, worum sie von manch anderer Frau offen beneidet wurde, sie hatten schlicht und einfach eine gute Form.
Kennen gelernt hatte er seine Frau während ihrer gemeinsamen Studienzeit. Georg hatte ein journalistisches
Studium eingeschlagen, das er später in ein juristisches änderte. Silvia war schon ein paar Semester weiter, sie studierte Germanistik. Ihre Karieren waren ähnlich verlaufen. Sie hatte bei einem großen Berliner Verlag als Lektorin angefangen und war bald darauf in die Chefetage des Lektorats emporgestiegen.
Kurz vor ihrer Hochzeit erblickte ihr gemeinsamer Sohn das Licht der Welt. Zwei Jahre später gesellte sich die Tochter dazu. Die Zeit nach der Geburt der Kinder war nicht leicht gewesen. Georg war einer der wenigen Studenten, der bereits zwei Kinder hatte und oftmals reichte das Geld hinten und vorne nicht. Manches mal musste seine oder die Eltern seiner Frau aushelfen.
Beide Kinder waren gut geraten und besuchten zur Zeit ebenfalls die Universität in Sachen Technik und Architektur.
Georgs Blick tastete gerade das feingeschnittene Gesicht seiner Frau im Spiegel ab, als seine Gedanken unterbrochen wurden. Seine Frau, die seine Blicke bemerkt haben musste, sagte plötzlich: „Fleischbeschau beendet?” Sie gab ihn einen freundschaftlichen Klaps auf den immer noch nackten Hintern, hauchte ihn einen Kuss auf die Wange und redete dann weiter: „Beeile dich bitte, ich habe gerade eine Autotür zuschlagen gehört. Ich glaube die ersten Gäste treffen ein.”
Kurz darauf war Georg allein.
[Anmerkung: es handelt sich hier um einen Ausschnitt aus einem Roman. Die konsequente Charakterisierung wird natürlich an anderer Stelle fortgesetzt.]

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Die Sprache als Element der Charakterisierung.

Wenn wir uns an einen neuen Roman heranmachen, lassen wir darin verschiedene fiktionale Charaktere entstehen und diese im Dialog miteinander reden. Welche Sprache befleißigt man sich nun? Deutsch! Logo! Damit möchte ich gesagt haben, dass mit der Wahl der Sprache nicht eine Landessprache gemeint ist. Wie also lassen wir nun unseren fiktionalen Charaktere reden? Unerfahrene Autoren nehmen ihre eigene Sprache und die ist in den meisten Fällen denkbar ungeeignet, denn dann würden alle Figuren mit einer Ausdrucksweise reden und das gibt es nicht im Leben (Ausnahme: Autobiografie und den Erzählstil in der ersten Person). Spätestens jetzt sollten wir mal klären, was unter Sprache zu verstehen ist. Sprache heißt: die Ausdrucksweise, die ein Mensch für gewisse Dinge benutzt. Beispiel Geld, wir kennen das alle. Manche Leute sagen Knete dazu oder Kohle, manche Mäuse, andere wieder Zaster, noch andere bezeichnen Geld als Radatten usw. Verschiedene Bildungsstände benutzen für ein und den selben Gegenstand unterschiedliche Bezeichnungen. Und damit kommen wir zum Punkt. Ein Handlanger vom Bau hat eine andere Ausdrucksweise als ein Universitätsprofessor und eine Lehrerin wird anders reden als ein leichtes Mädchen. Auf einer Baustelle wird folgender Satz wohl kaum zu hören sein: „Gerhard, ob du vielleicht die Liebenswürdigkeit besitzt und mir bitte mal die Kelle rüber reichst?” Eher wohl so: „He, Gerhard, du Arsch, lass doch mal die verwichste Kelle rüberwachsen, aber n´bisschen dalli.”

Recht derb dürfte es auch in den Kasernen diverser Armeen zugehen, wobei der Umgangston an einer Hochschule ein ganz anderer sein dürfte.

Das man mit der Sprache ganz hervorragend fiktionale Charaktere beschreiben kann, geht ja schon aus der Überschrift hervor. Nehmen wir mal ein konkretes Beispiel: zwei Frauen unterhalten sich:
„Also gut, ich glaube, Sie haben Recht.”
Georg gab Monique dann noch seine Handynummer und legte dann auf.
Monique jauchzte, schleppte sich zu ihrer Schwester rüber, riss die Tür ohne zu klopfen auf und tirilierte: „Ich habe dem smarten Anwalt seine Handynummer aus dem Kreuz geleiert. Die Jagd ist eröffnet. Er kommt die nächsten Tage her. Ha, wäre doch gelacht!”
„Und was gibt es da so zu jubilieren?”
„Du hättest den sehen müssen, der hat sich gewunden wie ein Furz im Hemde. Per Fax sollte ich ihn die Rechnungen schicken oder bei seiner Sekretärin abgeben. Bei dem piept es wohl. Vielleicht rennt eine Monique Rüde hier noch so einem beschissenen Anwalt hinterher...”
„Monique, bitte.”
„Pah, andersherum wird es der Fall sein. Darauf kannst du deinen Arsch verwetten!”
Nicole schüttelte ihren Kopf. „Wo hast du nur diese Ausdrücke her? Kannst du dich auch etwas damenhafter ausdrücken?”
„Wo es angebracht ist, Schätzchen, wo es angebracht ist.” Monique schlurfte wieder aus Nicoles Zimmer und war mit sich und der Welt zufrieden. Als sie die Tür schloss, sah sie noch, wie ihre Schwester ihr immer noch leicht mit dem Kopf schüttelnd, hinterher sah.

was habe ich als Autor erreicht, bzw. was hat der Leser erfahren? die eine Frau ist recht derb in ihrer Ausprsche, die andere lehnt dieses wohl offensichtlich ab und schon habe ich die beiden Damen indirekt charakterisiert, ohne ellenlange Beschreibungen liefern zu müssen.

Jeder Autor sollte in der Vorbereitung eines Romans die Sprache für jeden fiktiven Charakter festlegen, wobei er soziale Stellung und Bildungsstand seiner Figuren unbedingt berücksichtigen sollte. Am besten ist, wenn man sich dazu Notizen macht und bestimmte Wortbildungen, der einzelnen Charaktere, immer wieder einsetzt. Dies ist besonders nützlich, wenn wir in unserem Roman mehrere Hauptfiguren haben, die im Dialog miteinander in Verbindung stehen. Für den Leser sollte immer klar sein, wer gerade was sagt, fragt oder sich äußert. Ein negatives Beispiel kann jeder in dem Roman „Die Drachenhöhle” von Linda Davis nachlesen. Dort finden wir Seitenweise Dialoge, ohne zu wissen, wer da nun was gerade sagt und die Übersicht geht m.E. schnell den Bach hinunter. Wenn mehrere Personen miteinander reden, ist es unabdingbar, mindestens hin und wieder zu betonen, wer was sagt. Das könnte so aussehen

 „Du hast recht”, entgegnete Harry auf Rudis Einwand.
„Wer hat recht”, fragte Viola und Karin erwiderte: „Eben, das möchte ich auch gerne wissen.”
„Ich sage nichts mehr dazu”, meinte Katja hinzufügen zu müssen...

Bei diesem Beispiel ist also immer gegeben, wer was gerade sagt. Auf Dauer wird es aber recht müßig, immer anzugeben, wer gerade spricht und es soll sogar Leser geben, die das nicht sonderlich mögen. Wie kann ich das umgehen? In dem ich jeden seine eigene Sprache gebe. Neben wir Katja aus obigen Beispiel und lassen sie anstelle von nichts im ganzen Buch immer nix sagen, dann würde obiger Satz so lauten: „Ich sage nix mehr dazu.” Die folgende Erklärung, dass es sich um Katja handelt, können wir uns sparen, denn es gibt nur eine Person im Buch, die so redet und jeder aufmerksame Leser wird wissen, das es sich um Katja handelt. Hier werfe ich gleich noch einen anderen Aspekt auf. Müssen alle eine exakte saubere deutsche Aussprache haben? Nein!, denn die realen Vorbilder im Leben haben sie auch nicht. Im Dialog ist erlaubt, was man uns sonst übel nehmen würde, nämlich Fehler. Denn es sind gerade diese immer wiederkehrenden Fehler, die die Figuren charakterisieren und für den Leser erkennbar machen. Im Dialog darf es heißen: „Zwischen uns ist nichts weiter wie Freundschaft.” Außerhalb eines Dialogs müsste es natürlich so heißen: zwischen ihnen war nichts weiter als Freundschaft, denn dort wäre das wie ein Fehler. Dürfen wir uns im Ton vergreifen? Aber natürlich dürfen wir das. Ich könnte einen Roman alleine dadrüber schreiben, was am Stammtisch einer Kneipe sprachlich so abgeht. Auch wenn es einige Lektoren nicht hören wollen, im realen Leben wird nun mal so gesprochen. Und wenn ich als Autor das reale Leben wiedergeben möchte, muss ich mich auch der verschiedensten Ausdrucksweisen bemächtigen. Damit charakterisiere ich meine Figuren. Alles andere wäre unglaubwürdig. In oben angeführten Roman haben wir so eine Situation. Einer der Figuren hat eine recht derbe Ausdrucksweise an sich, wird damit indirekt  charakterisiert und im Verlauf der Handlung immer wieder erkannt, ohne jedes mal zu schreiben: sagte Benno, erwiderte Benno, gab Benno zurück und machte dabei ein dummes Gesicht. Der Leser weiß, dass es sich nur um Benno handeln kann, der gerade wieder eine Zote zum besten gegeben hat.

Abschließend möchte ich hierzu noch die Empfehlung geben nicht im Dialekt zu schreiben, meines Erachtens wäre das zu viel des Guten.

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Perspektivwechsel

Ein weit verbreiteten Fehler, der Perspektivwechsel. Was ist ein Perspektivwechsel, wo kommt er vor und wo nicht?

In einem Roman gibt es mehr oder weniger fiktionale Charaktere oder anders ausgedrückt, agierende Personen. An erster Stelle steht in der Regel der Protagonist und der Leser sieht aus dessen Sicht die Geschehnisse im Roman. Wird der Roman in der ersten Person geschrieben - also in der Ich-Form - dann gibt es nur diese eine Sicht. Die Perspektive kann nicht wechseln, denn der Protagonist erzählt seine Geschichte aus seiner Sicht und lässt den Leser daran teilhaben. Wird dagegen in der dritten Person geschrieben, kann es durchaus mehrere Perspektiven geben. Die Erzählweise kann also zwischen mindestens zwei oder auch mehreren Personen wechseln. Nehmen wir ein Beispiel, der Morgen nach einer durchzechten Nacht...

...als Gerd die Treppe von seinem Schlafzimmer herunter kam, hielt er seinen Kopf und stöhnte dabei. Die Folgen der durchzechten Nacht traten in seinem Bewusstsein. „Ich trinke nie wieder so viel”, brummelte er vor sich hin. (Hier befindet sich der Leser in Gerds Perspektive, er nimmt Teil an Gerds Gedanken und Empfindungen.) Unten am Tisch saß Susanne. Sie hatte ihren Kopf aufgestützt und litt ebenfalls an den Folgen der letzten Nacht. Jetzt ist der Leser im Kopf (Perspektive) von Susanne und leidet mit ihr. Es ist also ein Wechsel von Gerd zu Susannes Perspektive durch den Autor vorgenommen worden. Ich denke, dass dies der Kardinalfehler aller angehenden Autoren, die in der dritten Person schreiben, ist, denn es ist falsch. Richtig müsste es wie folgt heißen: Unten am Tisch saß Susanne. Sie hatte ihren Kopf aufgestützt und es schien, dass sie ebenfalls an den Folgen der letzten Nacht litt. In diesem Fall hat der Autor richtig gehandelt und die Perspektive nicht gewechselt. Warum aber schien es nur so? Ich hätte auch es war offensichtlich schreiben können. Weil Gerd es nicht wissen kann, was in Susanne vor geht, er kann es nur ahnen. Zur besseren Verständlichkeit ein weiteres Beispiel, das zeigen soll, dass es nicht immer einfach ist in einer gewählten Perspektive zu bleiben. Der Leser befindet in Martins Perspektive. Ute streckte Martin die Hand entgegen, die dieser breitwillig ergriff. Dann ging alles sehr schnell. Ehe Ute sich versah, hatte Martin sie zu sich herangezogen, fest in den Armen genommen und seine Lippen auf ihren Mund gepresst. Ute begriff schlagartig, dass sie hereingelegt wurde... Hier habe ich in Utes Perspektive gewechselt (mit Ute begriff), was falsch ist. Richtig wäre es so: Er merkte ihr an, dass sie wahrscheinlich schlagartig begriff, dass sie hereingelegt wurde... Somit habe ich Martins Perspektive nicht verlassen. Warum wahrscheinlich? Weil Martin nicht wissen kann ob Ute es begriffen hat, er kann es nur vermuten oder erahnen.

Darf man die Perspektive wechseln? Und wenn ja, wie wechsele ich die Perspektive richtig? Die Antwort ist leicht: Immer mit einem neuen Kapitel. Ich selber schreibe nicht in Kapiteln, jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Wenn ich mit einem Thema fertig bin, füge ich eine Leerzeile ein und schreibe mit dem nächsten weiter. Und so halte ich es auch mit dem Perspektivwechsel. Wenn ich die Perspektive wechseln möchte, tue ich das nach einer Leerzeile. Jeder Autor ist gut beraten, wenn er im Kapitel einen Perspektivwechsel unterlässt. Hält er sich nicht dran, ist die Wahrscheinlichkeit durch einen Lektor abgelehnt zu werden sehr groß.
Perspektivwechsel kann aber auch durch das was die Figuren tun, passieren. Wenn wir in Karins Perspektive sind und erfahren, dass sie einen Raum betritt, in dem sich Rudi aufhält, dann geht Rudi nicht auf Karin zu, Rudi kam auf Karin zu.
Jeffrey Archer beherrscht dies aus dem FF. in seinem Bestseller „Imperium”, Bastei Lübbe, ISBN 3-404-14263-2 (sehr zu empfehlen) kann man das mehrfach nachlesen.
Ich denke, dass dieser kurze Abriss reicht, um verständlich zu machen, was ein Perspektivwechsel ist und wie ich ihn vermeide. Es gibt nur noch eine Frage zu klären, warum es Bücher gibt, in denen sich der Autor einen Dreck um den Perspektivwechsel schert? Eine gute Frage. Ich weiß es nicht... Vielleicht weil es immer und überall Ausnahmen gibt? Keine Ahnung! Es gibt wohl Lektoren, die dies und auch andere Regeln nicht so ernst nehmen. Meine Dozentin und Lektorin hat mir das aber nicht durchgehen lassen.

Frey liefert da eine bessere Erklärung, die ich nicht vorenthalten möchte. Das ständige Wechseln der Perspektiven war besonders beliebt im viktorianischen Roman (Viktorianisches Zeitalter die Blütezeit des englischen Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter der Regierung der Königin Viktoria, gekennzeichnet durch wirtschaftlichen Aufschwung, ein festgefügtes, an den Moralprinzipien des Groß- und Mittelbürgertums ausgerichtetes Gesellschaftsbild.) Das Hauptinteresse galt der Gesellschaft; deshalb hielt man es für das Beste, zu jedermanns Gedanken und Motiven Zugang zu haben, um ein klares vollständiges Bild der Gesellschaft entwerfen zu können. Ein viktorianischer Romancier würde die Gedanken jeder einzelnen Figur in einer bestimmten Szene folgendermaßen offenlegen:

Harry kam um zwei Uhr morgens an und fühlte sich müde und benommen (seine innere Verfassung, seine Perspektive). Kathryn begrüßte ihn an der Tür und dachte, er sehe aus wie eine aus dem Wasser gezogene Ratte (ihre Perspektive). Sie führte ihn sofort in die Bibliothek, wo ihn der alte Großvater unter dem Kronleuchter auf und ab schreitend erwartete. Er war seit dem Mittag dort hin und hergegangen, sein Magen war aufgewühlt, und sein erschöpfter Verstand befand sich in Aufruhr (die innere Verfassung des Großvaters, seine Perspektive).

Das Ergebnis ist interessant und macht es möglich, dem Leser ein eindrucksvolles Bild der Gesellschaft und ihre Mechanismen zu vermitteln. Doch wegen der ständigen wechselnden Perspektive konnte sich der Leser nicht lange genug in eine bestimmte Figur hineinversetzen und sich mit ihr identifizieren. Deshalb waren dem Leser diese Figuren nicht besonders vertraut. Aus diesem Grund werden heute nur noch sehr wenige Romane von einem aukrorialen Erzähler geschrieben. (Zitat Ende).

Aber genau das ist es, was ich als Mentor immer wieder von jungen Autoren vorgelegt bekomme. Nicht aber, weil sie im viktorianischem Stil schreiben wollen (ich bin mir sicher, dass die Masse davon noch nie gehört hat), sondern weil sie es nicht besser können. Wie ist es aber besser? Bemühen wir wieder Frey und nehmen obiges Beispiel, was sich mit meiner Aussage und Definition weiter oben deckt und was sich auch in meinen Büchern widerspiegelt: der eingeschränkt auktoriale Erzählstil.

Als Kathryn die Tür öffnete, erschrak sie sehr: da stand Harry, durchnässt, verhärmt und müde. Er sah vollkommen benommen von der Kälte aus. Sie führte ihn in die Bibliothek, wo ihr alter Großvater mit gebeugten Rücken unter dem Kronleuchter auf und ab ging. Er war - wie sie wusste - seit dem Mittag dort. Sie vermutete, dass sein erschöpfter Verstand in fürchterlicher Aufruhr befand.

(Zitat Ende.)

Was unterscheidet diesen Text von obigen? Es ist die selbe Aussage, aber alles nur durch eine Figur, nämlich Kathryn. Während wir oben die Perspektiven haben, Harrys, Kathryins und die des alten Mannes, haben wir unten nur eine. Man könnte diese auktoriale Perspektive auch multiple Perspektive nennen. Frey definiert sie als eine sehr wirkungsvolle Technik.

Was ist genau passiert? Der Autor im ersten Beispiel war in den Köpfen (Perspektiven) aller drei Figuren, im zweiten Beispiel nimmt er für sich das Recht in Anspruch, nur im Kopf einer Person zu sein. Er ist zwar in der Lage in die anderen hineinzusehen, aber da er nur in einer Person ist, im Beispiel Kathryn, lebt der Leser - auf Grund des Zaubers der Identifikation - das Leben dieser Figur. Im Gegensatz zum ersten Beispiel braucht der Leser den Standpunkt nicht allzu oft zu wechseln, aber er hat die Möglichkeit mit mehr als einer Figur vertraut zu fühlen.

Verinnerlichen kann man sich das für das erste Beispiel bei Hofes Trilogie über den zweiten Weltkrieg oder bei Linda Davies`”Drachenhöle”
Zweite Beispiel: Jeffrey Archer, „Imperium” und meine Bücher (außer dem Erstling).

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Subtext

Der Subtext ist eine interessante Gestaltungsmöglichkeit unserer Dialoge, die unter jungen Autoren leider wenig bekannt ist bzw. von der wenig Gebrauch gemacht wird. Klären wir aber erst mal das Wort. Sub kommt aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie unter. In der Industrie, wenn eine große Firma einen Auftrag erhält, nicht alles allein machen will oder kann, bekommt vom großen Kuchen ein Subunternehmen ein Stückchen ab. In der Computerprogrammierung nennt man ein immer wiederkehrendes Unterprogramm Subroutine. Also können wir Subtext ruhig mit Untertext vergleichen. Wir haben also im Dialog - und nur dort - einen Haupttext und einen Untertext. Und wozu brauch ich das, werden jetzt einige fragen? Ganz einfach, um unsere Dialoge mehr Leben zu geben. Beobachten wir im realen Leben Menschen und hören deren Gespräch aufmerksam zu, werden wir feststellen, dass immer wieder mal Subtext in der Unterhaltung mit einfließt. Nehmen wir zwei Beispiele zur besseren Veranschaulichung.
Als sie sich umdrehte um die Gläser in das Buffet einzusortieren, hörte sie seine angenehm klingende Stimme: „Noch einen Whisky. Bitte.”
Wortlos nahm sie die Flasche aus dem Rückbufett und schenkte ihm nach.
„Sorgen?”
Er sah sie an. Es schien, als versuchte er so etwas wie ein kurzes Lächeln und fragte dann zurück: „Sie kennen sich wohl aus mit den Eigenheiten ihrer Gäste? Haben sie Feuer? Mein Feuerzeug scheint leer zu sein.”
„Das kommt im laufe der Jahre. Möchten Sie davon erzählen? Manchmal hilft es.” Mit einer gekonnten Bewegung leerte sie den Messbecher in seinem Glas. „Hier bitte.” Sie reichte ihn ein Streichholzbriefchen rüber.
„Ja, ja”, lachte der Mann, „Taxifahrer, Friseure und Barkeeper… die besten Psychologen der Welt. Danke, darf ich das Briefchen behalten?”
Nach einer kurzen Pause fügte er etwas nachdenklich geworden hinzu: „Sorgen? Was sind schon Sorgen? Wenn ein Kind den sehnlich herbeigesehnten Lutscher nicht bekommt, hat das Kind dann Sorgen? Wenn ein Lehrling einen Zwanzigmarkschein von seinem schmalen Lohn verloren hat, sind das Sorgen? Oder hat Bill Gates Sorgen, wenn er an der Börse eine Million verloren hat?”
„Behalten sie die Streichhölzer nur. Erzählen sie. Ich werde versuchen zu ergründen, ob es sich bei dem, was sie verloren haben um Sorgen handelt.”
Der Mann lächelte sein charmantes Lächeln, nippte an seinem Glas, steckte sich eine weitere Zigarette an und fing an zu erzählen:...


Ich habe den Subtext farblich markiert. Analysieren wir die Passage einmal.  Haben sie Feuer? Mein Feuerzeug scheint leer zu sein.”
„Hier bitte.” Sie reichte ihn ein Streichholzbriefchen rüber.
“Danke, darf ich das Briefchen behalten?”
“Behalten Sie die Streichhölzer nur.”


Der Mann in der Bar stellt fest, das sein Feuerzeug leer ist und fragt nach Streichhölzer. Die Bardame reicht ihm welche und bestätigt nach seiner Frage, dass er sie behalten darf. Mit dem eigentlichen Dialog hat der Subtext nichts zu tun. Das ist nicht nur Zufall, denn so sollte es immer sein, denn sonst w
äre es ja kein Untertext. Für die Handlung im Moment und für die komplette Story (Plot) ist Subtext so überflüssig wie ein Kropf! Dann können wir ihn ja weglassen? Nein!, denn gerade dieser Untertext ist rein menschlich und beweist, dass der Autor sich auskennt im wahren Leben. Subtext lockert das Gespräch auf und gibt ihn etwas realistisches. Eine Lektorin definierte das so. Dieser ist sozusagen eine Oase für den Leser, wo er sich einen Moment zurücklehnen, die Handlung Revue passieren lassen und wo er sich Personen und Umgebung näher anschauen kann.
Ein weiteres Beispiel:
Die Früchte sind wild, sie werden nicht so wie gewohnt schmecken, wir werden aber nicht verhungern. Du siehst, es sind keine Späße, Tina.”
„Die Papaya schmeckt wundervoll und stillt hervorragend den Durst. Hast du das alles bei der Armee gelernt?
Nenne mich bitte nicht Tina, ich mag das nicht.”
„Das und noch viel mehr. Die Papaya ist innen hohl, dass heißt, wenn wir die Kerne rausnehmen. Das eigentliche Fruchtfleisch ist nur etwa zwei Zentimeter stark. Wir können die Frucht zum Wasserschöpfen benutzen. Du solltest das rötliche Fruchtfleisch dem gelben vorziehen. Es schmeckt besser und erinnert etwas an Himbeere und Waldmeister. Also gut, dann weiter mit Christina.”
„Hm, lecker. Weißt du, ich kannte mal eine Tina und möchte nicht dran erinnert werden
. Ist unsere eingeschlagene Richtung die richtige?”
„Exakt Nordost. Kenne ich diese Tina auch?”
„Woher weißt du das? Nein, ich glaube nicht. Du kannst die Sterne nicht sehen und was machst du, wenn der Himmel Tagelang bedeckt ist? Wie orientierst du dich dann?”
„An den Bäumen.”
„An den Bäumen? Wie dass?”, fragte sie mit echtem Interesse zurück.
„Im Dschungel herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit, da bildet sich an der Nordseite mancher Bäume Moos. Jeder Baum und jeder Strauch, quasi jede Pflanze wächst zum Licht. Das ergibt, das die stärksten Äste der Bäume in Richtung Süden zeigen. Der Rest ist einfach… Zwischen Norden und Süden liegt Westen und Osten. Die Uhrzeit kann man mit etwas Übung am Stand der Sonne bestimmen. Erzähl mir von dieser Tina.”
„Toll… dass du das alles weißt”, schwärmte Christina.
Nein, das ist lange her und unwichtig zu gleich. Wie geht es Morgen weiter?”...
Die Frau heißt Christina und er nennt sie Tina, sie mag das nicht und weist ihn in seine Schranken, er fragt nach dem Warum und sie antwortet es sei unwichtig, Ende der Durchsage! Auch hier wieder, wie im ersten Beispiel ein Text, der mit dem eigentlichem Dialog nichts zu tun hat und völlig unwichtig ist, aber den Haupttext auflockert. Der Leser wird nie etwas über besagte Tina erfahren. Warum nicht? Weil es absolut unwichtig ist.
In Subtext kann man auch versteckte Hinweise oder Warnungen einordnen. Beispiel: „Was möchtest du dann tun? Pass auf, du stößt gleich das Glas um. Hier also eine Warnung oder die Ermahnung zur Vorsicht. Mit dem eigentlichen Dialog hat das auch wieder nichts zu tun. „Das hast Du gut gemacht. Pass auf, auf deiner Schulter krabbelt eine Wespe...”
Abschließend noch einen Hinweis: die richtige Mischung macht es, zu viel Subtext wäre zu viel! Ich persönlich füge ab und an mal Subtext ein. Ob und wie viel andere Autoren davon Gebrauch machen wollen, müssen sie schon selber wissen.
 

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Fiktionale Charaktere = Gespenster?

Da ich mir durch das Schreiben und durch meine Autorenschule einiges an literarischem Wissen aneignen konnte, hatte ich mich vor geraumer Zeit entschlossen, dieses Wissen an andere Autoren weiterzugeben. Die geschieht zum Teil durch meine Seminare und zum Teil durch Mentortätigkeit. Im letzten Falle sehe ich die Manuskripte junger Autoren durch und redigiere sie. Bei dieser Tätigkeit geht es aber nicht um die Rechtschreibung, Grammatik und Orthographie. Ich gebe nur stilistische Empfehlungen weiter und achte auf literarische Feinheiten. Der Verfasser selbst entscheidet, welche Empfehlungen er akzeptiert und welche er verwirft.

Wenn man mich fragt, welches der häufigste Fehler ist, dann muss ich ganz klar an erster Stelle den Perspektivwechsel stellen. Ich möchte jetzt aber nicht weiter darauf eingehen, das habe ich bereits getan. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, über einen weiteren Fehler zu schreiben, der zum Teil auch recht verbreitet ist. Aber der Reihe nach. In einem Roman lassen wir Autoren mehr oder weniger Figuren vorkommen. Ich vertrete die Meinung: Je weniger, um so besser, aber das nur am Rande. Diese Figuren nennt man fiktionale Charaktere oder auch fiktive Charaktere. In der Regel haben wir den oder die Protagonisten, den oder die Antagonisten und mehr oder weniger Randfiguren und schließlich die so genannten Platzhalter. Das Wort Randfigur erklärt sich von selbst, Platzhalter sind Figuren, die noch seltener, meist nur einmal vorkommen und die völlig unwichtig sind, z.B. Taxifahrer, eine Kellnerin, die eine Rechnung kassiert usw. Über die Hauptfiguren sollte der Leser alles wissen, wie: Alter, Größe, Haar- und Augenfarbe, Gewicht, Vorlieben, Beruf, Hobbys usw. Bei den Randfiguren ist das nicht so wichtig, bei den Platzhaltern sogar unwichtig. Nun ist mir aufgefallen, dass es Autoren gibt, deren fiktionale Charaktere gesichts- u. körperlos sind. Die Autoren lassen sie daherkommen wie Gespenster. Beispiel: Susanne saß im Wartesaal ihres Zahnarztes und wäre am liebsten wieder gegangen, als plötzlich die Tür aufging und zwei Männer in den Warteraum traten. Sie setzten sich ihr gegenüber und begannen eine leise Unterhaltung...

Wir haben hier also drei fiktionale Charaktere, die völlig gesichts- u. körperlos sind. Die beiden Männer sind Platzhalter, brauchen sie damit eine Beschreibung? Eigentlich nicht, was aber, wenn wir ihnen Gesichter und Körper geben? Brechen wir uns damit einen aus der Krone? Ich denke nicht. Wenn wir den beiden nun schon Gesichter geben, dann machen wir gleich ganze Sachen und fangen bei Susanne an. Beispiel: Susanne war ein lustiges Wesen, sie war gerade dabei dem Teenageralter zu entwachsen. Sie tat das gerne, was alle Menschen in ihrem Alter gerne tun. Musik hören, ein schönes Buch lesen und sich vielleicht am Wochenende auf dem Tanzboden herumtreiben. An diesem kalten Novembermorgen, war es mit ihrem lustigen Wesen nicht gut bestellt. Ihre rosige Gesichtshaut war blass, um die Augen hatten sich dunkle Ringe gebildet. Das lag an der Nacht die sie verbracht hatte. Am frühen Abend hatten sich Zahnschmerzen eingestellt, die die ganze Nacht intensiv anhielten. Sie saß in dem Warteraum ihres Zahnarztes und wäre am liebsten weggelaufen, als just in diesem Augenblick zwei Männer den Raum betraten. Der eine war groß gebaut, hatte breite Schultern und eine dicke Knollennase im Gesicht, unter der er einen schwarzer Schnauzbart trug. Auf seinen Kopf machte sich eine beginnende Stirnglatze breit. Der andere war vielleicht nur halb so alt, hatte keinen Schnauzer dafür aber recht volles Haar. Auch war er etwas kleiner gebaut und seine Figur war eher jugendlich. Susanne beschlich das Gefühl, dass es Vater und Sohn sein konnten...

Was ist hier geschehen? Ich habe den gespensterhaften Figuren Leben eingehaucht, wobei es völlig unwichtig ist, wie diese Leben aussehen. Unwichtig, ob der eine groß oder klein, eine Knollen- oder Stupsnase hat, aber meine fiktionale Charaktere leben.

Ein weiteres Beispiel für einen Platzhalter, der nur einmal in Roman vorkommt: Der Tag begann wie der vorige. Ich hatte Katja zur Kanzlei gebracht. Sie hatte mir wieder ihren Golf überlassen. Ich war direkt und ohne Termin zum Makler gefahren, um mich nach den Verkaufsverhandlungen zu erkunden. Der Makler war ein Bär von einem Mann. Er besaß nicht nur die Statur eines Bären, er sah auch so aus. Von einer Frisur konnte man bei ihm nicht viel erkennen. Einfach nur ein Wuschelkopf. Im Gesicht trug er einen Vollbart, der nur die Augen und einen kleinen Teil seiner Wangen frei ließ. Er begrüßte mich freundlich und kam ohne Umschweife zur Sache... Völlig wurscht, wie dieser Makler aussieht, aber er sieht aus, er lebt und wieder hat der Autor seinem Roman etwas lebendiges gegeben.

Irgendein großer Schreiberling hat mal gesagt: die Phantasie beginnt im Kopf des Autors und endet im den des Lesers. Geben wir also dem Leser die Möglichkeit, seine Phantasie spielen zulassen. Er wird es uns danken.

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Soll ein Autor Bücher lesen? Ist das eine gute Frage? Mein Lehrer hat immer gesagt, es gibt keine dumme Fragen. Es gibt nur dumme Antworten! Natürlich sollte ein Autor Bücher lesen. Ich denke sogar, dass das eine unverzichtbare Voraussetzung ist, denn er sollte sich in dem Genre, in dem er schreiben möchte, gut auskennen. Und das erreicht er unter anderem damit, dass er selbst liest. Ich habe das Buch von St. King, „Das Leben und das Schreiben”, gelesen, finde es gut geschrieben und empfehlenswert. Wie weit man schlechte Bücher lesen sollte, soll jeder für sich entscheiden. In den letzten Jahren, war „Mord an Bord” von Hera Lind das Buch, mit dem ich nicht so recht klar kam. Ich hab's trotzdem gelesen, weil ich es ohnehin nur studienhalber gekauft hatte. Andere „Leseratten”, so habe ich erfahren, haben es entnervt in die Ecke gefeuert. In einem anderen Fall habe ich ein 900-Seiten-Schinken nach 250 Seiten zugeklappt. Hätte ich nicht vom Klappentext gewusst, worum es im Buch geht, ich hätte es nach 250 Seiten (!) noch nicht erlesen. Und hier stellt sich mir eine Frage...

Dicke Bücher, dünne Bücher?

Wie dick sollte ein gutes Buch sein? Als junger Mensch habe ich immer gerne die dicken Dinger gelesen. Ich erinnere mich da an „Trilogie der Begierde” (über 1000 Seiten), „Eine amerikanische Tragödie” oder Hofe`s Trilogie über den 2. Weltkrieg. Meine Meinung damals war, wenn ein Buch gut ist, kann es nicht dick genug sein. Im Prinzip gilt diese Aussage auch noch heute, aber ich habe etwas hinzulernen müssen. Werden die Bücher zu dick, müssen sie zwangsläufig langatmig sein und was noch schlimmer ist, auch langweilig? Nehmen wir zwei Beispiele. Kenn Follett’s Bestseller „Die Säulen der Erde” 1150 Seiten Umfang und dazu die Maße von ca 14x23 cm. Das auf ein Taschenbuch umgerechnet (12x19cm) ergäbe deutlich mehr Seiten. Follett bekommt es doch tatsächlich fertig auf vielen Seiten (die Anzahl hab ich vergessen) den Dachstuhl eines Domes (oder Kirche?) zu beschreiben. Ein paar Seiten hab ich ja noch durchgehalten, aber irgendwann war Schluss mit all den Balken und Verstrebungen. Das mag vielleicht einen Zimmermann interessieren, aber den „normalen” Leser? Dean Koontz beschreibt in seinem Bestseller „Dunkle Flüsse des Herzens” (Taschenbuch 760 Seiten) ebenfalls über viele viele Seiten einen Gewittersturm. Das war zwar deutlich interessanter als das Gebälk von Follett, aber irgendwann hatte ich auch da die Lust an den dunklen dunklen Wolken verloren. (Übrigens, haben mir beide Bücher ansonsten gut gefallen und ich kann sie nur empfehlen!). Als Koontz bei seinem Verlag einen 1400-Seiten-Wälzer ablieferte, hat dieser gestreikt und ihn verdonnert mindestens 400 Seiten zu streichen. Wie dick sollte dann nun ein gutes Buch sein und wann beginnt die Langatmigkeit? Dafür gibt es wohl keine verbindliche Aussage. Mein Erstling hat über 400 Seiten, meine anderen Bücher zwischen 280 u. 320 Seiten. Eine Lektorin schrieb einmal u.a. über mein kürzestes Buch: Mein erster Eindruck: ein tolles Buch, eine sehr schöne Liebesgeschichte, nicht zu lang, nicht zu kurz... Meine persönliche Meinung ist, ein gutes Buch darf gerne 400-500 Seiten haben. Was darüber hinausgeht, wäre mir dann doch zu viel. Die Gefahr besteht, dass der Autor dann leicht vom Bahnhof zum Kofferklauen kommt. Ein Leser schrieb mir mal über meinen 5. Roman: man kommt nie in die Versuchung, ein paar Zeilen überspringen zu wollen. Und eins gibt es noch zu bedenken. Die Verlage nehmen einem Noname Autor nicht gerne überdicke Manuskripte ab, denn jede Seite muss produziert werden und das kostet...

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Das Stufendiagramm

St. King ist der Meinung, dass man ein Buch in einem Zeitraum von 3 Monaten schreiben sollte. Er vertritt in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben” (Heyne ISBN 3-453-19927-8) die Meinung, dass ein Autor nicht viel mehr Zeit brauchen sollte. Ich habe ebenfalls für meine ersten drei Bücher je ein viertel Jahr gebraucht. Am aktuellen schreibe ich aber bereits seit September 2002, also deutlich länger. Wie lange ein Autor für sein Werk braucht, soll jeder für sich entscheiden und es ist auch nicht Gegenstand dieses Beitrages. Was sind aber nun die Vor- und Nachteile einer kurzen oder langen Schreibzeit? Wenn ich fast ein Jahr benötige, schreibe ich in Wirklichkeit ja nicht ein Jahr, sondern schreibe nur verteilt über den Zeitraum eines Jahres. Ich lasse mir also Zeit. Das mag den Vorteil haben, dass ein besonderes reifes Manuskript entsteht, weil man ja besonders gründlich ist? Ich weiß es nicht. Für mich hat es aber auch einen entscheidenden Nachteil. Mir geht es immer so, wenn ich längere Pausen einlege, dass ich den Bezug zum Stoff teilweise verliere, was wiederum dazu führt, dass ich mich jedes mal erst wieder in mein eigenes Manuskript einlesen muss (Anmerkung: ich bin selbständiger Unternehmer und habe eine Menge Zeug im Kopf, da kann es schon passieren, dass ich mich fragen muss, ob und wie ich etwas geschrieben habe). Wie kann man nun aber verhindern, den Bezug zu verlieren? Frey spricht in seinen Büchern von einem so genannten Stufendiagramm. Er schreibt: Der Zweck eines Stufendiagramms besteht darin, die Ereignisse in einer fortschreitend durch Ursache und Wirkung bestimmten Reihenfolge zu halten... und Wachstum und Entwicklung der Figuren festzulegen.... Das Stufendiagramm ist ein Hilfsmittel, keine Zwangsjacke.... Frey kennzeichnet seine Stufen mit Buchstaben, A,B,C... Was steht aber nun drin und wie umfangreich sollten die einzelnen Stufen sein? Dafür gibt es keine Richtlinien, jeder, der sich eines solchen Diagramms bedient entscheidet selbst. Ich persönlich nutze es, wenn ich längere Zeit schreibe. Das kann dann so aussehen:

1-8 (gemeint sind hier die Seitenzahlen) Der Protagonist und das Setting werden vorgestellt. (Hier ist es also nur eine einzige Zeile, die in dieser ersten Stufe steht.
8-13 der Antagonist wird vorgestellt. (wieder nur eine Zeile)
14-22 die Wohnlage, die Arbeitsstätte, sein Haus (Protagonist), seine Frau und die Kinder werden vorgestellt und eingehend charakterisiert..

27-33 Die Geburtstagsfeier

33-44 Der Protagonist träumt, steht auf, frühstückt ausgiebig mit seiner Frau, verlässt das Haus und fährt zur Arbeit. Der Antagonist (ich benutze hier dann die Namen) geht schlecht gelaunt zur Arbeit, stolpert, und fällt Georg direkt vor dessen Wagen, der erkennt die Lage, in der er sich befindet (Restalkohol von der Geburtstagsparty) Monique erkennt bzw. vermutet den Status von Georg. Er bringt sie in Ihre Wohnung, gibt ihr 100 € für kaputte Hose und sieht jetzt erst mit den Augen des Mannes die Frau, es folgt eine eingehende Beschreibung. (hier sind es schon ein paar Sätze mehr)
Usw. usw. usw.
Es wird quasi Stufenweise das gesamte Manuskript beschrieben.
Es hat den Vorteil, dass man - besonders bei umfangreichen Manuskripten - nach einer längeren Pause nie den Überblick verliert und da ich anstatt Buchstaben Seitenangaben verwende, finde ich eine Stelle dann auch noch sehr schnell wieder. Anfangs konnte ich mich überhaupt nicht für Frey’s Version erwärmen. Jetzt, nachdem meine Schreibzeiten länger geworden sind (das 4.+5. Buch ein halbes Jahr, das 6. deutlich länger), habe ich Frey’s Vorschlag aufgegriffen und finde ihn ganz praktisch. Das Diagramm drucke ich aus und lege es neben meinem Computer. Ihr solltet es mal ausprobieren. Man hat eine viel bessere Übersicht, als wenn man nur auf den Monitor sieht, noch dazu, wenn dieser nicht gerade zu den größten zählt.
Ich denke aber, wenn man ein Buch, so wie King, in 3 Monaten fertig hat, braucht man so ein Hilfsmittel nicht. Verkehrt ist es aber dennoch nicht. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass es auch ein Nachteil gibt: wenn man nachträglich viel einfügt, dann stimmen die Seitenangaben natürlich nicht mehr. Aber ich denke, dass das vernachlässigbar ist. Man Kann natürlich auch die ersten Wörter eines Absatzes anstatt der Seitenzahlen nehmen, die man dann suchen lässt, so kann man einfügen, ohne dass der Überblick fehlt.

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Beleidigung

Kann ich als Autor meine Leser beleidigen? Diese Frage muss eindeutig mit ja beantwortet werden, leider. Manchmal geschieht das unbewusst, manchmal lassen sich die Autoren aber ganz bewusst darauf ein, indem sie fiktionale Charaktere nach Menschen aus ihrer Umgebung charakterisieren. Diese werden sich zwangsläufig wieder erkennen. Und wenn ich dann jenen Figuren Dinge anhänge, die weniger schön sind, kann ich als Autor auch richtig ins Fettnäpfchen treten. Frey weiß in seinen Büchern von einer Schriftstellerin zu berichten, die ihre Charaktere nach den Vorbildern ihrer Umgebung beschrieben hatte. Zitat: Anschließend hatte sie ein paar Freunde weniger, aber sie hat einen verdammt guten Roman geschrieben.

In „Eine Hure liebt man nicht”, habe ich eine kleine ältere Frau beschrieben, die zu dem noch hässlich war. Zitat: Thomas musste am Samstag eine Frau erst ins Theater und dann ins Bett begleiten. Am Sonntag ging es in die Oper. Jedes Mal wenn er die Frau sah, musste er unwillkürlich an eine Kröte denken. Klein, dick und hässlich...

Ich hatte damals an Stelle von Kröte den Namen einer hohen ausländischen Politikerin gewählt, auf der meiner Meinung nach diese Beschreibung zutraf. In Folge des Romans hatte ich bei dieser Frau immer wieder den Name erwähnt. Ich denke, dass ich mich heute glücklich schätzen darf, das vor Veröffentlichung ein Testleser auf die Folgen hingewiesen hatte. Ich will es kurz machen, heute weiß ich, dass das recht teuer hätte werden können. Jeder ist also gut beraten, wenn er sich zurückhält, auch wenn es manchmal noch so sehr in den Fingern kribbelt.

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Erzählperspektive

Wer eine Geschichte zu erzählen hat, wählt immer eine Perspektive, aus der er sie erzählt. Manchmal soll das auch ganz unbewusst vorkommen. Wer eine Perspektive bewusst wählt, kann sie kontrollieren und außerdem diejenige finden, die für seine Geschichte am wirkungsvollsten ist.
Doch erst sollten wir einmal klären, was unter Erzählperspektive zu verstehen ist. Die Weltbild-Autorenschule definiert sie wie folgt: Mit der Erzählperspektive wird festgelegt, durch wessen Augen der Leser die Geschichte erlebt und in welcher grammatikalischen Form das geschieht (Ich- Du-, Er-Form)
Frey definiert die Perspektive so: ... sie bezieht sich auf das, was man den Ort des Erzählens nennen könnte. Der Erzähler ist quasi ein unsichtbaren Augenzeuge, der objektiv Bericht erstattet, als eine Art göttlich Allwissender, der Einblick in den Gedanken und Gefühle seiner Figuren hat.
Die meisten Autoren beginnen in der ersten Person zu schreiben, also in der Ich-Form. Auch ich habe da keine Ausnahme gemacht und meinen Erstling so geschrieben. Ist es nun besonders leicht in der Ich-Form zu schreiben? Jein! Stellenweise schon, aber beim genaueren Hinsehen werden wir bald bemerken, das die Ich-Form uns Beschränkungen auferlegt. Der Autor ist auf das Wissen und die Erfahrungen der erzählenden Person beschränkt, denn er kann ja nur Ereignisse schildern, bei dem der Ich-Erzähler anwesend ist. Ich kann z.B. nicht schreiben: ...während ich am Tisch saß und meine Mahlzeit einnahm, ereignete sich 3 Seemeilen vor der Küste ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, die Bark „Robine” war dabei zu sinken... Ich kann das nicht wissen, wenn ich am Tisch sitze und esse. Schreiben wir in der 3. Person, sieht das Ganze schon anders aus. ...während er am Tisch saß und seine Mahlzeit einnahm, ereignete sich 3 Seemeilen vor der Küste ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, die Bark „Robine” war dabei zu sinken... Und schon sehen wir den Vor- und Nachteil beider Perspektiven. Die Ich-Perspektive ist also eingeschränkt. Der Ich-Erzähler ist dafür aber auch offen und besonders authentisch, weil er den agierenden Personen sehr nahe kommt. Er gibt dem Leser alles Preis und schämt sich seiner nicht. Beispiel: ... das salzige Nass meiner Tränen rann mir über die Lippen... Wer sich für die erste Person entscheidet, sollte wissen, dass er nirgendwohin gehen kann, wo der Erzähler nicht gewesen sein kann. Der Autor kann dem Leser nicht zeigen, was der Erzähler nicht gesehen haben kann (s. Untergang der Bark „Robine”).

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der dritten Person ist z.B., wenn ich einen Krimi oder Thriller schreiben möchte und wechselseitig pro Kapitel einmal das Geschehen des Protagonisten und dann des Antagonisten beschreiben möchte. Irgendwann treffen die beiden Parteien dann aufeinander, der Showdown beginnt und die Perspektive verschmilzt.

Auf den Du-Erzähler möchte ich hier nicht weiter eingehen. Die Perspektive ist sehr selten, da sie sehr aufdringlich wirkt. Lässt sich der Leser darauf nicht ein, ist er als Leser für den Autor verloren.

Als letzte Form möchte ich noch den auktorialen Erzähler anreißen, der im 18. und 19. Jahrhundert sehr beliebt war. Die Technik ist nicht ganz einfach, kommt heute nur noch selten vor und sollte dem erfahrenen Autor vorenthalten bleiben. Der auktoriale Erzähler ist allwissend, er kann in die Köpfe all seiner Charaktere blicken. Der Erzähler springt quasi zwischen den Figuren hin und her, erzählt mal aus dieser, mal aus jener Sicht.

Frey sagt, dass man, wenn man einen Genre-Roman schreiben möchte (Liebesroman, Krimi, Western, Science Fiction), gut beraten ist, wenn man in der dritten Person und aus einer eingeschränkt auktorialen Perspektive schreibt. Das ist die Norm, die vom Leser erwartet und vom Verleger erwünscht wird und jeder ist gut beraten, wenn er von Normen nicht abweicht.

Abschließend sei noch gesagt, dass ich mich für eine Perspektive entscheiden muss. In einem Roman die Perspektiven wechseln zu wollen, stellt m.E. einen groben Fehler dar.

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Überlange Sätze

Wenn ich während meiner Autorenschule einen Beitrag eingereicht, in dem zu lange Sätze steckten, hat mich meine Dozentin in der Luft zerrissen und den oder die langen Sätze gnadenlos zusammengestrichen. Wenn ich etwas in Klammern gesetzt habe, hat sie mich gerügt und darauf verwiesen, dass so etwas höchstens in Sachbücher gehört. Zahlwörter mussten prinzipiell ausgeschrieben werden (nicht 5, sondern fünf). Auf Lob stieß ich, wenn es um Charakterisierung ging, das musste ich - ihrer Meinung nach - wohl irgendwie hinbekommen haben. Sei es drum, lange her. Heute vermeide ich überlange Sätze und lasse Klammern ganz weg. Dass es auch anders geht, beweisen nachfolgende Beispiele.

Jimmy Kooper ist der Typ Mann, der um halb fünf aufwacht, ins Fitnesscenter geht und mit seinen Anwaltskumpeln Gewichte hebt, zwei Stunden in einem türkischen Bad absteigt, sich dann beim Friseur am Plaza rasieren und in einem piekfeinen Etablissement, das nur zwanzig Leute kennen, eine Massage verpassen lässt, danach zur Arbeit geht, eine dreistündige Mittagspause mit Klienten oder Freunden einlegt, dann wieder zur Arbeit zurückkehrt, um seine Mitarbeiter fertig zu machen, ein zweistündiges Meeting mit seinem Börsenmakler, Anlageberater oder Buchmacher dazwischen schiebt, nach der Arbeit bei seiner Geliebten vorbeischaut und sich dort Handschellen anlegen lässt oder sie in Handschellen legt, und dann nach Hause geht. Er wirkt einfach wie die Sorte Mann, die aus einem vierundzwanzigstündigen Tag sechzig Stunden herausquetschen kann
Mit einem Zahnstocher zwiebelt er sich ein Stückchen Kopfsalat aus den Zwischenräumen und gibt dabei ein lautes, saugendes Geräusch von sich.
„Tja, Stil”, sagt Jimmy Cooper. Er hat den Salat mittlerweile rausbekommen und pult mit einen anderen Zahnstocher  nach anderen Essensresten. „Stil muss man schon haben.”
Seine Frau betupft ihren kleinen Mund mit ihrer Serviette.
Ein Pitbull und eine Afghanenhündin - Jimmy und Carol Cooper haben die klassische Statur eines Komikerduos: Der Dicke (Hardy) und die Dünne (Laurel), allerdings nicht ganz so überzogen, denn er hat zwar Schultern wie ein Sofa, ist aber nicht fett, sie hat etwas von einem Kleiderbügel, ist aber nicht magersüchtig. Wenn ich sie so anschaue, ihren schweren, über den Stuhl gehängten Zobelfellmantel, ihr reiches mit Puder überzogenes East-Side-Gesicht, ihr sorgsam gekämmtes, blondes Haar, ihren glänzenden Teint (sie sieht aus wie eine Wachsbirne) und ihre kleine Hakennase, dann erinnert sie mich an jemanden... aber ich komme nicht mehr drauf. Selbst die Art, wie sie spricht und auftritt, lässt mich an jemand anderen denken, aber ich kann mich nicht mehr entsinnen, wer es ist.

Was haben wir hier? Wir haben genau dass, was man mir (und sicherlich auch anderen) angekreidet hat. Die Sätze sind nicht nur sehr lang, sie sind Megalang. Und Klammern haben wir auch. Wer hat das vollbracht? Es handelt sich um das Erstling eines amerikanischen Autors, Ted Heller, mit dem Titel: „Heiße Luft”. Erschienen im Goldmann Verlag. Frey schreibt u.a.: ...einem bekannten Autor nimmt man so etwas ab, ihnen aber nicht... Hier handelt es sich aber nicht um einen bekannten Autor, denn es ist ja sein Erstling. Es bleibt aber die Frage, warum das angenommen wurde. Vielleicht, weil es immer Ausnahmen gibt? Oder vielleicht, weil es einfach nur gut geschrieben ist? Oder vielleicht, weil Ted Heller der Sohn des berühmten Autors Joseph Heller ist? Diese Frage möge jeder selbst versuchen zu beantworten

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Zeitsprünge

Kann ich in meinem Manuskript zeitliche Sprünge machen? Natürlich können wir, die Frage ist nur, ob man uns das auch abnimmt. Kann ich nur vorwärts oder auch rückwärts springen?
An dieser Stelle sollten wir vielleicht erst einmal klären, was mit Sprüngen gemeint ist. Die meisten Autoren schreiben chronologisch, also in einem zeitlichen Ablauf. Man könnte auch sagen, schrittweise. So, wie ein Wanderer einen Schritt nach dem anderen setzt, so schreiben wir die Ereignisse, über die wir berichten wollen, ebenfalls in Schritten auf. Ein Beispiel brauche ich wohl nicht einfügen, ich denke, jeder weiß, was gemeint ist. Nehmen wir mal ein Beispiel, wo der Autor in seinem Text ein paar Schritte zurückgeht.
Ein Mann Mitte dreißig kam herein und steuerte direkt auf Neugebauer zu. Nachdem sie sich die Hand geschüttelt hatten, sagte er: „Guten Tag, Sie müssen Herr Neugebauer sein. Mein Name ist Flippe, Gerd Flippe. Sie wollten mich sprechen, was kann ich für Sie tun?“
Neugebauer betrachtete seinen Lebensretter offen und ungeniert. Da er in seiner Vorstellung einen hünenhaften, handfesten Kerl erwartet hatte, war er jetzt eher enttäuscht. Vor ihm stand ein Mann durchschnittlicher Größe und normalen Gewichts. Sein Haar trug er kurz geschoren, wie es der gegenwärtigen Mode entsprach. Obwohl er im großen und ganzen einen eher ruhigen Eindruck auf Neugebauer machte, schienen seine grünen Augen etwas Verschlagenes an sich zuhaben. So wie der Mann vor ihm stand und geduldig auf eine Erklärung wartete, war für Neugebauer klar: Der musste Nerven wie Drahtseile haben. Eine Charaktereigenschaft, die ihm für sein geplantes Vorhaben gerade recht kam.
Hier endet das Kapitel. Was ist geschehen? Neugebauer wartet in einem Raum auf einen Mann, der ihm das Leben gerettet hat. Als der Mann erscheint, ist er enttäuscht, weil er jemanden anderen erwartet hätte. Nachdem sie sich einander vorgestellt haben, endet das Kapitel. Wir haben den Lebensretter durch Neugebauers Augen gesehen. Der Autor nutzt zu gleich die Möglichkeit, Gerd Flippe`s Charakterisierung zu vervollständigen.

Das nächste Kapitel beginnt mit:
Als Gerd Flippe das Büro betrat, hatte er sofort den Mann wahrgenommen, der zusammengesunken auf einem Stuhl neben der Tür kauerte und verträumt die kleine Petra hinter dem Schreibtisch musterte. Gleichzeitig erkannte er in ihm jenen Mann, den er aus dem Auto gezogen hatte. Schnurstracks ging er auf ihn zu, reichte ihm artig die Hand und stellte sich vor. Er registrierte genau, wie er von seinem Gegenüber gemustert wurde und nutzte die kurze Zeit, um es ihm gleich zu tun. Ein Mann, Mitte vierzig, der den Zenit seines Lebens anscheinend schon überschritten hatte. Etwas kleiner als er selbst, dafür aber deutlich ein paar Kilo mehr auf den Rippen. Sein Haar begann, sich an den dafür bekannten Stellen zu lichten und eine leicht graue Färbung anzunehmen. Seinem Äußeren nach handelte es sich eindeutig um einen Managertypen der gehobenen Klasse. Maßanzug, Seidenkrawatte, Markenschuhe und eine große klobige Rolex am Handgelenk. Seine Gedanken wurden unterbrochen, als sein Gegenüber ihn ansprach.

Was ist hier geschehen? Der Autor hat einen Sprung zurückgemacht. Nicht zu verwechseln mit der Rückblende, das schwarze Schaf der Schreiberei*. Im vorhergehenden Kapitel war es die Perspektive von Neugebauer, durch die der Leser die Geschichte sieht. Das Kapitel endet, der Autor springt zurück, wechselt in die Perspektive von Flippe, nutzt die Möglichkeit, Neugebauer zu charakterisieren und nutzt gleichzeitig dadurch die Möglichkeit die Charakterisierung von Flippe zu komplettieren. Gerd Flippe scheint über eine hohe Auffassungsgabe zu verfügen, da er Neugebauer sofort richtig einordnet. Eine Charakterleistung, die später im Buch wichtig wird.
Ist es nun eine gute Möglichkeit diesen Sprung zurück zumachen? Ich habe erfahren, dass da einige Leser Probleme mit haben, andere wiederum nicht. Meine persönliche Meinung ist, dass man es ruhig tun sollte. Man sollte dabei aber vermeiden, dass der Schritt zu groß ist, denn dann haben wir vielleicht doch eine Rückblende.

Ein weiteres Beispiel, wie der Autor einen Sprung zurück macht:
Der Kapitän und die beiden anderen Piraten standen immer noch am Heck der Santa-Maria und warteten, dass der Matrose, der jetzt schon längere Zeit verschwunden war, wieder auftauchte. Gerd beobachtete sie eine kurze Weile. Drei von den Piraten hatte er getötet, drei blieben noch. Aus dem anfänglichen Stand von sechs zu eins, war drei zu eins geworden. Er kam zu dem Schluss, dass es jetzt an der Zeit war, dies zu seinem Gunsten zu ändern.
Auf Englisch rief er den Seeleuten zu: „Okay, es steht jetzt drei zu eins.“
Augenblicklich drehten sich die drei Seeleute um und Gerd warf mit aller Kraft das größere der beiden Messer einem der Seeleute mitten ins Herz. Als der Pirat auf die Planken aufschlug, war er bereits tot.
„Zwei zu eins“, rief er dann, drehte sich um und lief das Dach der Messe entlang. Am Ende angekommen, sprang er herunter, versteckte sich hinter der Ankerwinde und hoffte, dass sein Plan aufgehen würde.
Der Kapitän schoss ihm eine kurze Salve aus seiner MP hinterher, die irgendwo weit entfernt in den Bäumen einschlug. Dann setzten er und der letzte der Piraten Gerd durch die Messe nach. Als sie an der präparierten Tür ankamen und sie eiligst aufstoßen wollten, fiel sie an der Oberkante zuerst aus den Rahmen. Da der Matrose seine nächsten Schritte nicht tun konnte, weil die Tür unten im Rahmen nicht nachgab, verlor er das Gleichgewicht und fiel mitsamt der Tür in den Flur. Mit einem splitternden Geräusch fuhr der Bootshaken durch die Tür und bohrte sich augenblicklich durch die Brust des Matrosen, aus der sofort alles Leben entwich.
Genau in diesem Moment verließ Gerd seine Deckung.
„Eins zu eins!“ Mit voller Wucht schlug er dem Kapitän seine Faust in das entsetzte Gesicht, woraufhin dieser nach hinten über fiel und der Länge nach auf den Boden der Messe knallte. Gerd griff die MP und schlug ein zweites Mal hart zu. Regungslos blieb der Kapitän liegen.

Hier beginnt ein neues Kapitel, mit einem Schritt zurück.

Als die Männer und Frauen, die immer noch in der Messe am Boden kauerten, die Schritte über sich auf dem Dach hörten, erkannten auch sie, dass sie nicht allein waren. Als sie dann die Worte „drei zu eins“, über sich hörten, war es Wolfgang, der erstaunt nur ein Wort herausbrachte: „Gerd!“
Wenig später sahen sie den Matrosen und den Kapitän durch die Messe hetzen. Kurz darauf fiel der voranlaufende Matrose mitsamt der Tür in den Flur. Sekunden später nur landete der Kapitän krachend auf den Rücken unmittelbar vor ihren Augen. Als Gerd dem Kapitän mit aller Gewalt die MP über den Schädel zog, war es Viola, die angewidert wegsah...

Kenn Follett hat in seinem Bestseller “Das zweite Gedächnis” von dieser Gestaltungsmöglichkeit ausgiebig Gebrauch gemacht. Erschienen bei Bastei Lübbe, ISBN 3-404-14911-4

*Anmerkung für meine Kritiker: Das die Rückblende so gesehen wird, ist nicht meine persönliche Meinung, ich interpretiere sie nur.

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Rückblende

Ich möchte über das schwarze Schaf der Schreiberei, die Rückblende, reden. Gerade Erstlingsautoren ist nicht immer klar, warum die Rückblende, so gut es eben geht, zu vermeiden ist. Warum? Leser identifizieren sich mit den Figuren und mit der Handlung eines Romans, sie fiebern mit und machen sich Sorgen darum, dass die fiktionalen Charaktere die für sie richtige Entscheidungen treffen. Und plötzlich meint der Autor eine Rückblende einfügen zu müssen. Was passiert? Der Leser kommt an die Stelle, und entweder überspringt er sie, da er ja wissen möchte, wie das Jetzt und das Hier im Roman weiter geht. Oder - und das ist für uns Autoren noch viel schlimmer - das Buch fliegt mit kühnen Schwung in die Ecke. Die meisten Leser finden Rückblenden unerträglich.

Owen sagt in ihrem Buch Professional Fiction Writing (professionelles fiktives Schreiben), dass es Verleger gibt, die Manuskripte mit Rückblenden prinzipiell ablehnen, während andere die Rückblende nicht als wirkliches Tabu ansehen, doch sind sich die meisten (Verleger) darüber einig, dass dieses literarische Mittel nur verwendet werden sollte, wenn es absolut nötig ist...

Und wann, bitte schön, ist eine Rückblende absolut nötig? Sie wird nötig, wenn der Leser Informationen braucht, um den kommenden Stoff verstehen zu können. Die vorausgegangen Handlung muss für die gegenwärtige Geschichte relevant sein.

Bevor ein Autor eine Rückblende einsetzt, sollte er sich im Klaren sein, das für eine Rückblende die gleichen Kriterien gelten, die für das Jetzt der Geschichte angewandt werden müssen.

Beispiel: In Ein Karibikurlaub wird zum Höllentrip durch den Dschungel, beweist der Protagonist, dass er in der unwirtlichen Welt des Dschungels - als normaler Mitteleuropäer - hervorragend zurecht kommt. Nicht nur das, er ist in der Lage einen Menschen mit bloßen Händen zu töten, kann an den Sternen die Uhrzeit und an den Bäumen die Himmelsrichtung ablesen usw. Der Leser würde sich unweigerlich fragen, wie dass sein kann. Hier musste der Autor also klären, wie sein Held diese Fähigkeiten erlangt hat. Nebenbei erwähnen möchte ich noch, dass sich die Rückblende auch als Charakterisierung eignet. Der Leser kann dadurch Dinge, vom Helden erfahren, die er bislang noch nicht gewusst hat. 

In dieser Rückblende erfährt der Leser, dass der Protagonist ein ehemaliger Elitesoldat war und erfährt weiterhin Einzelheiten seiner Ausbildung. So klingen die Behauptungen, die der Autor im Buch aufstellt nicht mehr so unlogisch oder gar unglaubhaft. Er lässt den Protagonisten seine Handlungen erklären.

Spätestens jetzt sollte dem Leser klar sein, wo der Held die Grundvoraussetzung her hat, mehrere Tage, im Dschungel zu überleben. Die Rückblende hat es dem Leser glaubwürdig erklärt. Man kann die Rückblende aber auch ganz vermeiden, indem man vor dem Anfang beginnt. Mit dieser beliebten Methode erreicht man genau das gleiche, läuft aber nicht Gefahr vom Verleger abgelehnt zu werden.

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Der Höhepunkt. (bitte nicht mit Orgasmus verwechseln O:)

Oder - wie ich für den Leser nichts zu Wünschen übrig lasse.

Was möchte ich erreichen, wenn ich einen Roman schreibe? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Der eine möchte sich bestätigen, der andere möchte bekannt werden, ein dritter hofft, viel Geld zu verdienen und ein vierter möchte vielleicht alles zusammen. Meine größte Bestätigung ist es, wenn man mich anspricht und berichtet, dass man ein Buch vom mir gelesen hat und es sehr gut war.

Was sollte aber nun aus schriftstellerischer Sicht das erste Anliegen eines Autors sein? Er sollte seinen Leser emotional ansprechen. Was nichts anderes heißen soll, dass der Leser mit den Romanhelden mitfiebert. Er lacht mit ihnen, ist bestürzt oder traurig und weint sogar mit seinen Helden. Wenn der Autor solche Gefühlsausbrüche bei den Lesern verursachen kann, dann hat er sein Hauptziel erfüllt. Der Wunsch des Lesers, ein interessantes und spannendes Buch lesen zu wollen, hat sich erfüllt.

Lässt man einen Protagonisten im Buch völlig unerwartet sterben, kann es sein, dass einige Leser da sehr emotional drauf reagieren (wie im wirklichen Leben). Es wird aber nicht nur eine überraschende Stelle im Buch, es kann zugleich auch ein Höhepunkt und ein so genannter Plotpoint, eine Wende im Roman sein. Mit dem Tod eines der Hauptfiguren musste die Story zwangsweise in eine andere Richtung gehen und das, was sich der Leser als weiteren Verlauf für den Roman gedanklich zurecht gelegt hatte, war für die Katz. Dieser plötzliche Tod kann den Spannungsbogen im Buch nicht nur dramatisch voran treiben, sondern auch verändert.

Ein beliebtes Mittel ist auch, den Höhepunkt kurz vor dem Ende zu setzen. Der Leser weiß, dass nicht mehr viele Seiten übrig sind, er weiß, dass es noch mal richtig spannend wird und dass die Lösung des zentralen Konflikts unmittelbar bevorsteht. Aber auch das ist noch steigerungsfähig. In einem meiner Bücher war am Ende für den Leser klar, was kommen musste. Er fragte sich nur, warum noch so viele Seiten übrig waren. Ich hatte noch einen oben drauf gesetzt und das, was der Leser erwartet hatte, nämlich das Happyend, durch eine falsche Annahme des Protagonisten, hinausgeschoben. Und damit hatte ich für den Leser eine weitere Überraschung eingeflochten. Zitat einer Leserin: Dann setzen Sie noch einen drauf, und lassen... völlig niedergeschlagen fährt er (der Protagonist) zu seiner... Hier ist aber nicht nur der Held meines Romans niedergeschlagen, denn der Leser war es auch... Zitat: ...ich war ganz kribbelig, als ich bemerkte, dass das Buch immer noch nicht zu Ende war und hab mir fast alle Fingernägel abgekaut...

Es gibt aber noch einen weiteren Höhepunkt, der mir sehr wichtig erscheint. Die epische Gerechtigkeit. Was das ist? Ganz einfach! Das Gute wird belohnt, das Schlechte bestraft. Wir kennen es alle aus unserer Kindheit. Der böse Wolf wird von den sieben Geißlein in den Brunnen gestürzt, die Hexe wird von Hänsel und Gretel in den Ofen gestoßen usw. Es ist auf jeden Fall gut, wenn wir diese Gerechtigkeit nicht von offizieller Stelle vornehmen lassen, was heißen soll, dass, wenn ein Ganove am Ende gefasst, vor Gericht gestellt und verurteilt wird, dies eine offizielle Stelle, nämlich die Justiz ist. Diese Variante ist nicht episch. Viel besser wäre es, wenn er z.B. verunglückt. Er könnte bei seiner Flucht irgendwo unter die Räder kommen, in einer Schlucht stürzen und sich das Genick brechen oder in einem Fluss ertrinken. Noch besser ist es, wenn er mit selben Mitteln zu Fall gebracht wird, die er seinen Opfern angetan hat. Frei nach dem Motto: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Wenn jemand die Bremsen an einem Auto manipuliert, so dass sein Opfer dabei umkommt und er selbst durch Versagen seines ABS-System am Ende die Gewalt über sein Fahrzeug verliert und dabei stirbt, dann haben wir epische Gerechtigkeit.

Beispiel: Das Böse benutzt für all seine Untaten einen Computer und genau der versagt im entscheidenden Moment (durch Virus), ist für sein Vorhaben unbrauchbar geworden und auf Grund dessen fährt das Böse auf direktem Weg in die Hölle.

Ein guter Höhepunkt hinterlässt beim Leser das Gefühl, das die Geschichte zu Ende ist und er ein gutes Buch gelesen hat. Und noch etwas, bei einem guten Buch sollten am Ende alle offenen Fragen geklärt sein. Das ist m. E. der Autor dem Leser schuldig.

Nehmen wir mal die Bestsellerautorin Hera Lind und ihren Roman „Mord an Bord”. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn ein unbekannter Autor das Manuskript abgegeben hätte, es wäre abgelehnt oder richtig umgekrempelt worden. Ich weiß nicht, ob es mir zusteht, aber Frau Lind hat - mit Verlaub - da einen schönen Schwachsinn zusammengeschrieben. Am Ende der Story sind ca acht gravierende Fragen offen und epische Gerechtigkeit schein für Frau Lind ein Fremdwort zu sein. Ihre Protagonistin tötet zehn Menschen, neun davon unschuldig. Zum Schluss bekommt sie Ihren Märchenprinz (Schiffsoffizier), baut sich mit ihm ein Schloss (Hotel) und lebt dort in trauter Zweisamkeit. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch! Ich habe Frau Lind daraufhin angesprochen. Nur soviel: auf die Antwort warte ich heute noch...

In eigener Sache: Ich habe nichts gegen Frau Lind einzuwenden und habe auch nur dieses eine Buch von ihr gelesen. Die Leute, mit denen ich über das Buch diskutiert habe, waren auch meiner Meinung, aber es ist auch behauptet worden - und ich denke, dass es durchaus so sein wird, denn sie ist ja nun mal eine Bestsellerautorin - dass sie auch gute Bücher geschrieben hat.

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Trivialliteratur

Vielfach ist in diversen Foren dieses Wort gefallen, ein Wort, welches mir persönlich nicht besonders gefällt, aber eine Bezeichnung, die anscheinend wohl zur Literatur gehört. Also setzen wir uns mal mit diesem Wort auseinander.

Trivialliteratur [lateinisch], eine untere Niveaustufe der Literatur; klischeehafte Darstellung der Wirklichkeit; die Grenzen zur Unterhaltungs- und zur Schundliteratur sind fließend. Die Trivialliteratur erhebt keine künstlerischen Ansprüche und ist auf Publikumswirksamkeit gerichtet. (Bertelsmann Lexikon).

Jedem Autor, der sein Werk als solches verrissen sieht, müsste also Schamesröte ins Gesicht steigen und ich kann mir vorstellen, dass er am liebsten tief in den Boden versinken würde.

Bevor ich diese Bertelsmann-Definition gelesen hatte, stand für mich Trivialliteratur immer für Unterhaltungsliteratur, die man Abends im Bett, in der Wanne oder im Urlaub am Strand liest, von der man sich unterhalten lässt. Ich wage zu behaupten, dass der überwiegende Teil der Leser gerade diese Literatur bevorzugt, Literatur, die unterhält, denn Zitat: ...die publikumswirksam ist... Weiterhin wage ich zu behaupten, dass diese Art Literatur mit Schundliteratur nichts gemein hat, denn dann wären die Deutschen ja ein Volk von Deppen, denn meines Erachtens greifen über 90 % der Leser genau nach diese Art von Büchern, die die Regale und Buchständer geradezu überfluten. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass der Begriff Trivialliteratur und die dazugehörige Definitionen aus lange zurück liegende Zeiten stammt und heute einfach nicht mehr zeitgemäß sind.

Nun hat mal jemand behauptet: Die Musketiere zum Beispiel würde ich als gehobene Trivialliteratur einstufen... Nehmen wir obige Definition, könnte man auch sagen, die Musketiere kann man als gehobene Schundliteratur einstufen, denn, Zitat Bertelsmann: untere Niveaustufe. Grenzen zur Unterhaltungs- und zur Schundliteratur sind fließend... Ich selber habe die Musketiere nicht gelesen, kann mir aber vorstellen, dass Alexandre Dumas da weder Trivialliteratur noch Schund verfasst hat.

Meine Persönliche Meinung ist, dass man heute in Zeiten von Multimedia, das Wort Trivialliteratur ruhig zu den Akten legen kann. Die Zeiten der großen Literaten sind vorbei, was nicht heißen soll, dass es keine großen Schreiberlinge mehr gibt. Literatur hat heute einen ganz anderen Stellenwert, als an Multimedia noch gar nicht zu denken war. Die heutige Literatur, ich meine die, wie oben beschrieben, die zu tausenden in den Ständern stehen, kann m.E. nichts mit Trivialliteratur zu tun haben, denn: Trivialliteratur ist die Literatur, die nichts tut, außer den Erwartungen der Leser zu entsprechen. Sie erzählt nicht, wie das Leben ist, und nicht, wie der Autor denkt, dass das Leben besser wäre – sie erzählt wie der Leser sich das Leben träumt/wünscht. Sie eröffnet dem Leser keinen neuen Blick auf irgendwas und ist bereit, alle Tatsachen (des Lebens, der Wissenschaft) zu verbiegen, nur um gelesen zu werden. (Zitat aus einem Forum)

Ich habe eine ganze Menge Bücher gelesen, wo genau das nicht so war.

Was denn nun, frage ich mich. Welche Art Literatur ist das, was ich lese, mit dem der Badegast hier auf unserer Halbinsel zum Strand läuft, mit der meine Nachbarin in der Hängematte liegt, der Fluggast sich die Reisezeit verkürzt? Trivialliteratur? Sind denn das alles Idioten, weil sie sich diesen Schund gleich dutzendfach reinziehen? Ich meine nicht. Es ist einfach und allein Unterhaltungsliteratur, der Leser liest um sich zu unterhalten. Und man sollte aufhören alles in Normen und in DIN Vorschriften pressen zu wollen. Und wenn ich solche Unterhaltung zu Papier bringen kann, von der sich andere zu Hauff unterhalten lassen, dann habe ich gewonnen und mein Ziel erreicht, egal wer auch immer was und wie dazu verlauten lassen will...

Bleibt jetzt nur noch zu klären, was gute Unterhaltungsliteratur ausmacht. In erster Linie natürlich - wie es der Name schon sagt - gute Unterhaltung. Ich möchte als Konsument unterhalten werden, ich möchte mich weiterbilden können (man kann es tatsächlich, mit dieser ganz banalen Unterhaltungsliteratur). Und wenn sich mir neue Horizonte auftun und dann auch noch ein Aha-Effekt da ist, dann habe ich mich gut unterhalten. Ich habe auch nichts gegen Spannung einzuwenden und wenn da auch noch eine Prise Erotik vorkommt, um so besser. Und wenn mir dann ein Leser bescheinigt, dass er nie in den Versuch kam, ein paar Zeilen zu überspringen, dann habe ich gekonnt, was ich gewollt habe, nämlich gute Unterhaltungsliteratur zu schreiben..

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Kontrastreiche Personen und oppositionelle Kräfte

In einem vorangegangenen Teil hatte ich von einem Detektiv berichtet, der den Whisky Eimerweise säuft und festgestellt, dass es sich dabei um eine stereotypische Figur handelt. Jeder Autor ist gut beraten von Stereotypen die Finger wegzulassen. Wir können auch einen Westernhelden nehmen, ihn mindestens 1,90 groß sein lassen, breite Schultern usw. Auch hier wieder ein Stereotyp. Die Frage steht also deutlich im Raum: wie lasse ich meine Figuren aussehen und was ist eine kontrastreiche Person? Nehmen wir z.B. eine Figur, die im krassen Gegensatz zu den meisten Figuren steht. Kann ein Detektiv nicht auch jung und klein sein, schmale Schultern haben? Ein Drei-Tage-Bart fällt aus wegen iss nicht. Unserer Detektiv hat nur einen schwachen Flaum im Gesicht. Aber Fälle aufklären kann er genauso gut, wie seine berühmten Kollegen, die wir aus diversen Serien kennen. Aber haben wir nicht mit unserer Figur eine viel interessantere geschaffen? Kommt sein vierschrötiger Kollege in eine Keilerei, weiß der Leser von vornherein, wie es ausgeht. Bei unserer Figur weiß er es nicht und kann gar nicht abwarten zu erfahren, wie sich unser „Schwächling” da raus mogelt. Kontrastierende Personen können wir auch schaffen, in dem wir fiktionale Charaktere gegensätzlich sein lassen, was heißen soll: Einer könnte willensschwach sein, der andere eine Person der Tat. Haben wir jemanden erfunden, der besonders fleißig ist, dann sollte es ruhig jemanden geben, der besonders faul ist usw. Ich habe davon einmal Gebrauch gemacht. Die Protagonistin ist u.a. gebildet, hat gute Manieren gepaart mit einer Prise Stolz. Ihre Freundin ist das krasse Gegenstück dazu, eine richtige Rotzgöre. Eine Leserin schrieb mir dazu wie folgt: Elke ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Geschichte. Sie ist der krasse Gegensatz zu Ute, sie dient als Sprachrohr und als Spiegel und unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Beziehung zwischen Ute und Martin. Sie dient zur Beschreibung des Partners von Ute...
Was verstehen wir aber nun unter oppositionelle Kräfte? Wäre ein Zweimann-Rennen zwischen Michael Schumacher, in seinem Ferrari und dem Newcomer, Justin Wilson im Minardi interessant? Wie wäre es mit Tom und Jerry, wenn sie das wären, was sie in Wirklichkeit sind, ein großer fetter Kater und ein kleines Mäuschen? Wahrscheinlich würde M. Schumacher den Minardi in der ersten Runde abhängen und der fette Kater hätte in Sekundenschnelle die Maus gefressen. Und was, bitte schön, soll daran nun interessant sein? Nichts! Im Gegenteil, es wäre stinklangweilig. Wollen wir langweilige Bücher schreiben? Natürlich nicht! Also konstruieren wir eine gute Opposition. Was immer unserer Held anstellen wird, aus seinem Dilemma rauszukommen, der Bösewicht (die oppositionelle Kraft) wird mit Gerissenheit, Schlauheit und Einfallsreichtum alles daran setzen, um dies zu verhindern und dabei wird er unseren Held mindestens ebenbürtig sein. Besser noch: er ist immer einen Schritt voraus. Auch hier wieder ein Beispiel Der Protagonist kann auf Grund seiner Fähigkeiten als ehemaliger GSG 9-Beamter, eine Segelcrew aus einer bedrohlichen Lage retten. Ausgerechnet diese Fähigkeiten werden ihm zum Verhängnis. Zitat: Die Worte bekamen für Gerd eine vollkommen neue Bedeutung. Er war wie ein blutjunger Anfänger in eine Falle getappt, und es kam ihm vor, als würde er vom Jäger zum Gejagten, bevor die Jagd erst richtig begonnen hatte... Hier zeichnet sich bereits ab, dass der Bösewicht (Antagonist) ein ernst zu nehmender Gegner ist, aber es kommt noch schlimmer: ...die Druckwelle riss ihm förmlich die Beine weg, und als er sich wieder aufrappelte, sah er direkt auf seinen zerfetzten Fiat. Spätestens jetzt wurde ihm klar, dass er endgültig vom Jäger zum Gejagten geworden war... Hier haben wir also eine gute Opposition der agierenden Kräfte, der Leser weiß bis zum Schluss nicht, wie es ausgeht (im Gegensatz zum Ferrari/Minardi), er wird mit dem Helden mitfiebern und der Autor hat erreicht, was er wollte.

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Doppelt gemoppelt

Wenn ich, während meiner Kindheit, meinen Freund eine Bonbontüte hinhielt, nahm er immer gleich zwei und kommentierte dies mit: doppelt hält besser. Wenn man mir mal einen Schnaps spendiert - was an sich schon recht selten vorkommt - warte ich auch immer auf den zweiten, denn auf einem Bein ist bekanntlich schlecht stehen. Wie sieht es aber nun bei der Schreiberei aus? Gilt dort auch, doppelt hält besser? Nein, es ist überflüssig und lässt erkennen, das der Autor über wenig Erfahrung verfügt. Wenn ich schreibe, dass Klaus mir etwas leise zuflüsterte, habe ich eine Dopplung. Wenn Klaus mir etwas leise sagt, ist es korrekt, da flüstern aber bereits leise ist, erübrigt sich das Wort leise. Wenn jetzt jemand amüsiert schmunzelt, haben wir wieder eine Dopplung, denn wenn man schmunzelt, ist man immer amüsiert. Und schwarze verkohlte Reste sind niemals grün oder gar blau, sie sind immer schwarz, also weg mit dem Wort. Was ist an, mit eigenen Augen gesehen, falsch? Wer es nicht weiß, versuche einmal durch fremde Augen zu sehen. Tief zog sie die Luft in ihre Lungen ein... Mit fremden Lungen kann man nicht atmen, also: tief zog sie die Luft ein, reicht völlig.

Ich denke, dass diese wenigen Beispiele reichen sollten, um zu verstehen, was ich sagen wollte.

Und noch ein überflüssiges Wort - gar - was heißt gar? Ein gekochter Fisch kann gar sein oder ein Braten in der Röhre kann ebenfalls gar sein, aber folgende sehr weit verbreitete Benutzung einer Wortkombination ist falsch, nämlich: gar nicht! ...er konnte dazu gar nichts sagen... Diese Wortkombination gibt es nicht. Nehmen wir ein paar Beispiele. Er hatte gar keine Lust mehr, hatte sie gar nicht bemerkt, sie wusste es noch gar nicht, sie hatten gar nichts getan. Lassen wir hier überall das Wort gar weg und am Sinn ändert sich nichts. Anders sieht es natürlich im Dialog aus. Er fragte: „Du weißt es also noch gar nichts?” Hier ist es erlaubt, denn Menschen reden nun mal nicht ganz korrekt. Das Wort gar außerhalb von garen (kochen) zu verwenden, gibt es nur einmal, wo es berechtigt ist und zwar in: ganz und gar nicht. Eine Lektorin bezeichnete diese Wörter einmal als Schwamm- oder Füllwörter. Im obigen Dialog steht gleich noch ein zweites: also. Überhaupt gehört auch dazu. Er hatte überhaupt nichts gesagt. Blödsinn! Aber im Dialog erlaubt. „Und überhaupt, was willst du hier?” Ziemlich, ist auch ziemlich überflüssig. Wenn einer ziemlich blöd aussieht, ja dann sieht er halt blöd aus. Was soll das ziemlich da noch? Immerhin und schließlich, reihen sich auch in die Gilde der Schwammwörter ein. Jedenfalls, wenigstens, zwar, eigentlich, seltsam, irgendwie, völlig...

Abschließend noch etwas zu meiner eigenen Ehrenrettung, wer einmal ein Buch von mir gelesen hat oder das noch vorhat, und über das eine oder andere Füllwort/Schwammwort stolpert, sollte daran denken, dass auch ich einmal klein angefangen und erst später eine literarische Ausbildung abgeschlossen habe. Was wir auch vermeiden sollten ist die Adjektivhäufung. Eine schöne alte klobige Truhe. Alte Truhe reicht aus.

Und immer dran denken. Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen. Mark Twain.

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Direkter und indirekter Dialog.

In einem der vorangegangenen Seminaren haben wir etwas von direkter und indirekter Charakterisierung gelernt und erfahren, dass letztere vorzuziehen ist. Wie sieht es denn nun mit dem direkten und indirekten Dialog aus? Man möchte es fast ahnen, genauso!

Es gibt Leute, die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Diese Tatsache aber in einem Roman einzubinden, wäre der direkte Dialog und damit nicht die feine englische Art der Schreiberei. Nehmen wir einmal ein Beispiel aus dem Leben. Ein Mann begehrt eine Frau und würde alles daran setzen, um mit ihr ins Bett zu gehen. Würde er zu ihr sagen: „Ich bin spitz auf dich, wie Nachbars Lumpi. Komm, lass uns in die Kiste springen.” Sicher nicht! Erstens sagt Man(n) so etwas nicht und zweitens würde Man(n) damit genau das Gegenteil erreichen (ich bin mir sicher, dass zu Mindest die Frauen unter uns wissen, wovon ich rede). Wie gehe ich also als Mann vor, um das Objekt meiner Begierde doch noch ins Bett zu bekommen? ( die Männer, die jetzt glauben hier eine Anleitung zu bekommen, können sich jetzt ausklinken, denn die wird mit Sicherheit nicht kommen). Es gibt ein Sprichwort: „Sag es durch die Blume.” Was heißt das? Es heißt nichts weiter, als indirekt zu sagen, komm, las uns in die Kiste springen und eine heiße Nummer schieben. Nur nicht mit den vorangegangenen Worten!!! Ich drücke es im indirekten Dialog aus. Ich kann's direkt machen und ins Fettnäpfchen treten oder ich kann es  - besser - indirekt machen und zum Ziel gelangen. Ein Beispiel gefällig? Kein Problem, hier ist es:

Als wir in meiner Wohnung waren, fragte Heike: „Wo soll ich schlafen, Micha?”
Ich hatte mir noch einen Whisky eingeschenkt. Da ich von früheren Zeiten wusste, dass Heike keine harten Sachen
trank, mixte ich ihr einen leichten Drink.
„Du kannst im Gästezimmer oder auch bei mir, im Schlafzimmer, schlafen.” Ich reichte ihr das Glas.
Sie kam zu mir, nahm das Glas entgegen und fragte: „Bei dir im Zimmer schlafen, oder mit dir schlafen?”
Das war die Frage. Sie war trotz ihrer leichten Naivität zuweilen ganz schön gerissen. Was dachte sie jetzt wohl? Dachte sie ja und ich sagte nein, entging mir das, wovon ich in meiner Jugend immer geträumt hatte. Dachte sie nein und ich sagte ja, konnte es sich vielleicht als Fehler des Abends herausstellen. Ich kannte sie gut genug und sagte schließlich: „Was immer du willst.”
Sie kam ganz dicht an mich heran, nestelte mit ihren schlanken Fingern an meinem Hemdenknopf herum und sagte schließlich: „Micha, ich mag dich, ich habe dich immer gemocht. Wenn ich daran denke, was...” Sie pausierte etwas, als galt es noch, die letzten Zweifel beiseite zu schieben. „...wenn du mich auch ein kleines bisschen magst, dann lass es uns tun.”

Was ist in diesem Gespräch passiert? Beide wollen miteinander schlafen aber keiner sagt es direkt. In einem kleinem Gespräch tastet man sich an das Thema heran (im Gästezimmer oder auch bei mir... Bei mir heißt noch lange nicht mit mir!), bis die Entscheidung fällt, „...dann lass es uns tun.”

Zugegeben, sooo sehr indirekt ist dieses Beispiel noch nicht, aber das habe ich ganz bewusst getan. Es gibt nämlich Leute, die so indirekt reden, dass man gar nicht mehr weiß, was sie denn wollen. Auch hier gilt, dass Maß der Dinge ist es. In den Sechzigern war es Mode, Filme (besonders Serienfilme) so zu drehen. Man fand das damals wohl als chic, die Schauspieler redeten so indirekt im Dialog, dass man oft nicht mehr mitkam. Aber weiter im Text: Wie sieht es mit Taktgefühl aus? Kennen wir das nicht alle? Aus einem taktvollen Umgang miteinander, kann sehr schnell indirekter Dialog werden, denn man sagt nicht direkt, was man meint. Beispiel: Eine Frau hat sich ein neues Kleid gekauft, zieht es zu Haus an, geht damit zu ihrem Mann, baut sich vor ihm auf, spreizt die Arme leicht auseinander und fragt: „Wie sehe ich damit aus? Gefällt es dir?” Sie strahlte dabei über das ganze Gesicht und konnte offenbar die Meinung ihres Mannes gar nicht früh genug hören. Georg legte die Zeitung beiseite, musterte mit einem kritischen Blick seine Frau und sah sofort, dass sie sich mal wieder total vergriffen hatte. Direkter Dialog: „Das Kleid sieht echt Scheiße aus und passen tut’s dir auch nicht”, antwortete Georg und widmete sich wieder seine Zeitung... Da Taktgefühl so eine Antwort verbieten würde, könnte sie so aussehen: „nicht schlecht, aber meinst du nicht auch, dass Du schon etwas alt bist, für so ein kurzes Kleid?” Er lächelte. „Meinst du, dass du es schaffen wirst ein paar Pfund abzunehmen. Es sitzt ganz schön eng, nicht? Zwickt es nicht unter den Armen? Aber sonst sieht es recht passabel aus”, beeilte er sich hinzuzufügen.
„Meinst du wirklich? Ich dachte...”
Hier hat Georg also zu verstehen gegeben, dass das Kleid nicht zu seiner Frau passt. Indirekt und taktvoll, der Hausfriede wurde bewahrt.

Fassen wir zusammen. Direkter Dialog drückt genau das aus, was im Kopf einer Figur vor geht, ohne den Versuch zu machen es zu umschreiben, mit vielleicht Ausflüchten, Lügen, einen Witz oder ähnliches. Gute Dialoge - so Frey - drücken den Willen der Figur indirekt aus. Nun ist es aber so, dass ich persönlich nicht immer mit der Meinung diverser Lehrbücher mitgehe, so wie auch der eine oder andere hier nicht mit meiner Meinung konform geht. Sollten wir den indirekten Dialog immer bevorzugen? Unweigerlich stellt sich mir diese Frage. Ich meine nicht! Jeder muss wissen, worüber er schreiben möchte und was seinen Stil ausmacht. Ich schreibe gerne so, wie das tatsächliche Leben es diktiert. Ich weiß sehr wohl, dass es Menschen gibt, die indirekt sagen, wenn sie einen ausgegeben haben wollen: „... mein Gott, ist die Luft hier trocken...”, weiß aber auch, das es Situationen gibt, wo ein klares Wort gefragt ist und nichts da mit indirekt. :o) Wie wir sehen können, ist es nicht immer ganz einfach zu entscheiden. Ich tendiere dazu, meine fiktionale Charaktere in Stresssituationen direkt reden zu lassen. Auch neigen meine Figuren dazu, wenn es in einer Diskussion heiß her geht, direkt zu reden. In einem beschaulich, sinnlichen Moment, können sie dann ruhig durch die Blume sagen, was sie ausdrücken wollen.

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Wie schreibe ich denn nun einen Roman?

Eine schwere Frage? Mitnichten, eine leichte! Wenn ich einen Roman schreiben möchte, absolviere ich eine Autorenschule und bekomme da haarklein mitgeteilt, wie das mit dem Schreiben so funktioniert. Was ist aber mit den Autoren, die aus welchen Grund auch immer keine Schule abschließen wollen oder können? Sind deren Manuskripte schlecht oder weniger gut? Das ist eine schwere Frage!

Ein Beispiel: Vater Klaus, der von Beruf Koch ist, möchte sein Bad neu fliesen, da er Geld sparen will, macht er es selbst. Die Kinder kommen und staunen und sagen: „Man Papi, was du alles kannst.” Seine Frau Uschi klopft ihn anerkennend auf die Schultern und unterstreicht es mit einem zufriedenen Kuss. Das Bad ist fertig und alle sind zufrieden. Eines Tages kommt Rudi, der Fliesenleger zu Besuch, geht auf die Toilette, kommt zurück, schallend lachend und fragt: „Welcher Dödel hat denn Euer Bad gefliest?”

Was möchte ich damit sagen? Ganz einfach, das Schreiben ist ein Handwerk, wie jedes andere auch und muss gelernt werden. Ansonsten laufen junge Autoren Gefahr, dass zwar die Kinder und der Partner ihn anerkennend auf die Schulter klopfen, aber ein professioneller Lektor wird nur ein müdes Lächeln dafür übrig haben. Das Ergebnis kennen wir alle, unser Manuskript wird abgelehnt. Vater Klaus war zwar in der Lage Fliesen an die Wand zu kleben, aber er wusste nichts über die Feinheiten des Handwerks. Viel Autoren sind in der Lage Wörter zu Sätzen, Absätze zu Seiten zu formulieren, aber von den Feinheiten des Handwerks wissen sie nichts. Das so entstandene Manuskript hat mit einem Buch nichts zu tun. Nun gibt es eine ganze Menge Leute, die ebenso viele Abhandlungen darüber geschrieben haben. James Frey, Stephen King, Fritz Gesing, um nur einige zu nennen. Man kann jetzt in deren Büchern seitenweise lesen und mehr oder weniger verständliche Formulierungen in sich aufnehmen, diese begreifen oder das Buch resigniert zuklappen und in die Ecke feuern. Was viele Fachleute in dicke Bücher geschrieben haben, quetschte meine Dozentin meiner Autorenschule in einen Satz: Er (der Autor) lässt ihn (den Held) kämpfen, scheitern, wieder aufstehen, stärker werden, lernen und am Ende als Sieger hervorgehen. Was hier so simpel klingt, ist denkbar schwierig und kann durchaus einen Umfang von mehreren hundert Buchseiten haben, denn letztlich ist das der Kern eines guten Romans. Es gibt nämlich Auskunft darüber, an was ich mich als Autor in einem Roman zu halten habe und was ein Verlag von meinem Manuskript erwartet. Versuchen wir mal den Satz verständlich auseinander zu pflücken. Warum soll der Held kämpfen? Weil er ein Problem hat, genannt der zentralen Konflikt (reicher Prinz liebt arme Fischerstochter, unser Held sitzt unschuldig hinter Gittern und versucht dies zu beweisen). Wenn bei diesem Kampf alles glatt geht, haben wir gleich mehrere Probleme. Das Buch wird recht dünn, vielleicht sogar langweilig, weil alles so schön abläuft und wir verstoßen auch noch gegen das Handwerk des Schreibens. Also was machen wir? Richtig! Wir lassen unseren Helden bei der Behebung seines Problems scheitern. Das hebt die Spannung und der Leser fiebert mit den Protagonisten mit, was er ja auch soll. Unserer Held lässt sich aber nicht unterkriegen, er erhebt sich und kämpft weiter. Aus seinen Fehlern lernt er, er entwickelt sich. Und das ist etwas, worauf die Lektoren der Verlage besonders achten. Die Hauptfiguren in unseren Roman müssen aus ihren Fehlern lernen und sich dabei entwickeln, so, wie im wirklichen Leben auch. Durch den Lernprozess wird unser Held stärker, er kann einen neuen Anlauf nehmen und wird seinen Kampf gewinnen. Der Prinz bekommt die arme Fischerstochter, unser Held wir rehabilitiert und aus dem Knast entlassen. Dieser Werdegang in einem Roman stellt quasi eine Gesetzmäßigkeit dar und jeder Autor ist gut beraten sich daran zu halten.

Frey holt da ein bisschen weiter aus, sein Lehrsatz beginnt wie folgt: man nehme ein paar interessante Charaktere... Was sind nun interessante Charaktere? Ist ein Westernheld, 1,90 m groß, ein Kreuz wie ein Kleiderschrank und Hände wie Klosettdeckel interessant? Nein! Ist ein Detektiv im Supersportwagen, eine Blondine an seiner Seite und der den Whisky eimerweise säuft interessant? Nein! In beiden Fällen haben wir höchstens ein Klischee erschaffen. Nehmen wir mal ein ältere Frau, deren Mann, ein früherer Inspektor, der lange verstorben ist, die Kriminalfälle aufklärt. Ist sie interessant? Worauf wir wetten können, denn sie wird den Whisky nicht Eimerweise saufen und sich nicht in einschlägigen Etablissements herumprügeln. Und schon haben wir einen interessanten Charakter geschaffen. Und hier scheint mir, liegt ein Problem, das viele angehende Autoren haben. Mit ihrer Charakterisierung bedienen sie sich oft eines Klischees und ihre Figuren wirken platt. Und schon haben sie die beste Voraussetzung einer Ablehnung geschaffen. Wie aber geht es weiter? Siehe oben. ...stellt sie vor ein Problem. Das zu bewerkstelligen dürfte einfach sein, denn Probleme gibt es genug auf der Welt. Wir alle können ein Lied davon singen. Im Beispiel weiter oben wird der Held von Kidnappern weit in den Dschungel entführt. Er kann fliehen und sieht sich plötzlich mitten zwischen Lianen, giftigen Schlangen und Vogelspinnen. Zurück kann er nicht, also hat er ein Problem. Bei der Bewältigung des selben gibt es wieder eine Gesetzmäßigkeit zu beachten. Unser Held (Heldin) muss mit maximaler Figurenkapazität agieren. Das heißt, er muss alles daran setzen, um aus diesem Dilemma (seinem Problem) mit heiler Haut herauszukommen. Natürlich werden die Bemühungen eines ehemaligen Elitesoldaten anders sein, als die einer alten Frau oder eines Kindes. Aber auch ein Kind oder eine alte Frau werden alles unternehmen, was in ihrer Macht steht. Trotz aller Mühe scheitert unser Held (s. oben). Die Gründe hierfür können vielschichtig sein. Er gibt aber nicht auf, rappelt sich zusammen, lernt aus seinen Fehlern, wächst mit seiner Aufgabe und findet letztlich nach Tagen den Weg aus dem Dschungel. Damit das ganze auch noch etwas dramatisch wird, bindet der Autor dem Helden noch einen ganz besonderen Klotz ans Bein und als kleinen Schmankerl lässt er im Buch auch die Liebe nicht zu kurz kommen.

So oder so ähnlich sind die Zutaten, aus denen man einen guten Roman strickt.

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Die Was-Wäre-Wenn-Formel

Sechs Romane habe ich herausgebracht, und habe das siebente Manuskript abgeschlossen. Ich glaube, das die Frage, wo ich meine Anregungen hernehme, die ist, die man mir am meisten gestellt hat. Nun gehöre ich zu den Typen von Leuten, die ihren Gegenüber kaum eine Antwort schuldig bleiben, aber in diesem Fall musste ich meistens passen. Es gab keine befriedigende Antwort, die man hätte in vielleicht zwei Sätzen ausdrücken können. Nachdem ich über das Thema ausführlich sinniert habe, kam mir da eine Erleuchtung. Ich glaube, dass alle meine Storys nach einer gemeinsamen Formel entstanden sind. Sie lautet: Was wäre wenn? Nehmen wir ein Beispiel. Wenn man einen Roman schreibt, identifiziert man sich sehr stark mit seinen fiktionalen Charakteren.

Anfang März fliege ich immer für eine Woche nach Mallorca, miete mir dort eine schwere Maschine und düse damit durch die Lande, wenn es in Deutschland dafür noch zu kalt ist. Ich stellte mir damals die Frage, was wäre wenn du mal irgendwohin fährst und jemanden kennen lernst, der genau einem deiner fiktionalen Charaktere entspricht? Ist das nicht Story genug? Was kann sich aus diesem, was wäre wenn, alles entwickeln? Es gibt Tausende Möglichkeiten auf diese Frage! Was draus geworden ist: Martin Bunge ist sprachlos. Auf seinem Flug nach Mallorca, wo der Bestsellerautor eigentlich sein derzeitiges Romanprojekt in Ruhe und Abgeschiedenheit beenden wollte, entdeckt er eine geheimnisvolle Schöne, die in allen Äußerlichkeiten einer seiner Romanfiguren gleicht. Es kommt ihm wie ein Wink des Schicksals vor, als seine Traumfrau ausgerechnet das Nachbarappartement in derselben Ferienanlage bezieht, in der auch Martin abgestiegen ist... Was kann man daraus alles machen? Es gibt zig Möglichkeiten und so ist aus diesem, was wäre wenn, ein modernes Liebesmärchen entstanden, von dem besonders die Frauen sehr angetan sind. Im Nachhinein musste ich dann selber schmunzeln. Da habe ich als Mann einen typischen Frauenroman geschrieben, der - so einige Leserinnen - sehr gut ankommt.

Aber nehmen wir mal ein paar weitere Beispiele. Was wäre wenn ich in den Urlaub fliege und der Flieger abstürzt und ich überlebe als einziger auf einer kleinen Insel... Was wäre wenn ich, weil ich total besoffen bin, von Bord eines Luxusdampfers falle... Was wäre wenn man mir Rauschgift unterjubelt und ich damit am Flugplatz auffliege und das vielleicht noch in der Türkei... Es gibt Tausende Möglichkeiten, was man alles mit dieser Formel anstellen könnte.

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Wie drücke ich mich aus?

Kraftausdrücke

Wie ist es mit Kraftausdrücken? Können wir sie in unseren Büchern benutzen oder nicht? Stephen King geht darauf sehr ausführlich in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben” (ISBN 3-453-19927-8 Heyne) ein. Er spricht offen aus, was die Lektoren denken und wollen. Kraftausdrücke sind verpönt. Das kann sogar soweit gehen, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Während meiner Autorenschule habe ich ein Interview einer deutschen Autorin gelesen (Name leider vergessen), die in ihrem Manuskript das Wort (weibliche) Brust ersetzen sollte. Aber bleiben wir bei den wirklichen Kraftausdrücken. Kürzlich habe ich mich auf Anraten mit einem Text befasst, in dem die Wörter kotzen, pissen und ficken verwendet wurden. Man fragte mich (wie so oft), wie ich es sehe. Ich antwortete (wie so oft), dass meine Meinung nicht gefragt ist, sondern die derjenigen, die über Gedeih und Verderb eines Manuskriptes entscheiden und berichtete weiter, dass es gerade jene sind, die diese Kraftausdrücke in der Regel ablehnen. „Du schreibst doch Bücher, wie sie das Leben diktieren”, ging es weiter. „Und im Leben werden nun mal jene Ausdrücke benutzt, auch wenn sie nicht gerade schön sind, aber Leute reden nun mal so.”

Und schon haben wir es. Ich habe mal in einem Satz die Freundin eines Mannes beschrieben, was mir mein Lektor angekreidet hat. Ich schrieb: ...Rudis Schnecke... Mein Lektor strich das Wort und ersetzte es mit Freundin. Hätte ich geschrieben: Horst sagte: „Das ist Rudis Schnecke.”, wäre es okay gewesen. Was heißt das? Nichts anderes, als dass diverse Ausdrücke im Dialog erlaubt sind, im übrigen Text werden sie aber nicht gerne gesehen oder gar gnadenlos gestrichen. Folgendes wäre also erlaubt: Harry berichtete und grinste dabei übers ganze Gesicht: „Also Leute, gestern war hier was los. Der Dieter war so besoffen, dass er erst kotzen war und sich dabei beinahe in die Hosen gepisst hätte und dann wollte er noch die Uschi ficken.” Hier haben wir jene Kraftausdrücke und wir haben noch etwas, wir haben Harry damit indirekt charakterisiert. Harry schein ein Typ zu sein, der so redet, wie ihn sein Schnabel gewachsen ist. Folgende Aussage würde ein Lektor wahrscheinlich nicht durchgehen lassen: Peter wusste, dass Dieter so besoffen war, dass.... Hier wäre der Autor gut beraten, wenn er den Satz so schreiben würde: Peter wusste von Harry, dass Dieter am Abend zuvor ziemlich viel getrunken hatte, so dass er sich übergeben musste und sich dabei beinahe in die Hosen gemacht hätte. Anschließend wollte er die Uschi noch verführen... Hört sich das nicht viel besser an und sagt es nicht genau das gleiche aus?

Eines möchte ich noch anfügen. Ich bin bestimmt nicht prüde und auch ich habe einmal in einem meiner Bücher eine Frau sagen lassen. „Ich möchte mir die Seele aus dem Leib ficken.” (im Dialog).

Und ich höre schon wieder jene ertönen, die alle Regeln und Verhaltensnormen zum Teufel wünschen. Ich möchte vorweg darauf mit einem Zitat von Frey antworten: „Einem bekannten Autor verzeiht man das, einem unbekannten nicht...” Und so möge jeder selber wissen, was er schreibt und was nicht; und ob er sein Manuskript verkaufen möchte oder nicht...

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Ehrlichkeit dem Leser gegenüber. Oder - verarsche deinen Brötchengeber nicht.

In einem Teil habe ich über Hera Lind gesprochen, wie sie in einem ihrer Romane gravierende Fragen offen und die epische Gerechtigkeit ganz außer acht gelassen hat. Meines Erachtens schwere Fehler. Ich habe das Buch noch bis zum bitteren Ende gelesen (studienhalber), meine Frau und eine andere Leseratte haben es zugeklappt und da hin gefeuert, wo es ihrer Meinung nach hingehört: In die Ecke. Wir sind also als Schriftsteller gut beraten, wenn wir alle offenen Fragen klären und da, wo Gerechtigkeit hingehört, vollstrecken wir sie auch. Was kann ich als Autor aber noch falsch machen? Ich denke, wenn ich den Leser verarsche, weil ich ihn Dinge weiß machen will, die so nie funktionieren können, dann habe ich es geschafft, dass dieser Leser mich als Autor in Zukunft meiden wird (herzlichen Glückwunsch!). Ich habe studienhalber auch mal einen Roman von Gabi Hauptmann gelesen. Das Buch war witzig und schön zu lesen... Tja, bis dann der Schluss kam. „Meine Herren”, brummelte ich, „das kann ja wohl nicht wahr sein.” Worum ging es? Die beste Freundin einer Frau hat ein Verhältnis mit deren Mann. Die Frau weiß davon, gibt sich aber nicht zu erkennen. Irgendwann zieht sie ein großes Ding auf und bittet die Freundin mit einzusteigen. Bei dem Gespräch offenbart sie ihr Wissen über das Verhältnis ihres Mannes mit ihrer Freundin. Die Freundin fragt: „Und Lars?” (ihr Mann) die gehörnte Ehefrau antwortet, Zitat: „... Ihr wisst doch, Mädels, jede Frau braucht ein kleines Geheimnis!” Damit ist das Buch zu Ende. Der Satz hätte auch so lauten können: „Treib du es nur weiter mit meinem Mann. Ich fühle mich nicht betrogen und auch nicht hintergangen. Du weißt ja, wir Frauen brauchen unser kleines Geheimnis.

Das muss man sich mal reinziehen und auf der Zunge zergehen lassen. Ich kann mich nicht erinnern, von einem Autor schon mal so verarscht worden zu sein. Es gibt Autoren, die manövrieren sich in etwas rein, wo sie nur schlecht wieder rauskommen. Das Ergebnis sieht dann u.a. so aus, wie bei obigen Beispiel.

Ein weiterer Fehler ist, wenn ein Autor einen Protagonisten erst als einen sympathischen beschrieben hat und plötzlich Dinge tun lässt, die wir nie vermutet hätten, weil sie eben alles andere als sympathisch sind. Wir sagen uns dann, das würde der Typ, den ich hier im Roman kennen gelernt habe, nie tun. Der Autor wird damit unglaubwürdig, so Frey.

Ich konnte einmal mit jemanden über einen weiteren - an sich sehr guten - Roman von Gabi Hauptmann diskutieren. In dem Roman will sich ein sehr vermögender 60-jähriger Mann eine attraktive 30-jährige Frau angeln. Natürlich will die Frau nichts von ihn wissen, logo!, könnte ja auch ihr Vater sein. Und außerdem ist sie glücklich leiert. Der Mann beginnt nun die Frau mit Geldgeschenken zu überhäufen und was passiert? Die Frau lässt sich auf ihn ein. Der Leser wird damit regelrecht vor dem Kopf gestoßen und die (sympathische) Frau zur billigen Nutte. Damit war die Sympathie vorbei, die Frau war nicht nur bei mir unten durch. Das Buch war gut geschrieben, aber ich habe mich über diesen Verlauf geärgert. War dann auch nicht weiter erstaunt, dass es anderen ganz genauso ergangen war.

Gebe ich dem Leser ein Versprechen, bin ich gut beraten, wenn ich dieses auch einlöse. Wenn nicht, ist es fast das selbe, wie Fragen offen zu lassen. Wenn ich in einem Roman wiederholt einen Touristen mit Fotoapparat erwähne, wird sich der Leser fragen, was dieser dämliche Tourist da wohl soll. Kläre ich das Thema nicht, habe ich versagt und der Tourist ist damit völlig unwichtig. Ich hätte ihn auch weglassen können. Kommt aber der Protagonist in eine ziemlich missliche Lage, weil jener Fotograf daran schuld war, wird sich der Leser sagen: Aha, jetzt weiß ich auch, wozu diese scheinbare Nebensächlichkeit gut war. Und die offene Frage nach dem Touristen ist geklärt.

Mit folgendem Satz gibt der Autor dem Leser ein Versprechen: ...wenn er gewusst hätte, welch schreckliche Ereignisse ihn dort erwarten würde, er hätte sich am Abend zuvor sinnlos betrunken, nur um am Morgen danach infolge seiner Trunkenheit den Flieger zu verpassen... Der Leser wird sich sagen: Aha, jetzt wird's interessant, da wird bald was passieren. Und wenn dann nichts passiert, keine schrecklichen Ereignisse, sondern nur ein bisschen Geplänkel, dann hat der Autor ebenfalls versagt. Es ist wie im wirklichen Leben, wenn man etwas verspricht, sollte man es auch halten, sonst kann es Zoff geben. Und Zoff mit meinen Lesern, ist das letzte, was ich haben möchte.

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Da ich wiederholt gefragt wurde, möchte ich die Gelegenheit nutzen das Ergebnis hier auch für andere zugänglich zu machen.

Was ist denn nun mit der Schreiberei zu verdienen?

Um es vorweg zu nehmen, im Gegensatz zu anderen Ländern, können in Deutschland nur sehr wenige Autoren von der Schreiberei leben. Wenn wir hier die Frage nach dem Verdienst behandeln wollen, dann müssen wir erst mal klären, wie viele Bücher kann ein Autor im Jahr schreiben? Stephen King sagt - und das deckt sich auch mit meiner Erfahrung - dass er pro Buch drei Monate braucht. Also sind im Jahr maximal vier Bücher drin. Mehr geht nicht, eher weniger. Nehmen wir jetzt folgende reale Kalkulation. Für einen Noname Autor ist eine Tausender Auflage real. Ein Verlag machte mir dies Angebot: Auflage: 1.000, Verkaufspreis: 16,80 DM, Beteiligung/Buch: 10%, also 1,68 DM. Das ergibt 1.680,- DM als Erlös. Wenn wir Vater Staat und alle anderen Wegelagerer daran beteiligt haben, bleiben uns ca 550,- DM übrig. Laut Adam Riese ergibt das mal vier Bücher einen Nettoverdienst von ca 2.200,- DM/Jahr! Nicht viel und leben kann man davon wohl auch nicht. Was bleibt übrig, um mehr daraus zu machen? Es gibt nur eine Antwort, wir müssen so gut werden, dass ein Bestseller rauskommt. Die Auflage wird deutlich höher, der Verkaufspreis auch und unsere prozentuale Beteiligung ebenfalls. Na dann mal los!

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Wie finde ich einen Verlag?

Bis jetzt hat es eine Menge an Tipps gegeben, wie man ein Buch schreiben kann. Da dies bereits die 2. Auflage ist, weiß ich, dass es für einige sogar recht wertvolle Anregungen sind. Was ist aber nun, wenn das Manuskript endlich fertig ist? Wie biete ich es einen Verlag an und was noch wichtiger ist, wie suche ich diesen Verlag aus? Letztere Frage ist einfach. Angenommen, ich habe einen Liebesroman geschrieben. Ich gehe in die Buchhandlung und lasse mir das Regal zeigen, in dem ich Liebesromane finde. Ich nehme mir ein paar Bücher zur Hand und notiere die Verlage. Fertig. Die Adressen bekomme ich aus dem Internet, über diverse Suchmaschinen oder von der Telefonauskunft. Dort rufe ich an und frage nach, wie sie mein Manuskriptangebot haben wollen. Das ist nämlich bei jedem Verlag unterschiedlich. Handschriftliche Manuskripte werden von den Verlagen nicht mehr angenommen und ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, dass das ernsthaft noch jemand vor hat. In einem Punkt sind die Anforderungen der Verlage gleich, sie wollen einen persönlichen Werdegang haben, eine Kurzvita. Also so eine Art Lebenslauf in Sachen Schreiberei. Warum? Ich weiß es zwar nicht, habe aber einen Verdacht. Wenn in diesem Werdegang folgendes steht: mit dem Schreiben fing ich bereits während meiner Kindheit an... Später studierte ich das-und-das... Arbeitete dann für x Jahre bei der-und-der Zeitschrift, dann dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass das Manuskript gelesen wird, recht hoch sein. Steht dort aber: nach der achten Klasse lernte ich Maurer... Kann es sein, dass solche Aussage dem Lektor hilft eine Vorselektion zu machen? Könnte es sein, dass dem Verlag ein interessantes Manuskript durch die Lappen geht, nur weil sie nicht wussten, dass der Verfasser Germanistik studiert hat, ohne dies angegeben zu haben? Wie gesagt, ich weiß es nicht, aber möglich wäre es schon. Wie komme ich zu dieser Annahme? Manchmal frage ich mich beim lesen eines Buches, warum ist das Manuskript nun angenommen worden und warum werden es andere, die ich kenne und als gut befand, nicht? Eine seeehhr schwere Frage. Ich schlug jenes Buch zu und las mir die Information der Autorin auf der zweiten Seite durch. Dort stand: ...arbeitete nach ihrem wissenschaftlichen Studium in Oxford als Brokerin... Bei einem anderen ähnlichen Beispiel stand auch ähnliches über den Autor im Buch...Ich habe mir lange abgewöhnt, zu erwähnen, dass mein Hauptberuf Gastronom ist. Aber das nur mal so nebenbei.

Wir schreiben also unseren Werdegang auf und was weiter? Es kommt der Klappentext, das ist der, der hinten auf dem Buch steht. Das werden in der Regel ja nur ein paar Sätze sein. Dann kommt die Kurzbeschreibung, eine bis max. zwei Normseiten. Das sind die wichtigsten Seiten, vom ganzen Exposé. Anhand dieser Seiten entscheidet der Lektor, ob er sich die Leseprobe überhaupt ansieht. Denn daran erkennt er bereits, ob der Autor in der Lage ist sich auszudrücken oder nicht. Bei der Leseprobe gehen die Anforderungen auseinander. Die einen wollen 20-30 zusammenhängende Seiten haben, die anderen 30-40 Seiten über das ganze Manuskript verteilt, wiederum andere wollen die 10, wo der Autor der Meinung ist - besten Seiten haben (wenn die besten Seiten schon nichts taugen, dann...)

Immer mit einer Standartschrift schreiben, wie: Time New Roman (diese hier) oder Arial, 11 Pkt groß, 1,3fachen Zeilenabstand einstellen. Manche wollen einen rechten breiteren Rand für Notizen haben. Wenn man grob davon abweicht, besteht die Gefahr, dass das Manuskript unbesehen wieder zurückgeschickt wird. Dass wir ein Rückporto mit reinlegen, versteht sich von selbst. Ein Entwurf der Buchhülle ist auch nicht verkehrt. Dann heißt es abwarten, mindestens 3 Monate einplanen. Eine Antwort kommt in der Regel zu 90%. Wie sieht es mit der Rechtschreibung aus? Dürfen Fehler im Exposé sein? Ein Lektor wird nach Seitenzahl bezahlt, so wird er ein Manuskript, mit vielen Fehlern eher ablehnen. Ein Exposé sollte also unbedingt fehlerfrei sein.

Und jetzt machen wir einen großen Zeitsprung, unser Manuskript wurde erhört, das Buch ist fertig gedruckt und... liegt wie Blei in den Regalen. Was tun? Ich glaube, dass ist wohl DIE Frage, die sich jeder Autor stellt. Wenn man weiß, dass in Deutschland jährlich, zu den schon vorhandenen Büchern noch 60.000 bis 80.000 hinzukommen, dann wird schon verständlicher, dass der Verkauf nicht so einfach ist. Was kann der frischgebackene Autor nun tun, um das zu ändern? Er kann die Presse ansprechen. Unsere Tageszeitungen veröffentlichen so etwas ganz gerne. Man kann sich auch an den regionalen Rundfunk wenden. Die sind auch immer ganz froh, wenn sie etwas interessantes zu berichten haben. Man kann die Büchereien im näheren Umkreis abklappern. Und dann sind da natürlich noch die Lesungen, an deren Ende man das eine oder andere Exemplar an den Mann oder die Frau bringt. Und natürlich haben wir das Internet. Über die eigene Home Page soll sich auch so einiges verkaufen lassen. Und wenn man sein Buch signiert, kann man es als signierte Erstausgabe bei Ebay einstellen und hoffen, dass es jemand ersteigert. Ein beschenkter Leser könnte durch Mundpropaganda dafür sorgen, dass der potentielle Leser zum Autor findet. Und wer in seinem Bekanntenkreis jemand hat, der ein Laden hat, könnte dort die Bücher auch auslegen. Zu Hause sitzen, Däumchen drehen und warten, dass der Verlag in die Puschen kommt, ist die denkbar schlechteste Methode.

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Ist das Schreiben eine brotlose Kunst?

In meinem Beitrag, was verdient ein Autor, habe ich dargelegt, das der normalsterbliche Autor (zu mindestens in Deutschland) von der Schreiberei nicht leben kann. Ist damit die Schreiberei brotlos? Ich meine nicht! Was würden wir im dem Augenblick machen, wo wir normalerweise schreiben, wenn wir es nicht tun? Da gibt es viele Möglichkeiten. Man könnte auf seiner Terrasse/Balkon sitzen und ein Bier trinken. Die weiblichen Mitglieder von uns plinsen dabei vielleicht in die Sonne und genehmigen sich einen Wein oder gar einen Piccolo. Man könnte auch seinen Hund oder die Katze kraulen, sofern man zu den Besitzern solcher Viecher gehört. Wie auch immer, alle, die bereits einen Roman geschrieben haben, werden wissen, dass die Schreiberei süchtig machen kann. Und wenn man dann einfach nicht mehr schreibt, bemerkt man, dass man doch auf einmal verdammt viel Zeit übrig hat. Was haben wir denn mit der vielen Zeit gemacht, als wir noch geschrieben haben? Wird sich so manch einer von uns fragen. Richtig, wir haben geschrieben! Und was weiter? Wir haben uns Gedanken über das Geschriebene gemacht. Wir haben recherchiert, sind durch die Weiten des Internets gedüst, um uns Informationen zu holen, die wir für unseren Roman gebraucht haben. Haben andere Quellen der Recherche ergründet und ausgebeutet. Und haben uns ganz nebenbei ein enormes Wissenspotential angeeignet. Wir haben gelernt, dass man fiktionale Charaktere indirekt charakterisieren kann. Es wurde uns eingepaukt, dass die Rückblende als Kacke der Schreiberei zu sehen ist. Wir haben etwas über die Macht des Wortes erfahren. Wenn wir unseren Nachbarn etwas über Erzählperspektiven berichten, wird er uns wahrscheinlich mit übergroßen Augen ansehen und später unter vorgehaltener Hand zu berichten wissen, dass er was ganz Neues erfahren hat. Ich frage Euch, ist das als brotlose Kunst zu verstehen? Ich meine nicht! Wissen ist immer noch Macht und alle, die bis jetzt - vom ersten bis zu diesem Teil gelesen haben - werden sich einiges an Wissen angeeignet haben. Und Wissen war noch nie brotlos.

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Das Wann, Wo und Wie

Oft mal ist die Frage gestellte worden, wie man seine Schreiberei organisieren sollte. In diversen Foren habe ich es gelesen und selbst Frey beschäftigt sich mit dieser These. Ich vermute mal, dass es Schreiberlinge gibt, die das genau geklärt haben wollen. Ich gehöre nicht dazu. Ich habe den undankbaren Job, im Teildienst zu arbeiten. Als Gastronom arbeite ich Mittags und Abends und bis spät in die Nacht hinein. Was bleibt mir da schon groß übrig? Der Morgen gehört meinen Hunden, da gehen wir gemeinsam am Strand Gassi. Wenn ich zurückkomme, ist Frühstück und Zeitungsschau angesagt. Anschließend ab ins Büro (muss ja auch sein). Während meiner Büroarbeit beantworte ich auch meine Mails (täglich). Tja und dann heißt es an die Arbeit. Es bleibt nur der Nachmittag. Im Sommer sitze ich dann meistens im Garten im Halbschatten, vor meinem Notebook. Ich schreibe ohnehin lieber mit dem Noti, weil die Laptoptastatur ein effizienteres Tippen zulässt. Wenn ich im Winter, oder bei schlecht Wetter, im Büro schreibe, dudelt im Hintergrund immer ein Radio, aber meistens so leise, dass es kaum stört.

Es gibt Autoren, die immer zur gleichen Zeit am selben Ort schreiben. Viele tun es Nachts. Bitte schön, wenn es ihnen hilft. Ich schreibe, wenn mir danach zu mute ist. Was nützt es mir, wenn die Zeit ran ist, aber mein Kopf ist leer? Mir hat sich die Frage nach dem Wann und Wo nie gestellt. Das Wie ist da schon deutlich interessanter. Die einen schreiben chronologisch, quasi Schritt für Schritt, die anderen schreiben einzelne Kapitel, beginnen mit dem Ende, irgendwann kommt die Mitte dran, dann wird das Ende umgebaut und wenn der Anfang auch steht, fügen sie die Kapitel zusammen. Dank moderner Textverarbeitung überhaupt kein Problem mehr. Sollen sie! Ich neige dazu chronologisch zu arbeiten. In ganz seltenen Fällen habe ich mal ein Kapitel geschrieben, was noch lange nicht dran war.
Was denn nun, wie denn nun, werden sich einige fragen? Eine allgemein verbindliche Antwort wird es darauf wohl nicht geben. Ich kann allein schon die Frage nicht verstehen. Aber wie hat mein Lehrer immer gesagt: es gibt keine dumme Fragen. Es gibt nur dumme Antworten.

Und so möge jeder schreiben, wann, wo und wie es ihm gefällt.

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Kapitelgestaltung

Kapitelweise

In meinen bis jetzt sechs verlegten Büchern (Stand 02/05) habe ich nie Kapitel angewendet und ich habe das in Zukunft auch nicht vor. Habe ich ein Thema beendet, folgt eine Leerzeile mit einem Sternchen drin. Wie hier im Beispiel gezeigt.
                                                                                                 *
Und mit der nächsten Zeile geht es weiter, ein Neues Thema beginnt. Wie handhabt aber nun ein Autor die Kapitel, wenn er denn unbedingt welche haben möchte? Die Regeln hierfür sind einfach. Ein Kapitel beginnt immer auf einer neuen Seite. Ausnahmen sind, wenn das vorhergehende mit weniger als drei Zeilen endet. Dann folgen drei Leerzeilen und das neue Kapitel beginnt auf der selben Seite. Die Kapitelnummerierung wir zentriert gesetzt. Der erste Buchstabe eines Kapitels kann hervorheben werden, muss aber nicht. Die Kapitelzahl drei Punkte größer als den übrigen Text.

Beispiel:

...Glas splitterte, Schotter neben der Straße wurde aufgewühlt. Eine Fontäne Wasser spritzte hoch auf, als der Wagen vornüber in den reißenden Fluss stürzte. Nur wenige Augenblicke hielt sich das Fahrzeug über der Wasseroberfläche, ehe es mit der Motorhaube voran in den Fluten versank.

 

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Als Anna mit ihrem VW Polo vor dem Kosmetikladen vorfuhr, wurde sie bereits ungeduldig von ihrer Zwillingsschwester erwartet. Sie hatte über Handy eine kolossale Neuigkeit angekündigt, die sie ihr aber unbedingt persönlich erzählen wollte.
Anna und Maria lebten noch nicht lange in dieser Gegend. Sie waren vor einem knappen Jahr in diesem Kaff - wie sie es immer bezeichneten - hängen geblieben, da in dem Stahlwerk im Nachbarort für kurze Zeit Arbeiterinnen gesucht wurden. Ihr...

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Wörtliche Rede

Schreibregeln bei wörtlicher Rede.
Auch hier gilt: früher wurde es anders gehandhabt, heute macht man es folgender Maßen:
Er rief: „Halt!” (mit Ausrufezeichen).
„Halt”, rief er. Ohne Ausrufezeichen.
„Das hast du getan?”, fragte sie. Früher: „Das hast du getan?” fragte sie.
Doppelpunkte im Dialog werden durch drei aufeinander folgende Punkte ersetzt. Er sagte: „Lass es.” (mit Doppelpunkt). „Ich sagte... lass es.” (ohne Doppelpunkt). Die drei Punkte signalisieren eine Pause im Dialog, so die Weltbildautorenschule. Man kann damit auch sehr schön einen unterbrochenen Redefluss andeuten, sogar stottern. Wenn jemand nicht die richtigen Worte findet. „Du hast was? Sag mal... ich meine... verstehe ich das jetzt richtig? Du hast... das kann doch nicht wahr sein... ich glaub es einfach nicht... mir fehlen die Worte.”
Hier fehlen jemand die Worte und ich glaube, auch ohne diesen erklärenden Satz kann man es nachvollziehen.
„Klar war das Scheiße, was ich gemacht habe... ich meine... ich weiß ja selber nicht... wie soll ich dir das erklären? Ich dachte halt... mein Gott ich glaub ich habe gar nicht gedacht... in diesem Moment, meine ich. Weißt du was ich meine... ich meine verstehst du mich?” Wichtig ist, nach diesen Punkten klein weiter zu schreiben, denn der Satz ist nicht beendet. Der Sprecher stockt nur mitten im Satz. Er macht eine kurze Pause.
Unsicherheit: wenn jemand unsicher ist, leidet oft die Sprach darunter. Wie kann man das umschreiben? „Hast du das endlich begriffen, du Rindvieh?”, schrie er mich an. „J-ja”, konnte ich nur antworten.
Wie bringe ich Betonungen rüber? Das kann unter Umständen sehr schwer sein. Kursivschrift bietet sich hier an. „Was ausgerechnet du musst das sagen?” Die Betonung liegt auf du (kursiv). „Meinst du nicht, dass ich das viel besser könnte?” Betonung auf ich.
Nehmen wir mal nachfolgenden Satz:
„Was du gehst in das Kino?” Was sagt er uns? Nicht viel! Setzen wir jetzt das du kursiv, liegt die Betonung auf du, was heißen kann: ausgerechnet du gehst in das Kino. Betonen wir gehst, dann könnte man vermuten, dass er nie geht, sondern immer nur fährt. Betonen wir Kino, dann könnten wir vermuten, dass irgend was mit dem Kino nicht stimmt. Ein und der selbe Satz, drei verschiedene Betonungen, drei verschiedene Inhalte.
„Was du gehst in das Kino?”
„Was du gehst in das Kino?”
„Was du gehst in das Kino?”
Gedanken werden weder kursiv geschrieben noch in einfachen Anführungszeichen, wie es früher üblich war. Ganz normal weiterschreiben. Beispiel: Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht, dachte er.

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Exposee

Oft werde ich gefragt, wie ein Exposee auszusehen hat. Gelegentlich findet sich dies Frage auch auf diversen Foren im Internet wieder. Ich möchte für Interessierte hier mal die Anforderungen an einem Exposee aufführen.

Was ist ein Exposee?

Exposé [das; lateinisch, französisch], kurzer Bericht, Darlegung, Denkschrift; zusammengedrängter, präziser Handlungsaufriß einer Filmidee (Buch), Vorstufe zum Treatment. © 1999 Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Gütersloh

Hier sehen wir schon, dass es zwei Schreibweisen gibt, Exposé und Exposee. Mit dem Exposee bieten wir also unserem Verlag unser Manuskript an. Um es gleich vorweg zu nehmen: es gibt kein Patentrezept für ein gutes Exposee, denn jeder Verlag möchte es anders haben. Die einfachste und beste Methode ist, man ruft beim Verlag an und fragt, wie sie das Exposee haben wollen. Bevor die ein „falsches” Exposee auf dem Tisch bekommen, geben die gerne Auskunft. Und wenn man den Vörzimmerlöwen schon mal an der Strippe hat, dann kann man auch gleich weiter fragen, wer für mein Manuskript (Thema) zuständig ist. Es macht sich immer besser, wenn man den Lektor mit Namen anspricht und nicht mit: Sehr geehrte Damen und Herren.
Ich erstelle also mit den so erhaltenen Daten mein ganz persönliches Exposee, tüte es ein und schicke es ab. Nicht vergessen: das Rückporto!

Nun soll es ja Leute geben, die es nicht drauf haben, einfach anzurufen (die gib's tatsächlich!). Nunja, die können jetzt hier weiter lesen.

Immer eine Standartschrift verwenden wie Time New Roman oder Arial, 11 Punkte groß, 1,3-facher Zeilenabstand. Alle Seiten nummerieren, in der Kopfzeile gehört der Arbeitstitel und die (eigene) vollständige Adresse. In einem Verlag kann schon mal was abhanden kommen und wenn ein Lektor so etwas auf den Tisch bekommt und in Jubel ausbricht, weil es DAS Manuskript ist, dann aber die Adresse nicht zu finden ist, na dann gute Nacht und kein Bett.

Wir beginnen mit dem Verlagsschreiben:

In diesem Schreiben teilt man dem Verlag mit, was man überhaupt von ihm möchte. Natürlich wahre ich alle Formen, das beginnt mit dem Briefkopf, der so aussehen könnte:

 

Peter Ternes
Waldstraße 5a
18375 Ostseebad Prerow
Tel.: 038233 4X8
Tel.& Fax: 038233 69X06
Handy 0160 825 6X 84
eMail: peter.ternes@web.de  

 

Namenlos-Verlag GmbH
Fuchsberg 7
17895 Stadtsowiso                                                                                                            Ostseebad Prerow,  Datum

Exposee

Sehr geehrter Herr Mustermann,...

Ich möchte Ihnen mein Manuskript anbieten. Es folgt der Klappentext, das ist der Text, der später auf der Rückseite des Buches stehen könnte. Beispiel: Ein Computerspezialist rettet einen millionenschweren Industriegiganten vor dem sicheren Unfalltod. Zum Dank dafür wird er zu einem Segeltörn in die Südsee eingeladen. Voller Euphorie brechen sie auf. Ein fataler Fehler, wie sich bald darauf herausstellt, denn das moderne Piratentum lässt nicht lange auf sich warten. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf um Leben und Tod.

Kurzbeschreibung: die Kurzbeschreibung gibt im Telegrammstil den kompletten Inhalt wieder, sollte ein bis zwei Seiten lang sein und ist der wichtigste Teil des gesamten Exposees. An Hand dieser Kurzbeschreibung entscheidet der Lektor, ob er sich die Leseprobe überhaupt ansieht. Ist die Kurzbeschreibung holperig geschrieben oder befinden sich gar Rechtschreib- und Grammatikfehler drin, war alle Arbeit für die Katz.

Leseprobe:
Die Leseprobe kann zwischen 30 und 50 Seiten lang sein. Manche wollen sie am Stück, andere wiederum als Ausriss.

Kurzvita:
Eine Vita ist quasi ein Lebenslauf in Sachen Schreiberei. Der Verlag möchte wissen, wie man zum Schreiben gekommen ist, ob man Vorbildung hat (ggf. Studium) oder Autorenschule und der gleichen mehr, eine Seite.

Die einzelnen Blätter nicht binden oder klammern.

Und schon haben wir unser persönliches Exposee zusammen. Wichtig ist, dass, wenn man eine Antwort haben möchte, das Rückporto mit reingelegt wird. Und dann heißt es warten, in der Regel 6-8 Wochen, aber es gibt auch Ausnahmen.

Ein Wort zur Fehlerquote: Dürfen Fehler enthalten sein? Jein. Das Exposee sollte unbedingt fehlerfrei sein. Das Manuskript? Ein fehlerfreies Manuskript gibt es nicht, so mein Verleger. Man stelle sich vor: einen einseitigen Brief bekommt man fehlerfrei hin, bei 10 Seiten können sich schon mal der eine oder andere Fehler einschleichen, bei einem über hundertseitigen Manuskript sind mit Sicherheit Fehler drin. Es gibt eine Richtlinie 0,3-0,5% wären normal, das sind bei einem Manuskript von ca 100 Seiten mit ca 58000 Wörtern ca 170-290 Fehler. Wimmelt ein Manuskript von Fehlern, ist die Gefahr der Ablehnung sehr groß. Denn ein Lektor wird nach Seitenzahl bezahlt und wenn er sehr viele Fehler korrigieren muss, verdient er weniger. Weiß ich als Autor, dass ich mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß stehe, bin ich gut beraten, dass ich mein Exposee erst korrigieren lasse, bevor ich es wegschicke.    

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Sex

Sollte man in seinen Romanen Sex einbinden? Wie sieht es mit Sexszenen aus? Eine Leserin sagte einmal zu mir, das in all meinen Romanen eine gehörige Portion Sexappeal vorhanden ist und das sie dadurch unverwechselbar werden. Sie fand es gut und sagte weiter, dass die Sexszenen nicht aufdringlich wirken. Sex gehört zum Leben dazu, wie alle anderen Bedürfnisse auch. Und warum, bitte schön, sollen wir dann nicht darüber berichten? Wir lassen unsere Helden leiden, glücklich sein, lassen sie schlafen, wachen, essen usw. Warum tun sich einige Autoren dann mit Sex so schwer? Ich kenne einen Autor, der erotische Literatur schreibt und auf der anderen Seite utopische. Er sagte zu mir, dass er in seinen utopischen Werken den Sex ganz bewusst weglässt (ohne Begründung). Nun ist es so, dass Leute vor 400 Jahren Sex hatten, dass sie ihn jetzt haben und dass sie ihn auch in 400 Jahren haben werden. Kann ja nur logisch sein, denn der Sex dient ja auch der Fortpflanzung. Da frage ich mich, warum jener Autor in seinen utopischen Büchern den Sex weglässt?

Ich kann es mir einfach machen, indem ich Sex in meinem Manuskript völlig ignoriere. Wenn ein Autor das so meint, bitte. Wie geht aber nun ein Autor an die Sache, der den Sex seiner Protagonisten schildern möchte? Und hier bekommt jener Satz meiner Leserin zur Geltung. Sex sollte nicht aufdringlich wirken! Das Gegenteil von aufdringlich ist Zurückhaltung. Er kann es nur andeuten, der Leser weiß dann schon, was Sache ist. Er kann es aber auch ausführlich schildern. Das Problem dabei ist die Wortwahl. Machen wir uns nichts vor, Sex wird immer noch nicht mit Selbstverständlichkeit behandelt. Man kann es in zahllosen Bücher sehen, die keinerlei Sex beinhalten. Ich möchte hier nicht klären, warum das so ist, nehmen wir es als Gegebenheit hin. Wenn wir uns aber nun daran machen und Sex schildern, sollten wir mit Ästhetik vorgehen und der Verfasser sollte auf keinen Fall ins Pornographische abgleiten, es sei denn, er möchte einen Porno schreiben.

Ich habe einmal einen Liebesroman auf Wunsch der Autorin angelesen und redigiert. Das Liebespaar ging zu Bett und sie schliefen bald darauf ein. Ich sagte zu der Autorin, dass es unglaubwürdig klinge. Sie antwortete mir, dass sie gar keine Liebesszenen eingeflochten hat, dass ich aber bereits der zweite wäre, dem es auffiel. Ich bin der Meinung, wenn bei einem 450-seitigen Liebesroman keinerlei Sex vorkommt, dann wird der Verfasser unglaubwürdig, und das ist so ziemlich das schlimmste, was ich mir als Autor vorstellen kann, es sei denn wir schreiben über platonische Liebe.

In vielen Fällen reicht schon eine Andeutung aus.

Beispiel:
Der Tag verabschiedete sich mehr und mehr. Der Abend endete so, wie viele Abende zuvor zwischen mir und Katja geendet hatten... Der Leser weiß, dass die beiden Sex hatten, somit reicht diese Andeutung völlig aus.

Ein weiteres Beispiel, etwas länger, aber auch nur angedeutet.
Ohne eine Antwort abzuwarten, zog sie mich in ihr Schlafzimmer.
Wir rissen uns förmlich die Kleider vom Leib und sanken auf ihr breites Bett. Es begann ein Kampf. Ein Kampf, wie ihn nur zwei Liebende kämpfen können. Ein Kampf, bei dem es keinen Verlierer und keinen Sieger gab. Einen Kampf, den wir bis zum süßen Ende ausfochten, bis der Schlaf sich schwer über uns legte.

Und wieder weiß der Leser, was Sache ist, ohne dass auch nur ein konkretes Wort gefallen ist. Wie war es doch gleich mit der direkten und indirekten Charakterisierung, mit direktem und indirektem Dialog? Ist es hier nicht das gleiche? Ich bin ja prinzipiell ein Verfechter des indirekten, was aber nun, wenn wir doch ein bisschen direkter und auch etwas ausführlicher werden wollen?

Ein weiteres Beispiel:
„Wenn du mich auch ein kleines bisschen magst, dann lass es uns tun.”
Und wir taten es, wieder und wieder. Die reinste Leidenschaft ging förmlich mit uns durch. Ein jeder nahm sich, was der andere bereit war zu geben. Mal mit Zärtlichkeit, mal mit Gier. Um uns herum war alles unwichtig geworden. Wir hatten nur uns selbst, und damit mehr als genug. Alle Sorgen wurden unbedeutend klein. Das Gefühl zu geben war bedeutend groß. In zärtlicher Umarmung verschmolzen unsere Körper zu einem. Immer wieder fanden sich unsere Lippen. Es schien, als löste sich die Zeit auf, die Stunden wurden von Minuten überholt, die Sekunden waren die Sieger. Himmel und Erde verschmolzen zu einem und ich meinte ein zartes Glockengeläut zu hören. Es war mit äußerst angenehm, neben diesem Körper anatomischer Perfektion liegen zu dürfen und die Früchte der Wolllust zu ernten.
Wie durch einen Schleier spürte ich die Fingernägel auf meinen Rücken, die mal zärtlich über meine Haut fuhren, um sich gleich darauf in mein Fleisch zu graben. Leises Flüstern löste sich ab mit lauter Atmung und Schreien der Lust.
In einer Zeit der Besinnung richtete ich mich auf und sah im fahlen Mondlicht den nackten Körper neben mir liegen. Schweißperlen glitzerten auf Heikes Haut und sahen aus wie kostbare Juwelen. Ich spielte mit ihren schwarzen Locken, strich liebevoll mit meinem Finger über ihre feuchten Lippen und ließ es zu, dass sie mich zärtlich biss. Mit der Oberseite meiner Hand strich ich ihr vor Verlangen berstend über die Wange um Sekunden später nur die gleiche Prozedur an den Rundungen ihrer Brüste zu wiederholen.
Ein wohliger Schauer überlief mich, als ich die Regungen ihres nackten Körpers wahrnahm. Deutlich spürte ich, wie mir dieses Wesen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war. Ich stützte meinen Kopf auf und strich mit meinem Fingernagel über ihre Arme empor zum Nackenansatz. Willig streckten sich zahllose kleine Härchen mir entgegen. Ich wiederholte die Prozedur und lies meine Finger über ihre Brüste fahren. Mit einem Kuss auf dieselben wollte ich deren Regungen beantworten, als mich Heike unvermittelt wegstieß und sie augenblicklich das Zepter in die Hand nahm. Ich ließ es geschehen, ließ sie machen, wonach ihr der Sinn stand und genoss nur noch. Lieber Gott, lass den Augenblick nicht vergehen, betete ich.
Unsere Hände verkrampften sich ineinander. Hatte sie sich gerade noch aufgebäumt, so hielt sie kurz inne, als ein Beben durch ihren Körper lief. Sekunden später nur sackte sie über mir zusammen, schmiegte sich ganz eng an mich und schlief kurz darauf ein.

Ist das Porno? Mitnichten! Wie sieht es mit Obszönitäten aus? In gewissem Grade durchaus einsetzbar.

Beispiel:
Katja packte mich am Schlafittchen, zog mich zu sich heran und sagte: „Ich bring dich um und vorher schneid ich dir die Eier ab, wenn du dich an eine meiner Freundinnen ranmachst.”
Sie warf ihren Kopf in den Nacken und brach in schallendes Gelächter aus.
„Eier abschneiden”, prustete sie. „Oh Gott, welch obszönes Gerede.”
Sie schmiegte sich ganz eng an mich und flüsterte mir ins Ohr: „Ich sag dir, ich nehm' dich so oft ran, dass dir die Lust auf andere Weiber vergeht und damit fangen wir jetzt gleich an.”
Ich wusste genau, was jetzt folgen würde. Ich traute ihr auch zu, dass sie das Gesagte ohne weiteres wahr machen würde. So recht wusste ich nicht, ob ich mich bedauern, oder ob ich mich darüber freuen sollte.
Sie sprang an mir hoch und schlang ihre Beine um meine Hüften.
„Hü, Pferdchen, ab ins Schlafzimmer.” Wieder schüttelte sie sich förmlich vor Lachen.
Ich hatte Schwierigkeiten, meine Gefühle zu ordnen. Mit Sicherheit würde es Tausende Männer geben, die sich eine sexuell so aktive Frau wünschten. Mir ging es aber manchmal zu weit. Ich kam mir vor wie ein Spielball ihrer erotischen Phantasie. Ich konnte nicht weiter über das Thema nachdenken. In Katja war der männerverschlingende Vamp erwacht. Ihre Lippen und ihre Hände waren überall auf meinen Körper und raubten mir förmlich die Sinne. Sie hatte sich bis auf ein Seidenhemdchen völlig entkleidet. Ich spürte deutlich, wie sich ihre Brustwarzen bei meiner Berührung unter dem dünnen Stoff aufstellten und sich mir entgegenstreckten. Katja schnurrte dabei wie ein kleines Kätzchen und flüsterte wie in Trance: „Mehr... mehr... mehr.”
Jetzt war es an mir. Meine Lippen erkundeten Zoll für Zoll ihren schlanken Körper, wobei sie sich unter mir hin und her wand. Längst hatte sie sich auch ihres letzten Kleidungsstückes entledigt. Ihre schlanken Arme hatte sie um mich geschlungen. Ihre Fingerspitzen gruben sich in meinen Rücken. Ich hob sie empor und zog sie an mich. Unsere Körper verschmolzen buchstäblich zu einem. Wieder und wieder fanden sich unsere Lippen. Hatte ich gerade noch überlegt, wie ich mit ihrer sexuellen Eigenart umgehen sollte, so war ich jetzt hoffnungslos verloren. Ich erlag einem Wesen, welches um ein vielfaches zerbrechlicher war als ich selbst. So vergaß ich alles um mich herum. Zeit und Raum, Vergangenheit und Gegenwart waren verschmolzen. Das Blut rann mir durch die Adern und pochte mit Gewalt an meinen Schläfen, als ich in Katja eindrang. Mit wenigen Beckenstößen versetzten wir uns in die richtige Ekstase, begleitet von heftigem Stöhnen und Keuchen, bis bei uns beiden explosionsartig das Finale eingeläutet wurde. Lange, sehr lange lagen wir eng umschlungen beieinander, bis der Schlaf uns voneinander erlöste.

Jene Katja flüstert ihrem Partner Obszönitäten ins Ohr. Warum nicht? Sind es nicht gerade jene Dinge, deren sich einige Pärchen bedienen und auf die sie richtig abfahren?

Wie sieht es aber nun mit richtiger Pornographie aus?

Der Vollständigkeit halber auch hier ein Beispiel:
Wie sah nun die Befriedigung meiner Bedürfnisse aus? Ich war erschrocken, als ich mir diese Frage stellte, denn ich wusste keine spontane Antwort zu geben. Ich, die bereits fünf Schwänze auf einmal gehabt hatte, die gleichermaßen mit Frauen und Männern schlief, deren Liebhaber zum Teil älter waren als ihr eigener Vater, wusste keine spontane Antwort zu geben. Ich musste doch tatsächlich erst einmal nachdenken. Lange brauchte ich aber dennoch nicht. Mir wurde sehr schnell bewusst, dass an erster Stelle die Lust steht. Was heißen soll, das man Lust auf eine heiße Nummer hat. Ist das nicht der Fall, bedarf es einen Auslöser, der einem diese Lust beschert. Ich glaube in der Chemie nennt man das Katalysator. Aber wie auch immer, am Anfang steht die Lust. Jenes Kribbeln unter der Bauchdecke, dass sich gleichmäßig ausbreitet und irgendwie immer den richtigen Weg findet. Den Weg in die Möse, wo das Kribbeln das bereits viel zitierte Bächlein der Lust sprießen ließ. Und währenddessen konnte man sich ja schon miteinander beschäftigen, in dem man Küsse austauschte, sich befummelte oder sonst was trieb. Bevor es dann zum eigentlichen Akt kam, konnte man ja auch reichlich Gebrauch von seinen Händen machen. Zu einer guten Nummer gehörte bei mir auch der orale Einsatz. Man konnte seinem Partner einen blasen oder man konnte einfach nur daliegen, sich mit der Zunge verwöhnen lassen und dem ersten Orgasmus herbei fiebern. Wozu hatten sie zehn Finger? Zehn Finger und eine Zunge! Und während ich so drüber nachdachte, fiel der Groschen. ...den ersten Orgasmus herbei sehnte... Das war es, das war der kleine Unterschied. Wenn Pietsch abgespritzt hatte, war der Sex für ihn beendet. Er war gekommen. Fertig, Ende der Durchsage. Mir reichte das bei weitem nicht. Drei Orgasmen, so langsam nacheinander und dann weitere drei am Stück, das war das Maß der Dinge. Auf einmal wusste ich es, was guten Sex ausmachte. Lust, Fummelei, oralen Einsatz, gefolgt von gutem Sex, der mir meine so viel geliebten Orgasmen bescherte.
Warum war das für die jungen Hüpfer nur so schwer zu verstehen? Fortan langweilten mich jüngere Männer sehr.

Natürlich gibt es auch in der Pornographie Steigerungen und ich habe ganz bewusst eine etwas leichtere Gangart gewählt.

Nachtrag
Es gibt auch Tabus, diese sind in § 184 StGB klar geregelt, welcher Darstellungen unter Strafe stellt, die Sex mit Jugendlichen (unter 18 Jahren), Sodomie und Sex in Verbindung mit Gewalt enthalten. Wobei ich den Paragraphen etwas antiquiert finde, denn Sex unter 18 dürfte heute wohl eher zur Regel gehören.
In Kinder- und Jugendbücher hat Sex natürlich auch nichts zu suchen.

So, liebe Autoren und Zaungäste, wir sind am Ende angelangt und ich hoffe, es hat Euch etwas Spaß bereitet und ihr konntet etwas lernen. Vielleicht seit Ihr jetzt auch in der Lage, Bücher und auch Filme besser zu verstehen. Auf ein Feedback würde ich mich freuen, sei es im Gästebuch oder per Mail. Natürlich darf es auch Kritik sein, wenn sie denn sachlich vorgetragen wird.
Viel Spaß beim weiterem Schreiben oder lesen, wünscht Euch

     Peter Ternes

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