Presse                                                           Chefkoch als Romanautor

Peter Ternes hat bisher vier Bücher geschrieben (Sept. 02)

Prerow. Zwischen Mittags- und Abendessen legt Peter Ternes den Kochlöffel zur Seite und setzt sich an seinen Rechner, um Romane zu schreiben. Der 47-Jährige ist Eigentümer und Chefkoch des Prerower Restaurants „Darßer Leuchtturm” und betätigt sich außerdem als Schriftsteller.

Auf diese Idee ist er 1999 gekommen. Damals las er im Urlaub den Erstlingsroman eines Zahnarztes. „Ich dachte mir: Das versuchst Du auch, mal sehen, ob Du das fertig bringst.” Er setzte sich an seinen Rechner und heraus kam „Das Schicksal wollte es anders”. Ternes bezeichnet es als einen dramatischen Schicksalsroman. „Da ist auch was Autobiographisches drin” Der Held des Werkes flieht aus der ehemaligen DDR in den Westen, kauft dort eine völlig desolate Kneipe und baut sie wieder auf.

Ternes hat nach der Wende eine frühere HO-Kneipe übernommen und zu einem Speiserestaurant ausgebaut. In seinem Roman beschreibt er solche Dinge wie Probleme mit den Banken, berichtet er. „Das kenne ich aus eigene Erfahrung. Es ist sehr lebensnah geschrieben.” Im Gegensatz zu seinem Held lebt Ternes jedoch seit 30 Jahren in Prerow, geboren ist er in Born.

Vier Werke * hat Ternes bisher vollendet. Vom Verkauf will er seine Zukunft als Schriftsteller abhängig machen. „Wenn der Verkauf so viel bringt, dass die Kosten gedeckt werden, schreibe ich weiter. Letztendlich muss was dabei rauskommen.” Zugleich versichert er: „Ich habe nie des Geldes wegen geschrieben.” Am Anfang sei er sehr blauäugig an die Sache heran gegangen. „Ich habe Bücher am Stück produziert und wurde reihenweise von Verlagen abgelehnt. Eine Lektorin sagte mir: Der Schreibstil ist nicht der, der gefragt ist.” Also absolvierte Ternes per Fernstudium eine Autorenschule, die er mit der „Meisterfeder in Bronze, Silber und Gold” abschloss. Mit dem neuen Wissen überarbeitete er seine Bücher und kam außerdem zu der Erkenntnis: „Ich habe zu viel Energie ins Schreiben gelegt und zu wenig ins Marketing.” Fortan suchte er Kontakt zu Verlagen und wurde sich mit dem Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat in Münster einig, der seine Werke heraus gebracht hat.            U.O.

* Vollendet sind mittlerweile 8 Romane, 6 davon veröffentlicht.

Prerower Chefkoch schreibt Romane à la carte
Von Horst Krieg
Prerow (OZ) Die Speisekarte im maritimen Restaurant „Darßer Leuchtturm” in Prerow ist nach der lebhaften Saison etwas abgegriffen. Sie enthält, was man an der Küste erwartet: frischen Fisch und sogar Wild aus dem Darßer Wald. Wer weiter blättert, findet fünf ungewöhnliche Angebote mit reißerischen Titeln: etwa „Last Minute nach Nirgendwo” oder „Eine Hure liebt man nicht”. Das sind Romane, die die Gäste kaufen können wie Speisen und Getränke.
Die Bücher schreibt Chefkoch Peter Ternes selbst. Der 49-jährige Besitzer des Restaurants kam 1999 auf diese Idee. Er hatte im Urlaub den Erstling eines Zahnarztes über die Hansezeit gelesen: „Störtebeckers Gold”. Da sagte er sich: „Wenn das ein Zahnarzt kann, warum nicht auch ein Koch?” Bald erschien sein erster Roman über einen jungen Mann, der aus der DDR in den Westen flieht, eine heruntergekommene Kneipe kauft und wieder aufbaut. Da steckt biografisches drin. Denn auch Ternes hat die HO-Kneipe in Prerow übernommen und mit seiner Frau Hannelore zum Restaurant ausgebaut.
„Mein Hauptberuf ist Gastronom und wird es bleiben”, sagt Ternes. Denn vom Verkauf der Bücher allein könnte er nicht leben. „Plus minus Null, vielleicht ein bisschen Gewinn dabei.” Genaue Zahlen nennt er nicht. Hat er nach fünf Jahren Schreiberei noch Hoffnung, groß rauszukommen? „Nee, eigentlich nicht.”

Trotzdem freut er sich über das Interesse, das „Good-bey-Lenin” Regisseur Wolfgang Becker an seinen ersten Roman zeigte, auch wenn nichts aus den Kontakt wurde. Inzwischen bereitet er das siebte Buch zum Druck vor. Darin geht es um Rufmord. Wie man mit geschickt eingefädelten Intrigen einen unschuldigen Mann zu Fall bringen kann, will er darstellen.
Ternes schreibt schnell. Manchmal braucht er nur drei Monate. Jeden Mittag um 14 Uhr hängt er die Kochmütze an den Haken und setzt sich an den Computer über der Küche. Diese Nachmittagsstunden bis 17:30 Uh, wenn das Abendgeschäft beginnt, sind ihm heilig. Mehr Zeit zum Schreiben hat er in der Nachsaison. Auch zum Lesen, etwa von Ken Follett oder Stephen King. Den hat er in einer Autorenschule studiert, die ihn mit drei Urkunden und Schreibrichtlinien entließ.
Den Abenteuerroman, der dieses Jahr erschien, hat er nach Lehrplan geschrieben: man nehme ein paar interessante Charaktere und stelle sie vor ein Problem. „Und eine Botschaft sollte der Roman haben”, meint er, dann finde er leichter einen Verlag.” Die Charaktere sind in diesem Fall ein paar Segler in der Südsee und das Problem die Piraten, die sie kidnappen. Wenn er da nicht einen Computerspezialisten beigegeben hätte, der früher Kampfschwimmer war, wer weiß, wie es ihnen ergangen wäre. Ach ja, die Botschaft: ergib dich nie deinem Schicksal.
Peter Ternes macht erst einmal Urlaub. Zeit, seine Honda CBR 1100 rauszuholen. Vielleicht fährt er damit nach Weimar, wo der Sohn oberkellnert. Oder besucht seine Tochter, die als Tauchlehrerin auf Malta arbeitet. Schließlich kann er Stoff für neue Abenteuer immer gebrauchen.
November 2004

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