Im Anschluss folgen ein paar interessante Artikel, die ich jeweils für diverse Internetforen geschrieben habe, die  sich mit der Schreiberei beschäftigen und die für angehende Autoren interessant sein dürften. Es werden auch Gastkommentare darunter sein. Wer einen Artikel hier eingestellt wissen möchte, mailt mich einfach an. Natürlich können mich auch alle anderen anmailen, deren Fragen hier nicht beantwortet werde.
Den Anfang macht:

1. Ich schreibe, weil ich Gott sein kann.

2. Für wen schreibe ich?

3. BOD, Segen oder Fluch? Gastbeitrag.

4. Zuschussverlage.

5. Das Layout eines Romans.

6. Interview mit einem Lektor. Gastbeitrag

7. Erzähler und Erzählperspektiven. Gastbeitrag.

8. Wie schreibe ich einen Krimi? Gastbeitrag.

9. Bezahlautoren.

10. Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt. Gastbeitrag

 

Warum schreibe ich? Viele Autoren haben bereits dafür Stellung bezogen, aber, wie mir scheint, einen entscheidenden Aspekt völlig außer acht gelassen. Zwischenzeitlich ist darüber auch viel diskutiert worden, keiner aber hat es aus der Richtung gesehen, aus der ich es sehe. Vielleicht ist es Euch auch nur nicht bewusst. Ich schreibe weil ich Gott spielen kann. Versteht mich jetzt aber nicht falsch, dass ist nur ein Punkt von vielen, dafür aber ein sehr reizvoller! Ich kann also Gott spielen den großen Schöpfer. Wie stelle ich das aber nun im einzelnen an? Ich kann Figuren entstehen lassen (sie werden geboren), ich kann sie sterben lassen, ich kann ihnen eine hässlich Knollennase verpassen oder eine Wesen schaffen, von dem ich lange träumen werde. Ich kann sie glücklich sein oder leiden lassen. Mit mehr oder weniger Intelligenz ausstatten, ihnen viele Millionen geben oder sie unter einer Brücke hausen lassen. Ich kann ihnen wuscheliges widerspenstiges Haar geben, das sie sich gelegentlich versuchen während eines Dialoges hinter die Ohren zu schieben oder aber ich verpasse ihnen eine Glatze und stecke sie in einen abgewetzten Anzug, denn ich bin ja Gott. Zumindest in meiner kleinen Kammer vor dem PC. Ich kann mir meine Heldin so formen, dass die Männer weiche Knie bekommen und die Frauen vor Neid platzen werden. Ich kann meinen fiktionale Charaktere all das geben, was ich gerne hätte, aber nie gehabt habe. Ich kann Blitz und Donner über sie kommen, sie dürsten, weinen oder lachen lassen, all das kann ich machen, denn ich bin ja Gott.
In dem Sinne Euch weiterhin viel Spaß beim Schreiben,

PS
Um es aber einmal klarzustellen, ich glaube nicht an Gott, habe das nie getan und habe es für die Zukunft auch nicht vor. Ich bin da zu sehr Realist. All die Götter, die sich der Mensch im laufe der Zeit erfunden hat, sind doch nur Produkte ihrer Unkenntnis gewesen. Für viele Ereignisse hatten die Menschen damals keine Erklärung und dann mussten irgendwelche unsichtbaren Wesen dafür herhalten, denen man dann Namen gegeben hat. Ich kann mich nicht so recht mit den Gedanken an eine Gottheit oder der Gleichen anfreunden, wenn ich (u.a.) gerade vor einen Rechner sitze, der mit 2,8 Ghz getaktet ist und Millionen Berechnungen pro Sekunde ausführen kann
.

Zurück

Für wen schreibe ich? Diese Frage hat bereits ganze Heerscharen von Autoren erhitzt. Die Beweggründe sind vielschichtig. Jeder hat seinen eigenen Grund, so auch ich. Muss das Schreiben etwas bringen? Ich meine ja. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich mal eine kaufmännische Ausbildung genossen hatte. Dort hat man uns in erster Linie eingetrichtert, dass sich alles rechnen muss. Ich muss hier aber mal sagen, dass ich nie des Geldes wegen geschrieben habe. Am Anfang stand ganz einfach die Idee und die damit verbundene Frage, ob ich es packen kann, ein Romanprojekt von A bis Z zu verwirklichen. Herausgekommen ist ein 400-Seiten starker dramatischer Schicksalsroman, „Das Schicksal wollte es anders”, der bei seinen Lesern sehr gut ankommt. Aber ich wäre nicht Kaufmann gewesen, wenn ich auch hier (und bei allen folgenden Romanprojekten) Buch geführt hätte. Das mit dem Schreiben kein Geld zu verdienen ist, war mir schon klar, ich wollte aber schon wissen wie die Bilanz aussieht. Kommen die anfallenden Kosten rein? Kann man sogar etwas Plus machen? Wie viel Bücher kann man verkaufen? Was ist real, was Wunschdenken? Alles Fragen, auf die ich eine Antwort wollte. Heute weiß ich, dass sich die Kosten durchaus in Grenzen halten können - es sei denn, man gerät an dubiose (Zuschuss) Verlage - und dass man auch Gewinn - wenn auch wenig - einfahren kann. Wenn das aber nicht so ist, stellt sich mir eine weitere Frage: Für wen oder für was schreibe ich eigentlich? Für die Festplatte? Für eine Handvoll Testleser? Ich würde jeden Autor raten, kritisch mit sich und seiner Schreiberei umzugehen. Muss auch er sich die Fragen stellen, sollte man sehr gewissenhaft prüfen, ob es nicht besser ist die Feder aus der Hand zulegen.

Peter T.

Zurück

 

Books on Demand - Segen und Fluch? (Ein sehr guter Beitrag des Gastautors Roland Lange)

Da hast du ein Manuskript vor dir liegen und bist überzeugt, dass es wahnsinnig gut ist. Das finde ich durchaus normal, denn was ist das beste Manuskript wert, wenn sein Verfasser nicht daran glaubt?
Du vervielfältigst also dein Manuskript, tütest die Kopien ein und verschickst sie an vorher sorgfältig ausgewählte Verlage. Hoffnungsfroh wartest du. Die erste Absage erhälst du nach wenigen Tagen, die letzte nach gut einem halben Jahr, wenn überhaupt. Die Begründungen sind stereotyp bis fantasievoll oder sie setzen sich im besten Fall sogar mit deinem Manuskript auseinander. Aber es sind und bleiben Absagen. Immerhin wird dein Werk nicht in der Luft zerrissen, manchmal sogar für gut befunden, aber eben nicht ins Verlagsprogramm passend.
Du bist enttäuscht, denn du hast dein Manuskript ja von verschiedenen Leuten testlesen lassen und weißt, dass es gut ankommt. Nach weiteren erfolglosen Versuchen, einen Verlag zu finden, dieses Mal unter Mithilfe einer Agentur, hast du die Nase voll und willst die Veröffentlichung selbst in die Hand nehmen. Immerhin sind seit Fertigstellung deines Manuskriptes zwei oder drei Jahre vergangen und die Leserschaft hat Anspruch auf dein Werk.
Du bist schlau genug, einen großen Bogen um diverse Druckkosten-Zuschussverlage zu machen, die natürlich Wind von deinem Manuskript bekommen haben, dir ihre Begeisterung darüber kundtun und dir eine Veröffentlichung anbieten. Dann hörst und liest du von Books on Demand. Kein Verlag, sondern ein Dienstleister (wie die Zuschussverlage übrigens auch), der dir anbietet, dein Manuskript als elektronische Datei vorrätig zu halten und auf Anforderung ein Buch davon zu drucken und zu verkaufen. Die Kosten für einen sogenannten Buchmaster, für ISBN-Nummer und Lagerung der Manuskript-Datei sind mit etwa 1000 DM gering, vergleichst du sie mit denen der Zuschussverlage.
Das Konzept von Books on Demand erscheint dir schlüssig, denn auch du weißt, was es heißt, auf unverkauften Buchauflagen sitzen zu bleiben. Auch du weißt, was es bedeutet, wenn das Gegenteil eintrifft und die erste Auflage deines Buches vergriffen sein sollte. Es wird bei BoD weder Bücherberge, noch vergriffene Auflagen geben, denn das ist eben der Clou: dein Buch wird genau in dem Augenblick gedruckt, wenn es bestellt ist und die digitale Vorlage ist außerdem unbegrenzt haltbar.
Du entschließt dich, den Schritt zu wagen und die 1000 DM zu investieren. Genau in diesem Augenblick verlässt du deinen Elfenbeinturm und wirst Computerfreak, Grafiker, Schriftsetzer, Marktforscher, Werbemanger, Verleger und Buchhändler. Den Autor kannst du für die nächste Zeit vergessen.
Computerfreak bist du vielleicht schon vorher gewesen, denn du bist ja auf BoD aufmerksam geworden, hast dir die Geschäftsbedingungen angesehen, weißt, was an Kosten und Verdienst auf dich zukommt. Du hast diese Informationen aus dem Internet bezogen, also weißt du zumindest in diesem Punkt, wie der Hase läuft. Aber, hast du jemals dein Manuskript per Textprogramm so in Form gebracht, dass es den Anforderungen des Buchdrucks im BoD-Verfahren entspricht? Schriftgröße und Seitenumbruch sind dir zwar nicht fremd, doch im Zusammenhang mit den Begriffen pdf-Datei, Postscript-Druckertreiber und Buchblock kommen dir einige Zweifel.
Außerdem sollst du dein Buchcover selbst gestalten. Du kannst es zwar gestalten lassen, aber das geht ins Geld, denn so ein Profi-Designer will auch leben! Also selbst sind Frau und Mann. Immerhin gibt dir BoD Format-Vorgaben, die du einhalten musst. Du machst dich ans Werk und bringst tatsächlich etwas Brauchbares zustande. Mehrere Bücher in deinem Regal standen dir geduldig Modell. Schön sieht das alles aus am Bildschirm und irgendwie bringst du es sogar fertig, den ganzen Krempel in das gewünschte pdf-Format zu konvertieren. Ein Bekannter hat zufällig das entsprechende Programm und war so freundlich... (Du wolltest nämlich nicht noch einmal 500 DM für eben dieses Programm berappen).
Zusammen mit dem Rahmenvertrag sendest du die Dateien, die du schön auf Diskette oder Zip-Disk gebannt oder sogar auf CD gebrannt hast, zurück zu dem BoD-Anbieter deiner Wahl.
Schon bald erreicht dich ein Brief, der den Eingang deiner Dateien bestätigt und das Referenzexemplar deines Buches, so schreibt man dir, sollst du in etwa vier bis sechs Wochen in Händen halten. Dieses Exemplar wirst du laut Brief in zweifacher Ausfertigung erhalten. Eins soll bei dir bleiben, eins sollst du unterschrieben zurückschicken. Das wird dann bedeuten, du hast die Freigabe erteilt und dem Buchdruck und -verkauf wird nichts mehr im Weg stehen.
Nach acht Wochen hast du immer noch keine Post. Nach mehreren Anrufen und einigen E-Mails sagt dir endlich ein kompetenter Mensch, wie es um die Produktion deines Buches steht und verspricht dir Nachricht, sobald der Mastering-Prozess abgeschlossen ist. Statt eines Anrufes oder einer Mail liegen wenige Tage später die Referenzexemplare in der Post. Endlich! Der erste Blick auf dein Buch beweist dir, dass du noch nicht das Zeug zum Grafik-Designer hast. Alles wirkt irgendwie amateurhaft. Am heimischen Bildschirm deines PC sah das alles viel schöner aus. Noch mal nachbessern? fragst du dich. Nochmal die ganze Mastering-Prozedur? Du lässt es bleiben, denn das würde noch einmal mächtig ins Geld gehen. So steht es in den Geschäftsbedingungen. Und ein grob fahrlässiges Verschulden der BoD-Leute kannst du nicht ausmachen. Also schluckst du die Kröte (immerhin ist der Inhalt gut lesbar), gibst mit deiner Unterschrift das Buch frei und sendest es mit dem speziell für dieses Buch geltenden Ergänzungsvertrag zurück. Die Buchproduktion kann beginnen. Bist du bei deinem Entschluss, das Buch als Book on Demand produzieren zu lassen bei Libri gelandet, so hast du jetzt einen kleinen Vorteil. Libri hat ein großes Vertriebsnetz und nimmt dein Buch in seine Obhut. Es wird in Katalogen beworben und kann auch direkt bei Libri gekauft werden. Angeschlossene Buchhändler können es jederzeit ordern. Das ist für dich, den Marketing-Laien ein wirkliches Plus. Dennoch – wer kennt dich schon? Wer kauft einfach nur so ein Buch von Frau X oder Herrn Y? Du wirst nicht darum herumkommen, selbst etwas für dein Buch zu tun. Und dazu gehört sicher erst einmal, dass du eine Kleinauflage deines Buches bei BoD erwirbst. Diese Kleinauflage von mindestens 20 oder 25 Exemplaren wirst du brauchen, um sie als Rezensionsexemplare zu verbreiten und an Freunde und Bekannte zu verschenken (Die wollen nämlich dein Buch geschenkt haben – wegen der Freundschaft!). Und wenn du viel, viel Glück hast, wird sich dein Einsatz eines Tages auch bezahlt machen und du wirst die eine oder andere Mark an deinem Buch verdienen, denn wie gesagt, du hast ein erstklassiges Buch geschrieben!
Sicher hat die Schiene BoD einige Nachteile, wenn man sein Buch veröffentlicht sehen will. So ist mir besonders negativ aufgefallen, dass BoD-Bücher um einige Mark über dem Verkaufspreis vergleichbar hergestellter Bücher liegen müssen, damit man als Autor überhaupt in die Gewinnzone kommt. Auch wird man bei einem Verlag, bei dem man als Autor unterkommt, eine kleine Auflage des eigenen Buches als kostenlose Referenzexemplare erhalten und auch beim Nachkauf bezahlt man weniger, als bei BoD. Sicher taucht irgendwann die Frage auf, warum man letztendlich so viel Geld bezahlen muss (für das Mastering), wo man doch das ganze Buch in alleiniger Regie hergestellt hat und BoD im Grunde kritiklos produziert, was man ihnen liefert – sofern es keine technischen Probleme gibt.
Dennoch – ich stehe zu dem Schritt und würde es vielleicht noch einmal tun, denn ich habe ja jetzt ein wenig Erfahrung und bin nicht dümmer geworden. Und außerdem glaube ich immer noch, dass ein Buch, das von einem Verlag abgelehnt wird, nicht automatisch schlecht ist. Im Gegenteil – ich möchte nicht wissen, wie viele Bestseller den Lektoren schon durch die Lappen gegangen sind, nur weil sie in erster Linie die ökonomischen Gesichtpunkte im Auge hatten (haben mussten). Also, wer das Risiko (und die damit verbundene Arbeit) nicht scheut, sollte lieber per BoD ein Buch veröffentlichen, als das Manuskript in der Schublade verschimmeln zu lassen.
Ein kleiner Wermutstropfen vielleicht – jemand, der noch nie etwas von seiner Schreibe veröffentlicht hat, egal, wo auch immer, dem möchte ich empfehlen, erst einmal in die Szene hineinzuriechen, vielleicht eine Kurzgeschichte in der Heimatzeitung abdrucken lassen, oder die vielen Schreibwerkstätten im Internet besuchen, denn ich befürchte, ein gänzlich unbekannter Name wird es schwer haben, aus dem Stand ein Buch zu landen, das auch tatsächlich zur Kenntnis genommen wird. Zumindest sollte man vor einer Veröffentlichung genau wissen, für welche Lesergruppe man sein Buch geschrieben hat. Diese Gruppe dann gezielt zu bewerben ist die halbe Miete. Verwandte und Bekannte reichen jedenfalls bei Weitem nicht, um ein Buch zum Erfolg zu führen. Trotzdem – wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Roland Lange

Zurück

 

Zuschussverlage

Viele kennen sie und meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Aber es gibt immer noch Autoren, die auf sie reinfallen. Warum ist das so? Es beginnt damit, dass wir lange Zeit über ein Thema brüten, bis wir uns endlich dazu durchgerungen haben es aufzuschreiben. Dieser Prozess dauert mehrere Monate oder länger. Es steckt eine ganze Menge Arbeit drin, aber irgendwann ist es fertig, unser Manuskript. Testleser bescheinigen uns, dass wir ganze Arbeit geleistet haben und dass wir es doch unbedingt drucken lassen sollen. Voller Euphorie tüten wir unser Exposee ein und schicken es an mehrere gut ausgesuchte Verlage. Irgendwann kommt auch die letzte Absage in Form eines nichtssagendem Formschreiben zurück. Enttäuschung ist das Mindeste, was sich breit macht. Was tun? Soll denn nun alles umsonst gewesen sein? Es muss doch einen Verlag geben, der unser Manuskript haben will, der Autoren sucht. Und plötzlich kommt uns eine Idee: Suchmaschine gestartet und als Suchbegriff >Autoren gesucht< eingegeben und siehe da, es gibt eine ganze Menge Verlage, die auf Autorensuche sind. Wieder das Manuskript eingetütet und schon nach wenigen Tagen oder Wochen kommt die erste freundliche Antwort. Na also, da haben wir es doch, haben es ohnehin gewusst. Das Manuskript sei gut und man freue sich auf eine rege Zusammenarbeit. Wer sagt's denn? Wenig später kommt ein Vertragsentwurf ins Haus und wir bekommen damit einen ersten Dämpfer. Der Verlag sieht sich aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, das Projekt allein durchzuziehen, der Autor müsse sich mit einem Zuschuss beteiligen. Die Höhe des Zuschusses lässt einem beinahe das Atmen vergessen. Die Rede ist von mehreren Tausend Euro. Im nächsten Punkt folgen dann drei Pfund Honig, die der Verlag dem Autor ums Maul schmiert. Das Buch sei gut und das Geld solle man nur als Investition ansehen. Wenn erst mal der Verkauf angelaufen ist, ist das Geld bald wieder drin. Das klingt logisch, also plündern wir unser Konto und überweisen das Geld. Bald darauf halten wir stolz unser erstes Buch in Händen und bald darauf erfolgt eine weitere Ernüchterung. Wider allen Erwartens läuft der Verkauf schleppend bis gar nicht. Die Zahl der Bücher, die man selbst an den Leser bringt, ist nicht der Rede wert und der Verlag? Wir erfahren, dass man gerade eine Handvoll Exemplare verkauft wurden. Aber es kommt noch schlimmer: eines Tages meldet sich der Verlag und erklärt, dass die Lagerung der Bücher ins Geld geht. Die Rechnung leitet er umgehend an den Autor weiter, die dieser - so stehe es ja auch schließlich im Vertrag - bezahlen muss. Aber noch nicht genug: Monate später kündigt der Verlag die Verramschung der Bücher an, weil man sich nicht länger mit dem Plunder rumärgern möchte. Da der Autor das auf Teufel komm raus verhindern will, kauft er den Restbestand seiner Bücher auf. 25.000 DM hat er damit in sein hoffnungsvolles Projekt investiert und nur einen relativ kleinen Betrag zurückbekommen. Das ist ein reales Beispiel! Woran hat es gelegen, dass der Verlag das Buch nicht verkaufen konnte? Wozu? Der Autor hat doch die Kosten, die der Verlag haben wollte bezahlt, warum sich noch weiter damit abmühen? Die paar verkauften Exemplare waren purer Zufall.
Es kann nur einen einheitlichen Tenor geben: Hände weg von Zuschussverlagen!!!
Es soll sie aber dennoch geben, die seriösen Zuschussverlage! Ach, tatsächlich? Machen wir mal folgende reale Rechnung auf. Der Verlag möchte eine Tausender Auflage rausbringen, zum Verkaufspreis von 16,80. Der Autor bekommt 10%, also 1,68 pro Buch. Macht mal 1.000 gleich 1.680,- DM, die er einnehmen kann. Der Zuschuss, den er zahlen sollte lag bei stolzen 7.000 DM + MwSt (damals noch 14%) = 7.980,- DM. Nach Abzug der Steuer bleiben ihn aber vom Verkauf der Bücher nur ca 550 DM übrig. Und somit dürfte ein seriöser Zuschuss maximal 500 DM kosten, damit er auch noch etwas übrig hat. Höchstens aber nur 1.680,- aber nie und nimmer 7.980,- DM.
Was bleibt uns also? BOD? Siehe oben!
Der vollständigkeithalber: bei Vertragsabschluss erhält der Autor Geld und wird pro verkauftes Buch beteiligt. Das Lektorat übernimmt der Verlag und selbstverständlich auch die Kosten dafür. Selbst kauft er seine Bücher mit Rabatt ein (ca 40%). So ist es seriös, so muss es sein! Sobald ein Verlag von Euch Geld haben möchte, ist Vorsicht angebracht. Lieber verzichten, das stelltr auf jeden Fall die preiswerteste Variante dar.

Peter T.

Zurück

 

Das Layout eines Romans.

Eine leichte Sache? Mitnichten! Wie gehe ich vor, wenn ich meine Buchumschläge selbst gestalten möchte. Zum ersten brauche ich mal die nötige Ausstattung, wie ein gängiges Grafikprogramm und wenn es geht, einen Scanner. Den brauchen wir nämlich, wenn wir ein Motiv einfangen wollen, was ggf. nur als Foto vorliegt.
Bevor ich jetzt loslege, möchte ich etwas über Urheberrechte sagen. Ich kann nicht einfach ein Bild aus der Presse verwenden, auch wenn es noch so gut geeignet scheint. Ich muss den Urheber um Erlaubnis fragen, die dieser in der Regel verkauft. Das aber verbietet sich (bei mir) aber von selbst. Dann könnte ich mein Cover gleich gestalten lassen, das wird u.U. noch preiswerter. In diversen Fotozeitschriften gibt es immer CDs mit hunderten freien Fotos, zu allen Themen, die man kostenlos verwenden darf. Natürlich kann ich auch selbst fotografieren. Wir suchen uns also ein Bild aus, was zum Thema des Buches passt. Mein derzeitiges Projekt hat den vorläufigen Arbeitstitel „In letzter Sekunde”. Was liegt da näher als die Abbildung einer Uhr zu nehmen. Auf oben beschriebenen CD wurde ich fündig.
Und schon hatte ich ein Motiv. Wichtig ist die Auflösung. Gängige Grafikprogramme bieten standardmäßig eine niedrige Auflösung an, die für unsere Zwecke nicht ausreicht. Die Auflösung sollte auf eine dreistellige Zahl, wobei die erste ein 1 ist, eingestellt werden. z.B. 118 Pixel/cm ergibt 300 dpi. Der Umschlag wird als Endformat angelegt, das heißt: Rückdeckel, Rücken und Frontdeckel. Beispiel: mein Buch soll die Standardmaße von 19x12,3 cm haben und hat 200 Buchseiten. Die Stärke des Rückens beträgt dabei 1,2 cm. Unsere Maße lauten: 12,3+1,2+12,3x19. Das Buch wird nach der Bindung beschnitten, dass heißt, dass wir mindestens 5 mm zu den Maßen dazu addieren müssen und somit kommen wir auf 12,8+1,2+12,8x19,5. Die ersten drei Zahlen addieren und dann unter Datei, neues Dokument die Maße 26,8x19,5 einstellen und mit Enter bestätigen. Wir erhalten ein Weißes Blatt mit den eingestellten Abmessungen. Jetzt die Auflösung wie oben beschrieben verändern, anschließend das Blatt mit einer Hintergrundfarbe füllen. Wir haben jetzt ein mit unserer Farbe oder Füllmuster gefülltes Blatt. Jetzt haben wir bereits die halbe Miete drin, der Rest ist relativ einfach. Ich kopiere das Bild mit der Uhr auf die rechte Seit im oberen drittel rein. Darunter schreibe ich meinen Namen, das Wort Roman und den Titel, wo bei die Schriftgröße variieren sollte. Beispiel: mein Name 12 Pkt, Roman etwas kleiner, den Titel etwas größer und ggf. fett. Natürlich kann die Uhr auch im unteren drittel sein und die Schrift dadrüber. Beim Buchrücken ist zu beachten, dass ich zum Rand des Rückens 3 mm Platz lasse, da sich der Umschlag aus bindetechnischen Gründen verschieben kann. Unser Rücken war 1,2 cm stark Minus 2x3 mm ergibt eine maximale Schrifthöhe von 6 mm. Wir schreiben also: den Namen des Autors, lassen mehrere Leerzeichen folgen, dann den Titel, drehen das ganze um 90° und fügen es auf den Rücken ein., so, dass man von rechts aus lesen kann. Die Gestaltung des Rückdeckels ist ähnlich. Man kann ein Bild einfügen, muss aber nicht. Wichtig ist der Klappentext, über den kauft der potentielle Käufer das Buch. Er sollte nicht zu viel verraten, aber neugierig auf mehr machen. Den Preis und den Barcode fügt die Druckerei ein, das fertige Cover könnte so aussehen:

Für obiges Projekt hatte ich drei Entwürfe gemacht. Kurz etwas zum Inhalt. Eine Frau bringt einen völlig unschuldigen Mann zu Fall. Schnell wurde ich auf jener CD fündig, das Bild zeigt einen Kopf, der auf der Straße liegt und eine Hand dazu, auf der eine Frau sitzt. passt doch bestens.

Es ist mir bei diesem Beispiel aber ein Fehler unterlaufen. ich habe den Buchrücken eingefärbt. verschiebt sich jetzt der Rücken, wie oben beschrieben, habe ich die Farbe entweder mit auf der Rück- oder Vorderseite.

Es folgt ein weiteres Beispiel, das mal ganz anders aussieht:

Wie man sieht, gibt es viele Möglichkeiten. wenn man mal ein paar Bücher genauer betrachtet, tun sich bestimmt noch mehrere Möglichkeiten auf. einfach mal drauflos probieren. Kaputt machen kann man dabei nichts. Viel Spaß dabei, wünscht

Peter T.
Anmerkung: Das Buch soll im Herbst 2005 erscheinen. Den Titel gibt es aber bereits. Dadurch wird keines diese Cover verwendet werden. Stand: 7/05. Vorläufiger neuer Arbeitstitel: “Das Schicksal des Georg K.”

 

Zurück

"Ich weiß, wie's auf keinen Fall geht" Interview mit einem Lektor (Fremdbeitrag, H.P. Röntgen.)

Frage: Matthias Bischoff, Sie sind Lektor bei Eichborn. Wie kommt Eichborn eigentlich an neue Autoren? Durch unverlangt eingesandte Manuskripte? Durch Empfehlungen anderer Autoren? Gehen Sie die Listen der Literaturpreise durch?

Antwort: Zu einem sehr geringen Prozentsatz durch unverlangt eingesandte Manuskripte, vielleicht 1 von 200. Größtenteils durch Empfehlungen, Agenten, Anfragen bei Zeitungen, Fernsehen o. Ä.

Frage: Was sollte ein Autor tun, bevor er überhaupt Texte an Verlage schickt? Wie kann er feststellen, ob der Text veröffentlichungsreif ist?

Antwort: Das bleibt seinem literarischen Gespür überlassen. Bevor ein Autor was losschickt, sollte er sich aber unbedingt über das Profil der Verlage informieren. Dazu reicht es, in eine Buchhandlung zu gehen. Noch besser: Einfach die Internetseiten der Verlage ansehen.

Frage: Macht es Sinn, in einem Verlag erst einmal anzurufen, um festzustellen, ob überhaupt Interesse für einen Text besteht und an wen man den Text senden soll?

Antwort: Wenn man sich vorher schon umgetan hat, muss man nicht auch noch anrufen. In Sonderfällen kann das aber trotzdem sinnvoll sein. Bloß: Nie dem Lektor weitschweifig irgendwelche Inhalte erzählen, das geht meistens nach hinten los.

Frage: Was ist der häufigste Ablehnungsgrund für Texte, von formalen Fehlern (passt nicht in den Verlag etc.) mal abgesehen?

Antwort: Aber eben dies ist doch der häufigste Fehler!!! Das ist nicht einfach bloß ein Formfehler. Wir machen ca. 200 Bücher pro Jahr (davon ca. 30 Romane), bekommen aber tausende Vorschläge. 90 % davon passen schlichtweg nicht zum Verlag. Aber ich will ehrlich sein: Was natürlich eine Rolle spielt, ist auch die sprachliche Form. Wenn schon im Anschreiben Orthographie und Kommata locker gehandhabt werden, dazu noch Stilblüten wuchern, was kann ich dann vom Text erwarten? Meist lese ich ein paar Seiten und sehe meine schlimmsten Erwartungen bestätigt: Keine Sprache, nur Schulaufsatzniveau, peinliche Patzer in jedem zweiten Satz. Weg damit!

Frage: Wie sollten eingesandte Texte aussehen? Mit komplettem Manuskript? Oder nur die ersten zehn Seiten? Mit oder ohne Exposé?

Antwort: Wer 1 000 Seiten geschrieben hat (in 99% der Fälle sind das ca. 700 unnötige Seiten), sollte vielleicht lieber erst mal nur ein Stück nebst Exposé schicken. Aber wer nur einen 200- bis 300-Seiten-Roman anpreist, der kann gleich alles schicken. Mir zumindest. Exposé ist immer gut, zwei Seiten reichen, noch detailliertere Inhaltsangaben treiben mich in den Wahnsinn - der Text ist's schließlich, der zählt!

Frage: Was soll eigentlich in einem Exposé drinstehen, was können oder wollen Sie einem Exposé zu einem Text entnehmen?

Antwort: Inhalt. Genre. Vielleicht Zielgruppe. Etwas über den Autor und seine Vorgeschichte.

Frage: Ich kenne Texte, da habe ich das Gefühl, der Autor weicht konsequent der Geschichte aus, schlägt überall Haken, wo es interessant wird. Ich kenne das auch von eigenen Texten. Andreas Eschbach hat es mal "die Angst des Autors vor dem eigenen Stoff" genannt. Kommt das bei den Texten, die auf Ihrem Schreibtisch landen, auch vor? Woran kann der Autor diese Falle erkennen, was könnte er Ihrer Meinung nach dagegen tun?

Antwort: In der Regel stehen sich Autoren bei der schonungslosen Selbsterkenntnis im Weg. Vielleicht muss das so sein, um die ungeheuerlichen Strapazen des Schreibens über vielleicht Monate, ja Jahre zu ertragen. Außerdem gibt es ja leider keine Wahrheit. Vielleicht kann ein Autor nicht anders erzählen, und vielleicht muss er so erzählen. Ob andere das dann auch lesen wollen, steht auf einem anderen Blatt. Bloß: Ich habe zu entscheiden, was sich - meiner Einschätzung nach - verkauft. Und da ist es wirklich so, dass ich allergisch auf allzu viele Schnörkel und Erzählverhinderungsgesten reagiere. Ich deute das in der Regel bloß an, sage, dass zu viel "behauptet, nicht erzählt" ist. Dagegen kann man dann als Autor nur eins tun: Erzählen, Geschichten spinnen, Figuren leben lassen, Charaktere entwickeln. Wie das geht, weiß ich auch nicht - sonst wäre ich ja selbst Autor. Aber: Ich weiß, wie's auf keinen Fall geht, und da schreite ich ein!

Frage: Wenn ein Text angenommen wird, wie viel Arbeit steht dann für Autor und Lektor noch ins Haus? Oder nehmen Sie nur Texte, die so, wie sie sind, in Druck gehen können?

Antwort: Ich habe selten bis nie erlebt, dass ein Text so in Druck geht, wie er geschrieben wurde. Die Arbeit ist unterschiedlich, lässt sich schwer beziffern. Es gibt sicher Texte, bei denen der Lektor nur noch eine Art Schlussredaktion macht - Textveränderung 1%. Aber auch solche, wo man eine dritte, vierte Fassung bekommt und immer noch nicht zufrieden ist und schließlich selbst Hand anlegt - Textveränderung 50%. Das Gros liegt irgendwo dazwischen.

Frage: Gibt es so was wie Qualitätssiegel, das einen Text für einen Lektor so interessant macht, dass er das Manuskript auf jeden Fall genauer prüft? Literaturagenten, Empfehlungen bereits veröffentlichter Autoren, Literaturpreise, wie gehen Sie damit um?

Antwort: Für mich persönlich nicht. Natürlich gibt es Agenten, bei denen weiß man, dass man nie unter einem bestimmten Niveau bedient wird, aber nichts ersetzt die eigene Lektüre. Ich lese, bin gelangweilt, gefesselt, genervt - das ist's und im Endeffekt nichts sonst!

Frage: Wer gerne Fußball spielt, fängt vielleicht in der Kreisklasse an, besucht Trainingslager, spielt irgendwann in der Landesliga und hofft, dass er, wenn er intensiv genug trainiert und genügend Talent hat, einmal in der Bundesliga landen wird. Beim Schreiben gibt es diese Hierarchie nicht, da wollen alle gleich bei Suhrkamp oder Eichborn veröffentlichen. Glauben Sie, in den USA ist dies anders? Gibt es dort wegen der vielen Creative-Writing-Seminare eher die Möglichkeit, durch entsprechendes Training langsam immer besser zu werden?

Antwort: Da bin ich skeptisch, was die so genannte Literatur angeht. Aber gute Unterhaltung, handwerklich sauber gestrickte Romane mit einem überschaubaren Plot - das müsste sich lernen lassen, wenn man ein Minimaltalent an Fabulierkunst und etwas Fleiß mitbringt.

Frage: Bertelsmann hat in München eine Schreibwerkstatt. Sie machen ebenfalls Seminare. Tun Sie das nebenher, oder gehört das zu Ihrem Job? Welche Seminare sind das?

Antwort: Meine Aktivitäten in dieser Richtung sind eher sporadischer Natur ich bin zeitlich gegenwärtig einfach zu sehr eingespannt.

Frage: Glauben Sie, das man durch Schreibworkshops Schreiben lernen oder verbessern kann? Nützen Bücher über das Schreiben, Zweitausendeins hat ja mittlerweile eine ganze Reihe davon?

Antwort: Puuh und tja. Wie ich eben schon sagte: Ein bisschen was geht sicher zu verbessern. Soll aber keiner glauben, dann beim Feuilleton ernst genommen zu werden.

Frage: Eines Nachts wachen Sie auf, eine wunderschöne Fee steht neben Ihrem Bett und sagt: "Lieber Matthias Bischoff, Sie haben sich so tapfer mit Autoren herumgeschlagen, das soll belohnt werden. Sie haben einen Wunsch bezüglich Ihre Autoren frei." Was wünscht Matthias Bi-schoff sich von den Eichborn-Autoren?

Antwort: Neugier. Witz. Genaue Beobachtung. Lust an der Zuspitzung. Lust am Erzählen(!!). Lust an der Gegenwart. Und schließlich eine gewisse Professionalität, was den Buchmarkt angeht. Das Wissen, dass man da mit den Wölfen heulen muss und gewisse Spiele spielen muss, um einen Titel - ungeachtet seiner Qualität - überhaupt über die Wahrnehmungsschwelle zu hieven. Und dazu noch: Demut, Unzickigkeit, unbedingte Liebe zum Lektor, Gehorsam, Unterwürfigkeit.

Zurück

 

Erzähler und Erzählperspektive (Gastbeitrag)

Man muß in der erzählenden Literatur Autor und Erzähler unterscheiden: Der Autor ist eine reale Person, die eine bestimmte Intention hat, vor der Niederschrift eines Textes über Auswahl und Anordnung des Stoffs entscheidet und festlegt, in welcher Weise dieser Stoff erzählt wird.

Der Erzähler ist eine vom Autor erfundene Figur (oft aber auch nur eine anonyme "Erzählinstanz"), die im Text auftritt und den Stoff aus ihrer Perspektive vermittelt und unter Umständen auch eigene Ansichten dazu äußert. Mit "Erzählperspektive" wird der Standort bzw. der Blickwinkel des Erzählers bezeichnet, die Perspektive also, aus der das Geschehen berichtet, beschrieben oder kommentiert wird.

Möglichkeiten der Erzählperspektive (Erzählverhaltens):

Erzähler

in der Er-Erzählung in der Ich-Erzählung

1. auktorial 4a. eher auktorial

2. personal 4b. eher personal

3. neutral

1. Die auktoriale Erzählperspektive (von lat. auctor: Urheber, Berichterstatter): Der Erzähler befindet sich außerhalb der von ihm dargestellten Welt; er hat zum Geschehen selbst eine große Distanz. Er hat einen überlegenden Standort (olympische Perspektive). Er weiß, wie das Geschehen verlaufen wird und warum die Personen so und nicht anders handeln; es wird dem Leser deutlich, daß der Erzähler über wesentlich mehr Informationen verfügt als die handelnden Personen (allwissender Erzähler). Er kann sich in das Geschehen einschalten, indem er auf Zukünftiges vorausweist, Vergangenes oder Gegenwärtiges kommentiert, sich von der Handlungsweise der Figuren distanziert oder eigene Gedanken zum Geschehen beisteuert. Im Extremfall kann der Erzählerkommentar das fiktive Geschehen völlig überwuchern. Manchmal kommuniziert der auktoriale Erzähler mit dem Leser, indem er ihm Erklärungen gibt, ihn zum Nachdenken auffordert und ihn direkt anspricht. Romane und Erzählungen des 18. und 19. Jahrhunderts haben so oft den Charakter eines "Gespräches" mit dem Leser.

2. Die personale Erzählperspektive: Erfolgt die Geschehensdarbietung aus der Perspektive einer der anwesenden Personen aber in der Er-Form könnte man von der personalen Erzählperspektive im engeren Sinne sprechen. Die Perspektive und der Horizont des Erzählers (und damit auch des Lesers) sind auf den Erfahrungsbereich dieser "Perspektivefigur" eingeschränkt.

3. Die neutrale Erzählperspektive: Hier fehlt ein Erzähler als Vermittler zwischen fiktiver Wirklichkeit und Leser, deshalb öffnet sich dem Leser die Illusion, er befände sich auf dem Schauplatz des Geschehens (szenische Darstellung). Wird das Geschehen sachlich neutral dargeboten, d.h. wird auf jede individuelle Optik verzichtet, so spricht man von einer neutralen Erzählperspektive. Hier wird - wie von einer aufgebauten Filmkamera - das Geschehen in Außensicht wiedergegeben.

4. Die Ich-Perspektive: Die Figur, die sich mit "ich" bezeichnet, tritt in der Ich-Erzählung immer in zwei Rollen auf: Einerseits ist sie der Erzähler der Geschichte (das erzählende Ich), andererseits ist sie eine handelnde Person (das erlebende Ich). Grundsätzlich gilt: Der fiktive Erzähler ist hier selbst Teil der dargestellten Wirklichkeit, er erlebt das Geschehen mit. Er weiß also nur, was er durch dieses eigene Erleben, allenfalls durch Einlassungen Dritter erfahren hat. Der Ich-Erzähler hat keinen Einblick in das Innenleben anderer Figuren. Diese subjektiven Beschränkungen vermittelten dem Leser ein Gefühl der Verbundenheit mit dem erzählenden Ich. Man kann dabei aber unterscheiden:

4a. Steht das erzählende Ich in einem deutlichen zeitlichen und geistigen Abstand zu dem erlebenden Ich, dann erzählt es, was es "einst" erlebt, gedacht und gefühlt hat. Es überblickt so einen großen Teil des Geschehens und kann sich (in der Art eines auktorialen Erzählers) kommentierend und erläuternd in die Darstellung des Geschehens einmischen.

4b. Unterscheidet sich das erzählende Ich in Einstellung und Blickwinkel nicht von dem erlebenden Ich (wenn z.B. jemand ein Tagebuch führt, im Briefroman o.ä.), dann hat dieses Ich auch keinen Überblick über das Gesamtgeschehen. Der Ich-Erzähler hat dann weder Distanz zu den Handlungsabläufen noch einen überlegenden, reflektierenden Standort.

Dies sind idealtypische Erzählperspektiven; in der Literatur finden sich aber auktoriale Erzähler, die über weite Strecken neutral-indifferent bleiben und plötzlich kommentierend eingreifen; es gibt den lügenden und den Leser täuschenden Ich-Erzähler; es gibt den scheinbar souverän-allwissenden Erzähler, der - so zeigt sich später - eben nicht Bescheid weiß. Es gibt Wechsel zwischen mehr auktorialen und mehr personalen Passagen.
Zurück

Wie schreibe ich einen Krimi?
Von Thomas Pfanner

Einen Krimi zu schreiben, ist so ziemlich das Undankbarste, was einem im literarischen Betrieb einfallen kann. Andererseits bedeutet es im Erfolgsfall, zu einer kleinen Elite zu gehören. Man gehört dann zu den etwa 280 deutschsprachigen Helden, die einen Krimi veröffentlicht haben.

Theorie - Marktchancen

Da fängt das Problem schon an: nur etwa 15% aller Neuerscheinungen im Bereich Krimi stammen von deutschsprachigen Autoren. Bei den Stückzahlen ist das Verhältnis noch verheerender. Hinzu kommt, dass die Einheimischen überwiegend in Taschenbüchern erscheinen, Grisham und Co aber in fetten Hardcovern. Das liegt an verschiedenen Dingen. Zum einen lesen unsere Mitbürger lieber von schlimmen Dingen, wenn sie weit weg passieren. Deutschland liest gerne von fremden Ländern, exotischen Schauplätzen und ganz bösen Jungs, denen man garantiert nie beim Bäcker begegnet. Zum anderen ist es gerade in unserem Land
recht gefährlich, reale Namen und Orte in schlechtem Licht darzustellen. Wenn man z.B. im Kanzleramt einen Schäferhund mit einer Nivea-Dose zu Tode quält (nur mal als Beispiel, nicht ernst gemeint), hat man das Kanzleramt und den Nivea-Hersteller am Hals und todsicher auch den Tierschutz. Man steht also immer mit einem Bein im Gerichtssaal und sei es wegen unerlaubtem Nutzen von Markennamen. Und selbst wenn die betroffenen Firmen oder Personen nichts unternehmen, bekommt man plötzlich Post von einem Anwalt, der eine kostenpflichtige Abmahnung zustellt. Deutschland ist ein schlechtes Pflaster für blutige
Schauplätze. Und da das auch die Verlage wissen, führen sie eine Art freiwilligen Kniefall durch, indem sie Manuskripte aussieben, die in irgendeiner Form Ärger machen könnten. Das grenzt den Spielraum ziemlich ein, was übrig bleibt, sind die sogenannten Regionalkrimis. Diese Merkwürdigkeit hat sich zwangsläufig entwickelt. Irgendwo müssen ja auch in Deutschland die Krimis spielen. Und da niemand ernsthaft verletzt werden soll (Juristisch gesehen der Verlag und der Autor), wird eben die Gegend zum eigentlichen Event. Ergo geht es nicht mehr um „Mord im katholischen Altenheim“ (Beleidigung religiöser Symbole: 1 Jahr Haft) oder „Das Politessen-Massaker“ (Anstiftung zum ???: 1000 Mark Geldstrafe), sondern um einen „Eifel-Krimi“ oder „Ruhrpott-Thriller“. Eine der wesentlichen Schwierigkeiten beim Krimi ist nicht, ihn zu schreiben, sondern niemandem damit auf die Füsse zu treten.

- Anerkennung

Gibt es nicht. Schreibt jemand einen Roman (was auch immer das im Einzelfall sein mag), sagen alle: Toll. Schreibt einer einen Krimi, sagen alle: Ach so? Na ja, wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das auch mal in den Ferien machen. Der Grund liegt in einer Art Klassenkampf, den die selbst ernannte Elite des Literaturbetriebs gegen die sogenannte „Unterhaltungsliteratur“ führt. Krimis sind für viele dieser Leute (in deren Hand sich ja die Verlage befinden) auf einer Stufe mit Perry Rhodan oder Mickey Maus anzusiedeln, mithin also SCHUND! Auch aus diesem Grund gibt es so wenige Möglichkeiten der Veröffentlichung und so großen Unwillen, deutsche Autoren mit Marketing zu verwöhnen. Ohne Marketing aber nützt der beste Roman nichts.

- Verdienstmöglichkeiten

Schwach. Fast immer Taschenbuch, fast immer 7 bis 10%. Macht im günstigsten Fall 2 Mark pro Buch, bei 2000 bis 3000 Stück Startauflage zu wenig für einen Krimi, für den man ein ganzes Notebook totmacht. Ungefähr 15 bis 20 Menschen schaffen es pro Jahr, erstmals einen
Krimi zu veröffentlichen. Die meisten schaffen es aber nicht, jemals einen zweiten zu schreiben, oder zu veröffentlichen. Vermutlich, weil sie von etwas leben müssen und irgendwann die Motivation, spätestens nach der dritten Scheidung, futsch ist. Vom Krimi-schreiben leben zu wollen bedeutet Obdachlosen-Asyl und Ravioli bis ans Ende aller Tage.

- Hilfe

Im Augenblick leben etwa 280 Krimi-Autoren unter uns, die der deutschen Sprache mächtig sind. Da wir in einem Land leben, in dem das Vereinsleben durch die Verfassung garantiert wird, sind die ebenfalls organisiert. Unter www.das-syndikat.com findet man Hilfe. Aber nur der wird aufgenommen, der auch was veröffentlicht hat. Gott liebt die Erfolgreichen. Ansonsten hilft nur lesen. Wer die Konkurrenz kennt, kennt die Wünsche der Leser.

Praxis

Wie schreibt man eigentlich einen Krimi?

Ganz anders als einen Roman. Bei einem Roman (biographisch oder Problemorientiert) fängt man bei einer Idee und von vorne an. Einen Krimi beginnt man mit dem Ende und der Moral von der Geschicht. Wie das geht? Nehmen wir mal an, sie fangen einen Krimi an und gehen
vor wie bei einem stinknormalen Roman. Also schreiben sie wortgewaltig, wie in einem Altenheim eine Leiche gefunden wird. Mit einer Leiche fangen ja die meisten Krimis an. Ein Kommissar tritt auf, Indizien werden gesammelt und..aha: die Nachtschwester war’s. 26
Seiten und schon am Ende. Sie sind enttäuscht, weil sie offenbar keinen Krimi schreiben können, der über das Format einer Kurzgeschichte hinausgeht. FALSCH!! Sie müssen es richtig anfangen. Zuerst und zu allererst müssen sie festlegen, wie sich die Dinge am ENDE darstellen sollen:
1. wer ist der Mörder? Sie müssen wissen, wer es war. Wenn sie es nicht wissen, wer sonst? Sie müssen es wissen, bevor sie die erste Zeile schreiben. Wissen sie es nicht, sondern erfahren es erst mitten im Roman, dann ist der Arsch ab. Dann schmeißen sie alles weg, weil es unlogisch oder aufgesetzt wirkt.

2. Was ist die Motivation?

Töten allein genügt nicht. Es muss auch einen guten Grund dafür geben. Na ja, einen plausiblen Grund immerhin. Also schreibt man erst das Ende: der Mörder war ein Psychopath, der bei der Heimaufsichtsbehörde arbeitet und weil die Heimleiterin ihn verschmähte, wollte er
sie mitsamt dem Heim zugrunde richten. Prima, das funktioniert. Jetzt wissen wir also, was der Leser noch nicht wissen darf. Dann können wir das weitere planen:

3. Charaktere

Wichtig. Von den Figuren, die durch einen Krimi geistern, ist die ganze Geschichte abhängig. Sie müssen leben, interessant sein und im Kopf des Lesers haften bleiben. Aber: nicht zu schrullig und nicht zu abgedreht. Alle Personen, auch die Bösen, sollten noch als angepaßte Mitglieder der Gesellschaft glaubhaft sein. Das macht die Bösen noch bedrohlicher.

4. Protagonist

Festlegen, wer eigentlich der Held ist. Der Jäger des Mörders oder der Mörder. Da muss man sich festlegen, denn auf diese Festlegung reagiert die Sympathie des Lesers. Haben wir Verständnis für den Killer von der Heimaufsicht, weil wir frühzeitig verstehen, was ihn treibt? Lieben wir die Heimleitung, weil sie kompetent und energisch den Vorwürfen entgegentritt?
Entweder-Oder, beides geht nicht.

5. Falsche Fährten.

Extrem wichtig. Der Autor kennt die Lösung, jetzt muss er alles unternehmen, damit ihm der Leser nicht zu früh auf die Strümpfe kommt. Also: falsche Täter ins Spiel bringen. Hier: die Nachtschwester wird verhaftet, verhört, bricht zusammen, gesteht. Erst später kommt raus, dass sie eigentlich nur das Valium der Heimbewohner frißt und damit vom (erfolgsgeilen) Kommissar zum Geständnis erpreßt wurde. Das hat schon fast Hollywood-Dimensionen. Leser in die falsche Ecke geschickt, hurra! Jetzt nur noch die Kurve kriegen zum wahren Täter.

6. Logik

Bei gewöhnlichen Romanen akzeptiert der Leser bestimmte Annahmen des Autors einfach so, weil es eben ein Roman ist. Niemand fragt nach, warum eigentlich der verliebte Förster eine Riesenvilla bewohnt, oder warum es bei Kafka dieses bescheuerte Schloß gibt. Bei Krimis ist das anders. Jeder Leser ermittelt mit, prüft die Fakten eigenhändig, durchleuchtet auf jeder Seite die Logik der Zusammenhänge. Da wird sofort bemerkt, dass die Nachtschwester einen für ihr Gehalt zu teuren Wagen fährt. Und während jeder wegen dieses winzigen Details, das sie achtlos hingeschmiert haben, die gute Schwester in einer Nebentätigkeit als Hure vermutet,
sie also als Täter sehr wohl plausibel wird, basteln sie unverdrossen an einer Medikamentenabhängigkeit und entfernen sich damit vom Leser. Also: alles, wirklich ALLES auf Logik überprüfen. Die ganze Sache muss stimmig sein, jeder Leser muss zu der Überzeugung gelangen: Ja, so könnte es gewesen sein. Hier, und nur hier entscheidet sich der Erfolg eines Krimis. Stellen sie sich vor, sie wären Bundesliga-Trainer, und Millionen Pappnasen sitzen vor den Fernsehern und beurteilen ihre Aufstellung und Taktik. So ist das,
wenn man einen Krimi schreibt.

Tips

Ein paar Tips, wie man sein Ziel erreicht:

- Plot

Neudeutsch für Ablaufplan. Die wesentlichen Ereignisse eines Krimis auf einer Seite. Wann was passiert, schreibt man hier auf. Damit navigiert man durch sein Werk. Damit schreibt es sich leichter. Schreibblockaden lassen sich verhindern, weil man nicht mehr nachdenken muss, was genau nun geschrieben werden soll. Existentiell für die Logik.

- Szenenplan

Steigerung von Plot. Jede einzelne Szene wird skizziert. Vorteil: wenn dir schon so ein Plan nicht gelingt, schaffst du auch den Krimi nicht. Zeit gespart. Überfällt dich das Gefühl, der Plan ist genial, dann schreibt es sich wie von selbst.

- Täglich schreiben

Nirgendwo ist es so wichtig, „in“ der Geschichte zu bleiben. Gerade wegen der Logik muss man jeden Tag den Fall wälzen, nur so spürte man die winzigen Defekte auf, die einen Plot zerstören können. Also: schreibe täglich, oder du schaffst es nie!

- Der Deutsche liebt Serien!!!

Achte bei der Erstellung von Charakteren, dass du sie weiterverwenden kannst (laß ein paar überleben). Ganz toll ist ein Cliffhanger: lasse immer eine Frage offen, so dass der Bedarf an einem Nachfolger ins Auge springt (auch dem Verlag).

- Mut zur Tragik.

Wen nervt es nicht, dass alle Geschichten immer gut ausgehen? Krimis mit tragischem Ende bleiben länger im Gedächtnis. Schon mal daran gedacht?

Zu guter Letzt:

eine gute Idee ist nur nichts zu ersetzen; außer durch zwei gute Ideen. Vielleicht handelt der Heimaufsichtstyp im Auftrag der Konkurrenz, oder die haben ihn mit falschen Infos verrückt gemacht? Vielleicht war es in Wirklichkeit ein Komplott; der Mörder hat nur einmal gekillt, die anderen 12 hat doch die Nachtschwester gemacht, die in Wirklichkeit die lesbische Freundin der Heimleiterin ist? Wenn die Idee gut ist, fällt es leicht, Spannung zu erzeugen. Die Möglichkeiten sind gewaltig! Also: ranzwingen!

Zurück

 

Bezahlautoren

Oft ist über den Begriff Autor philosophiert worden. Autor gleich Schriftsteller? Wenn jemand einen Text verfasst, ist er der Urheber, der Autor. Wenn jemand von der Schreiberei leben kann, es also hauptberuflich betreibt, ist er Schriftsteller. Die Masse jener, die sich hier rum tummeln, dürften Autoren sein (einschlich ich selbst). Nun gibt es da aber noch Abstufungen. Es gibt die „normalen” Autoren, die Zuschussautoren, die Eigenverlagautoren und die BOD-Autoren - oft auch als Zahlautoren tituliert. Nun kann man es immer wieder beobachten, dass sich die „normalen” Autoren etwas besseres dünken und das sie sich auf herablassende Art und Weise über alle anderen Autoren auslassen. Oft vergessen sie dabei den guten Ton und werden sogar beleidigend. Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: sie dünken sich etwas besseres zu sein, können aber keine Toleranz üben und werden sogar teilweise in Beiträgen beleidigend. Schöner Autor, armer Schriftsteller!

Wie sieht es aber nun aus, in der Welt der Schreiberlinge? Sind die Autoren, die bei herkömmlichen Verlagen veröffentlicht haben wirklich die besseren Autoren? Ich kenne einige Fälle, wo das tatsächlich so ist. Ich habe Bezahlbücher gesehen und gelesen, die wirklich nicht das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt wurden. Ich kenne aber auch eine ganze Menge „normale” Autoren, mit dessen Werken man nur eins tun konnte: in die Ecke feuern! Ich habe aber auch genau das Gegenteil erleben dürfen. Ich konnte dieses Jahr (05) ein BOD lesen, wo ich mich ernsthaft gefragt hatte, warum das Buch nicht den normalen Weg zu einem Verlag gefunden hatte. Inzwischen weiß ich, dass es Autoren gibt/gab, die von vornherein die Verlegung ihres Manuskriptes über Selbst- bzw. BOD geplant haben/hatten. Die Gründe hierfür sind verschieden. Auch ich habe über BOD angefangen zu verlegen und bin dann zu „normalen Verlagen” gewechselt. Das hat aber zwei namhafte Regisseure nicht davon abgehalten sich für eines meiner BOD Bücher zu interessieren. Allen voran „Good bey Lenin” Regisseur Wolfgang Becker. Für meine beiden letzten Manuskripte fand ich auf Anhieb „normale” Verlage, für mich aber kein Grund mich über andere Autoren auszulassen, sie zu belächeln oder gar beleidigend zu werden. Und: für mich ebenfalls kein Grund, mich wieder an einen BOD Verlag zu wenden, wenn es die Umstände erfordern sollten.

Wir alle wären gut beraten, wenn wir diese Besserwisser einfach ignorieren. Sollen sie glücklich werden, mit ihren „normal” verlegten Büchern

PvO
Zurück

Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt

30 Tipps, die man als Schriftsteller unbedingt beachten sollte

von Andreas Gruber

Vorbemerkung

Sachbücher, die das Schreiben erfolgreicher Romane lehren, gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Mittlerweise ist es im deutschsprachigen Raum sogar soweit gekommen, dass man mit Autorenworkshops regelrecht überflutet wird - beinahe an jeder Häuserecke steht jemand, der einem das Schreiben beibringen möchte, ob man nun will oder nicht. Kurse auf Conventions, Volkshochschulen und Bundesakademien stehen praktisch an der Tagesordnung, und wohin man blickt wird einem ein Regelwerk an Tipps und Tricks angeboten, womit man erfolgreiche Romane beinahe mühelos entwerfen und schreiben kann. Mittlerweile kann heutzutage praktisch jeder einen erfolgreichen Roman runtertippen, mit dem er problemlos auf den Bestsellerlisten aller großen Tageszeitungen landet und sogar neben Literaturnobelpreisträgern wie Thomas Mann, Hermann Hesse, William Faulkner, Ernest Hemingway oder John Steinbeck in die Annalen der Literatur eingeht. Das ist keine Kunst mehr, auf die man Stolz sein sollte!

Was dabei jedoch vergessen wurde zu lehren, ist die Frage: Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt. Jene in Vergessenheit geratene Kunst soll mit diesem Artikel ganz anderer Art in Erinnerung gerufen werden. In den nachfolgenden dreißig Ratschlägen ist dieses treffsichere und praktisch anwendbare Wissen zu einem Artikel über Uncreative Writing zusammengefasst worden, den ich jedem Autor unbedingt ans Herz legen möchte. Lesen Sie die Ratschläge immer und immer wieder durch, wenden Sie die Tipps geschickt an und verinnerlichen Sie deren Inhalt. Mit etwas Glück gelingt es Ihnen, und Sie schreiben tatsächlich keinen erfolgreichen Roman.

Tipp Nr. 1: Spannung bis zur letzten Seite garantieren

Der wichtigste Punkt überhaupt ist es, den Leser so lange wie möglich darüber im unklaren zu lassen, ob der Roman nun in einer Fantasy- oder Sciencefiction-Welt spielt. Diese Unklarheit ist für den Leser deshalb so notwendig, da er nicht zu wissen braucht, ob er sich innerhalb des Romans in einer Welt befindet, deren Regeln nach ihm bekannten Gesetzen funktionieren, wie es bei der Sciencefiction der Fall ist, oder nach ihm unbekannten, neuen magischen Gesetzen, wie es bei der Fantasy der Fall ist.
Warum, werden Sie jetzt fragen? Der Leser könnte sich daran orientieren und würde daher den Roman in einem völlig anderen Blickwinkel sehen. Um genau das zu verhindern, müssen wir ihn so lange wie möglich auf die Folter spannen. Er soll doch nicht wissen, woran er ist!
Das schönste Kompliment, das ein Leser einem Autor machen kann, ist daher folgendes: "Bis zur letzten Seite Ihres Buches war ich ratlos und wusste nicht, ob es ein Fantasy- oder Sciencefiction-Roman war. Als sich schließlich auf der vorletzten Seite herausstellte, dass es ein Western war, raubte es mir den Atem. Ich war überrascht! Gratulation! Dieses Spannungsmoment ist Ihnen wirklich hervorragend gelungen!"

Tipp Nr. 2: Unnötige Vorarbeiten vermeiden

Verschwenden Sie keine Zeit, um Handlung, Schauplätze und Charaktere zu entwickeln, denn die entwickeln im Laufe des Schreibens ohnehin ein Eigenleben, das Sie als Autor nicht mehr steuern können. Wozu also den Prozess der Kreativität und Spontaneität behindern, etwa durch den Entwurf eines in sich stimmigen Exposés, eines plausiblen Konzepts, raffiniert in die Handlung eingeflochtener Exposition und langwieriger Dossiers aller Protagonisten, die ohnehin kein Mensch braucht, da Sie sowieso nur einen Bruchteil dessen in Ihrem Roman verwenden würden?
Als Faustregel kann daher gelten: Einfach drauf losschreiben! Dadurch ergeben sich zwangsläufig Widersprüche in der Handlung und Unstimmigkeiten der einzelnen Charaktere, wodurch die Elemente der Geschichte zu keinem einheitlichen Ganzen zusammenpassen, sodass sich der Roman zu einem Lesegenuss voller überraschender Wendungen entpuppt, der dem Leser noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Tipp Nr. 3: Ausführlichen Prolog voranstellen

Begehen Sie nicht den Fehler, den viel unerfahrene Autoren machen: Steigen Sie nicht direkt in die Handlung ein! Dadurch vergraulen Sie nämlich sofort das Interesse des Lesers. Beginnen Sie daher mit einem lang angelegten, mindestens über dreißig Seiten andauernden Prolog. Am besten mit einer langen Vorrede und ausführlichen Erklärungen über die fremde Welt, deren Leben, Kultur, Regeln und die Geschichte und wirtschaftlichen Hintergründe der letzten Zweitausend Jahre. Mit diesem einfachen Stilmittel liegen Sie niemals falsch! Der Leser wird Sie dafür lieben! Das verspreche ich Ihnen!
Solche sogenannten Info-dumps gleich zu Beginn des Romans können nicht gewaltig genug ausfallen und müssen den Leser regelrecht erschlagen. Noch während er sich durch den Prolog quält, muss er das Gefühl bekommen, er blättere durch die Encyclopaedia Britannica, deren Ende bei weitem nicht in Sicht ist.
Schließlich hat der Leser nichts davon, wenn sich ihm die neue Welt Schritt für Schritt im Lauf der Handlung erschließt - er möchte alles Wissenswerte gleich zu Beginn erfahren! Wenn der Leser dann endlich zum ersten Kapitel kommt, muss er also über das gesamte Universum informiert sein. Merke Sie sich jedoch eines: Sie dürfen den Leser über alles informieren, doch nicht darüber, ob es sich um eine Fantasy- oder Sciencefiction-Welt handelt! Dieser eine Punkt muss bis zum Schluss ungeklärt bleiben.

Tipp Nr. 4: Nicht zu früh mit der Handlung beginnen

Nach einem ausführlichen Prolog beginnt der Leser nun mit dem ersten Kapitel. Steigen Sie auch hier nicht direkt in die Handlung ein, sondern erzählen Sie zuvor alles Wissenswerte, wie es dazu kam, dass der Protagonist in den Schlamassel schlitterte, welches Sie frühestens auf Seite zweihundertsiebzig zu erwähnen beginnen. Der Leser ist mit Sicherheit überfordert und desorientiert, wenn er - quasi "on stage" - direkt in die Handlung einsteigt.
Wenn Sie also folgende Szene beschreiben möchten, wie sich der Held entscheiden muss, entweder seine große Liebe zu verlassen und nach Australien auszuwandern oder statt dessen in North Carolina zu bleiben, wo er von den Brüdern des Mädchens in einer dreckigen Scheune verprügelt wird, beginnen Sie im ersten Kapitel damit, wie der Held in dem Holzschuppen einer Farm in North Carolina geboren wurde, oder noch besser: Wie sich seine Eltern bei einem Tanz während des Erntedankfests in Calduhocchi in North Carolina kennen lernten.
Durch dieses raffinierte Stilmittel wird der Leser viel behutsamer auf die eigentliche Eröffnungsszene von Seite zweihundertsiebzig vorbereitet, wo die Handlung dann erst richtig beginnt. Sie ersparen sich dadurch auch das lästige und komplizierte Einflechten von Informationen während der Handlung, weil Sie bereits alles im Vorspann erläutert haben, und können sich somit voll und ganz auf die Handlung Ihres dreihundert Seiten langen Romans konzentrieren.

Tipp Nr. 5: Tell, don´t show!

Bei allen Szenen, die Sie schreiben, dürfen Sie niemals, niemals, niemals den teuflischen Fehler begehen, dem Leser etwas zeigen zu wollen. Erklären Sie ihm alles, und das am besten so ausführlich wie möglich. Er wird Ihre Erklärungen dankbar zur Kenntnis nehmen.
Wenn Sie dem Leser ein Bild vor Augen führen, wie Ihr Protagonist Harry Tuttle mit seinem Tramperrucksack am Rücken und einem Flugticket nach Australien in der Tasche bei der Verabschiedung von seiner Geliebten den Blick zu Boden richtet, mit der Schuhspitze über den trockenen Erdboden Calduhocchis scharrt, mit dem Handrücken über seine Wange wischt, sich schließlich wortlos abwendet und zur nächsten Busstation rennt - berauben Sie dem Leser um jegliche Fantasie, mit der er sich diese Szene im Geiste hätte ausmalen können.

Wenn Sie dem Leser hingegen den Sachverhalt mit folgendem Satz erklären: "Harry genierte sich vor seiner Geliebten wegen seiner Angst vor deren Brüdern. Er war über den Abschied sehr traurig und ihm fehlten die Worte. Schließlich ergriff er die Flucht zur nächsten Busstation" - geben Sie dem Leser alles mit, dass er sich so richtig in die Szene hineinversetzen kann.

Tipp Nr. 6: Die richtigen Stilmittel verwenden

Hilfreich bei Erklärungen ist vor allem die Verwendung mehrerer Adjektive. Dadurch können Sie jede Situation ausführlich erklären.
Als Faustregel müssen Sie sich merken: Bauen Sie in jedem Satz mindestens dreizehn Eigenschaftswörter ein. Aber übertreiben Sie es nicht: zwei Adjektive vor jedem Zeitwort und drei vor jedem Hauptwort genügen vollkommen. Dadurch wird Harrys Abschiedsszene viel dramatischer: "Harry war über den bitteren, unerträglichen, schmerzhaften Abschied von seiner liebevollen, zärtlichen, hingebungsvollen Geliebten so unendlich, wahnsinnig traurig, dass ihm die richtigen, verständnisvollen, weisen Worte gnadenlos und unausweichlich fehlten."
Das ist wahrhaft literarischer Stil, der den Reichtum des Wortschatzes in seiner vollen Länge ausschöpft und Sie restlos und endgültig als wahren Meister deutscher Prosa bestätigt!

Tipp Nr. 7: Offensichtliche Exposition verwenden

Die Kunst, den Leser während der Handlung derart raffiniert über wichtige Details zu informieren, sodass er dieses Zuspielen an Informationen gar nicht bemerkt, ist völlig unnötig. Warum, werden Sie jetzt vielleicht fragen?
Überlegen Sie: Der Leser ist doch nicht blöd, er durchschaut diesen Kniff sofort! Weshalb also noch länger versuchen, ihn mit plumpen Tricks an der Nase herumführen zu wollen. Vergessen Sie den ganzen Schnickschnack, dass der Leser während einer rasanten, action- und konfliktbeladenen Szene mehr über die Charaktere und die Handlung erfährt. Solche direkte Reden wie: "Du dachtest wohl, du könntest abhauen und dich vor den Alimentezahlungen drücken!" sind nicht notwendig!

Scheuen Sie sich also nicht davor, bei direkten Reden solche Sätze zu verwenden, wie: "Wie du ja bereits weißt, bin ich zornig darüber, weil du meine Schwester geschwängert hast, deswegen habe ich dich von der Bushaltestelle in diese Scheune gezerrt, um dich hier zu verprügeln."

Tipp Nr. 8: Krampfhafte Verschränkungen vermeiden

Wenn Ihr Protagonist in der Klemme steckt, beispielsweise in der Scheune eingesperrt ist, und er unbedingt eine Haarspange benötigt, um das Schloss zu öffnen, bevor der Schuppen von den Brüdern seiner Geliebten mit Fackeln angesteckt wird, dann überlegen Sie sich keine komplizierten Handlungsstränge, wie diese Haarspange in Harrys Hosentasche hätte gelangen können. Der Leser merkt sofort, dass Sie die Haarspange nur deshalb hundert Seiten zuvor in seiner Hosentasche platziert haben, um sie ausgerechnet an dieser Stelle zu verwenden. Auf solche Verschränkungen reagiert der Leser gewiss zornig.
Vielmehr bevorzugt das Publikum direkte Lösungsvorschläge. Scheuen Sie sich also nicht davor, Harry zufällig eine Haarspange im Heuhaufen finden zu lassen, womit er das Schloss der Scheune rechtzeitig knacken kann. Der Leser wird Sie für solche spontanen, an den Haaren herbeigezogenen Auswege lieben!

Tipp Nr. 9: Ernten ohne zu Platzieren

"Man muss die Bomben legen, bevor man sie hoch gehen lässt!", lautet beispielsweise ein gut gemeinter Ratschlag, der uns in keinster Weise weiterhilft. Warum? Platziert man vor der Nase des Lesers eine Bombe, so weiß er doch, dass diese an späterer Stelle des Romans hochgehen wird. Was haben wir dadurch erreicht? Nichts! Mit diesem plumpen Trick kann niemals Spannung erzielt werden.
Viel überraschender wirkt hingegen folgende Szene in unserem konstruierten Roman: Nachdem unser Held Harry in letzter Sekunde aus der brennen Scheune stolpern konnte, schlittert er in eine sich plötzlich öffnende Raum-Zeit-Spalte und wird durch einen Quantensprung auf eine einsame, fünf Quadratmeter große Insel inmitten des Pazifiks katapultiert, wo er unter einer Palme eine tickende Bombe entdeckt, deren Digitalanzeige im Sekundentakt von sechzig hinunter zählt.
Woher die Bombe kommt, wer sie dort platziert hat, warum sie ausgerechnet hier im Sand liegt, sind Fragen, für die sich letztendlich niemand interessiert, am allerwenigsten der Leser. Wir dürfen unser Publikum nicht mit solchen Details langweilen.
Wenn wir uns für alles und jedes einen guten Grund ausdenken, weshalb wir es gerade an dieser Stelle des Romans einbauen, wirkt der Roman konstruiert und vorhersehbar. Dadurch wird der Leser sofort stutzig. Also merken Sie sich: Einzig allein der unerwartete, unvorbereitete Überraschungsmoment zählt!

Tipp Nr. 10: Konflikte gezielt einsetzen

Unerfahrene Autoren versuchen den Plot oft so aufzubauen, dass jedes bewältigte Hindernis den Protagonisten vor ein noch größeres Problem stellt, und lösen daher ein Problem erst dann, wenn dadurch mindestens zwei neue aufgeworfen werden. Sie glauben sich genial, weil sie meinen, dadurch die Spannung zu steigern.
Jeder logisch denkende Mensch erkennt aber sofort, dass diese Gleichung nicht aufgehen kann. Am Ende eines Romans findet sich der Autor unweigerlich vor einer Unzahl ungelöster Probleme, die in keinem vernünftigen Verhältnis aufgeklärt werden können. Wird der Plot dadurch dramatischer, wenn sich die Probleme häufen? Verdichtet sich die Handlung etwa, wenn sich alles auf einen Höhepunkt zuspitzt? Die Antwort kann nur lauten: Natürlich nicht! Das Gegenteil ist der Fall!
Die wahre Kunst ist es nämlich, Konflikte gezielt einzusetzen. Lösen Sie einen Konflikt also erst zu einem Zeitpunkt im Roman, wenn sich dadurch ein zweites Problem automatisch aufklärt. Sie müssen als Autor lernen, solche Synergieeffekte besser zu nutzen! Und wenn Sie am Schluss des Romans keine Probleme mehr zu lösen haben, nutzen Sie die Lücke, einen vierzig Seiten langen Epilog zu schreiben. Das kommt immer gut an!

Tipp Nr. 11: Cliffhanger gekonnt in den Text einbauen

Beliebtes Stilmittel, um den Leser bei der Stange zu halten, ist der Einsatz von Cliffhangern. Dabei wird, vor allem unter unerfahrenen Autoren, der Fehler begangen, dem Leser zu viel zu verraten, sodass der Reiz der Spannung verloren geht. Scheuen Sie sich also nicht davor, einen knappen Cliffhanger am Ende eines Kapitels einzubauen, wie beispielsweise: "Und plötzlich geschah etwas Schreckliches ..." Oder die schärfere Variante: "Und dann passierte es!" Oder gar jenes auf den Punkt gebrachte Meisterwerk moderner Spannungsliteratur: "Und plötzlich!"
Der Leser wird vor Spannung erbleichen und gehetzt das nächste Kapitel überfliegen, um endlich zu erfahren, was denn nun weiter passiert.
Wer die Technik der Cliffhanger wirklich beherrscht, kann sogar soweit gehen, drei oder gar vier parallele Handlungen zu erzählen, die sich jeweils mit einem Cliffhanger am Ende eines jeden Kapitels abwechseln. Dabei müssen die Handlungsstränge nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, auch müssen sie am Ende des Romans nicht zwingend miteinander verknüpft werden, wie viele unerfahrene Autoren das am Ende ihrer Manuskripte zwanghaft versuchen.
Durch diesen raffinierten Kniff, die losen Enden offen zu lassen, wird vor allem eines erreicht: Der Leser gewinnt dadurch das Gefühl, er hätte nicht bloß einen Roman gelesen, sondern einen wahren Episodenroman verschlungen, mit mehreren künstlich aufgeblasenen Kurzgeschichten. Seine Freude über dieses fulminante Leseerlebnis wird ungleich größer sein, als hätte er nur eine einzige Handlung erzählt bekommen. Das ist das Erfolgsgeheimnis komplexer, vielschichtiger Romane.

Tipp Nr. 12: Auf richtigem Weg Spannung erzeugen

Über Spannung wurde in vorherigen Kapiteln bereits ausführlich gesprochen. Oft wird dramatische Spannung aber falsch eingesetzt.
Es muss an dieser Stelle einmal endgültig mit der weit verbreiteten falschen Meinung aufgeräumt werden, dass Spannung nur dann entsteht, wenn wir den Leser vermuten lassen, was als nächstes passieren könnte und ihn bloß daran zweifeln lassen, ob es passiert. Wo liegt denn da das Spannungsmoment? Überlegen Sie: Wenn der Leser beinahe alle Informationen besitzt und bereits emotional tief in die Story verwickelt ist, wird er sich nicht so sehr darum sorgen, jenes eine, winzigkleine Detail zu erfahren, das bisher ungelüftet blieb.
Spannung funktioniert in größeren Dimensionen. Wahre Dramaturgie entsteht immer nur dann, wenn der Leser nicht weiß, was als nächstes passiert, er nicht einmal weiß, ob überhaupt etwas passiert. Wir müssen ihm beinahe alle Informationen vorenthalten. Verschwenden wir also keine Zeit mit Andeutungen, lassen wir ihn komplett im unklaren darüber! Verzweifelt wird er weiterlesen, um genau diese bewusst frei gelassenen Lücken zu erfahren.

Tipp Nr. 13: Verwirrende Wendepunkte in der Handlung vermeiden

In der Mitte von Romanen unerfahrener Autoren stößt man oft auf Punkte, an denen sich die Situation dramatisch ändert: Der Jäger wird zum Gejagten, der Rächer zum Helfer, der vermeintliche Selbstmörder möchte am Leben bleiben, die beiden Erzfeinde müssen plötzlich zusammen arbeiten ... die Liste könnte endlos lange fortgesetzt werden, derartige Strickmuster existieren in Hülle und Fülle. Wir alle kennen sie zur Genüge.
Unerfahrene Autoren glauben sich besonders originell, indem sie die bisherige Handlung ab der Mitte des Manuskripts nach diesen Strickmustern in ihr Gegenteil umkehren. Ist das denn wirklich notwendig? Die Antwort kann nur lauten: Nein! Durch derart plumpe Tricks wird der Leser verunsichert, brutal vor den Kopf gestoßen. Sensiblere Leser werden dadurch völlig überfordert, ja regelrecht dazu gezwungen, das Buch mit einem zornigen "Die Handlung nimmt plötzlich unerwartete Wendungen!" wegzulegen. Das müssen wir verhindern.

Tipp Nr. 14: Rückblenden raffiniert einflechten

Über Plot und Aufbau der Handlung wurde bereits zuvor ausführlich gesprochen. Ein Trick sei an dieser Stelle noch verraten, der dem Plot die entsprechende Würze verleiht: Rückblenden! Scheuen Sie sich nicht davor, an jeder nur erdenklichen Stelle Ihres Manuskripts, eine Rückblende in die Handlung einzubauen. Als Faustregel kann gelten: Eine Geschichte braucht mindestens einunddreißig Rückblenden. Exakt formuliert heißt es, die Rückblenden steigen potentiell zur Anzahl der Kapitel. Dadurch wirkt die Story dichter, komplexer, spannender, interessanter - mit einem Wort: genialer!
Machen Sie vor allem zwei Dinge: Gestalten Sie die Rückblende so lange und ausführlich wie möglich und scheuen Sie sich nicht davor in der Rückblende auch langweilige Details zu erwähnen! Zu einem Zeitpunkt, da der Leser auf Nadeln sitzt und unbedingt wissen möchte, wie die Handlung weitergeht und wie Harry es schafft, von der Insel zu fliehen, könnten Sie in Harrys Geist zahlreiche Erinnerungen entstehen lassen. Der Moment dazu ist günstig wie noch nie! Lassen Sie Ihren Protagonisten in einer mindestens hundertfünfzig Seiten langen Rückblende darüber nachdenken, wie er als Kind zum Geburtstag ein Hundebaby geschenkt bekam, und er mit dem kleinen Racker über die Stoppelfelder der Äcker tollte. Durch diesen stilistischen Trick wird vor allem eines erreicht: Die Geschichte wird nicht linear erzählt, was ganz wichtig ist! Dadurch wird der Leser zwar aus der fortlaufenden Handlung gerissen, doch gewinnt er andererseits einen tieferen Einblick in die Hintergründe der Story. Auch macht es nichts, wenn diese Kindheitserlebnisse nichts mit der Handlung zu tun haben, Hauptsache sie blähen den Text auf.
Seien Sie aber nicht frustriert, wenn Ihnen die Handlung für Rückblenden ausgehen sollte. Es ist eben nicht jedermanns Sache, wie ein Känguru im Text herumzuspringen. Es gibt aber einen Trick, mit dem Sie einen linearen Text so umgestalten, dass er wie ein Sammelsurium von Rückblenden wirkt: Verändern Sie die Satzstellung und bringen Sie die Zeitabfolge durcheinander! Nichts leichter als das.
Beispielsweise: "Bevor Harry seinen Golden Retriever mit Käsekräcker fütterte, hatte er dem Tier das Fell gebürstet, ihm eine Leine um den Hals gelegt und war anschließend mit ihm auf die Felder hinausgegangen, nachdem er dem Hund ein Kunststück beigebracht hatte, doch zuvor hatte er noch seinen Vater um eine neue Schachtel Käsekräcker gebeten, die ihm seine Mutter vom Dachboden holen würde, sobald der Golden Retriever die alten Kräcker auffraß ..."
Kennen Sie sich noch aus? Ich nicht! Das macht aber nichts! Lassen Sie sich nicht durch grammatikalisch unkorrekte Zeitabfolgen stören. Der Leser muss den Text eben ein zweites, drittes und viertes Mal lesen, bis er ihn begreift. Das ist das schöne an mit Rückschauen gespickten verschachtelten Sätzen.

Tipp Nr. 15: Den Showdown gekonnt vorbereiten

Im letzten Drittel des Romans darf nichts vorhersehbar wirken, alles muss sich zufällig ergeben. Die Faustregel muss daher lauten: Die weitere Handlung darf von den zuvor eingeführten Details nicht logisch ableitbar sein. Der Leser könnte ansonsten auf den absurden Gedanken kommen, der Roman wäre in sich stimmig, und dem Protagonisten bliebe keine andere Wahl, als ausgerechnet so zu handeln. Was daher auf den ersten Blick vielleicht als logisch, plausibler Plot wirkt, stellt sich schon bald als billig entworfene Handlung heraus, die der Leser nur allzu gut nachvollziehen kann. Das gilt es zu verhindern!
Unser Ziel ist dann erreicht, wenn sich der Leser im letzten Drittel des Romans pausenlos mit dem Gedanken quält: "Mein Gott, weshalb geht der Held denn nicht endlich zur Polizei und sagt, dass er den Beweis für seine Unschuld schon seit einer Woche in seiner Tasche mit sich herumträgt?" Durch solche Gedanken des Lesers wirkt der Roman spannend und nervenaufreibend bis zur letzten Seite.
Oder durch folgenden Gedanken: "Hätte der Protagonist gleich zu Beginn ein einfaches Gespräch mit der Polizei geführt, was nur allzu logisch gewesen wäre, hätte das alles nicht passieren müssen." Dadurch bleibt der Leser bei der Stange und fiebert bis zum Ende mit.

Tipp Nr. 16: Den Showdown gekonnt inszenieren

Die Stelle kurz vor dem Showdown fasst noch einmal die missliche Lage zusammen, in der sich der Gegner unseres Protagonisten befindet. Obwohl sich alle Handlungsstränge ohnehin schon zu einem zweifellos grandiosen, von Spannung durchtränkten Happy End hin entwickeln, verpassen wir dem Bösewicht kurz vor dem Showdown trotzdem noch einen letzten derben Schlag ins Gesicht, der seine ohnehin schon geringen Chancen restlos verschwinden lässt. Wir demonstrieren unseren Lesern die dunkelste Stunde des Feindes und bereiten sie so auf ein furioses Happy End vor, dem nicht die geringste Hürde im Weg steht. Das ist wahrhaft saubere Plot-Entwicklung!
"Jetzt ist es vorbei! Da kommt der fiese Bösewicht nicht mehr lebend raus!", sollte sich der Leser in diesem Moment denken, während er sich freudig die Hände reibt und dann endlich die letzten fünfzig Seiten des großen Showdowns zu lesen beginnt. Aber nicht vergessen: Anschließend noch vierzig Seiten Epilog draufsetzen!

Tipp Nr. 17: Das Ende vollkommen offen lassen

Am Schluss des Romans muss das Gefühl da sein, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt wurde, etwas noch offen geblieben ist, sodass sich der Leser fragt, ob jemand die letzten fünf Seiten aus dem Buch gerissen hat. Dadurch ist der Leser bereit, auch das nächste Buch des Autors zu lesen, weil er die Hoffnung hegt, vielleicht in dem neuen Roman einen versteckten Hinweis auf ein abgerundetes und plausibles Ende zu finden ... was natürlich auch da wieder nicht kommt.
Wenn sich der Leser einmal an komisch offene Enden gewöhnt hat, stört ihn das nicht weiter. Der Autor dahingegen hat einen entscheidenden Vorteil erreicht, er hält sich dadurch jede Möglichkeit auf ein Sequel offen. Stirbt der Bösewicht oder nicht, bekommt der Held die rassige Schönheit oder nicht, darf nicht verraten werden ... die Neugierde des Lesers muss unbefriedigt bleiben. Mit diesem einfachen Stilmittel könnte man ohne große Anstrengung eine Endlos-Space-Opera von hundertachtzig Bänden stricken.

Tipp Nr. 18: Die Kunst beherrschen, einen komplexen Roman zu schreiben

Je dichter und komplexer der Roman ist, desto besser. Am einfachsten erreichen Sie diesen Effekt, indem Sie mehrere Elemente miteinander verknüpfen. Im Rahmen einer Milieustory sollten Sie eine neu entworfene Welt in allen Details beschreiben, darin auf raffinierte Weise eine Charakterstory einbetten, in der Ihr Held einer fundamentalen Wandlung unterworfen wird, das alles mit einer Ideenstory würzen, wodurch sich ein zentrales Geheimnis Schritt für Schritt lüftet, und letztendlich über alles das Flair einer Ereignisstory legen, wodurch eine aus dem Gefüge geratene Welt wieder ins Lot gerät.
Achten Sie aber stets darauf, dass der Leser niemals und an keiner Stelle des Romans weiß, woran er gerade ist. Verbinden Sie in abwechselnder Reihenfolge alle Elemente miteinander. Der Leser wird jede neue mögliche Wendung in der Entwicklung des Romans freudig erwarten. Als Faustregel kann grundsätzlich gelten: Wenn Sie eine Story beginnen, müssen Sie auf jeden Fall eine andere beenden. Alles andere wäre unprofessionell.
Verbinden Sie die vier Elemente Ihrer Story auch noch mit der unbeantworteten Frage, ob es ein Fantasy- oder Sciencefiction-Roman ist, dann sind Sie absolut perfekt. Das hält die Spannung aufrecht. Der Leser weiß Ihr Talent zu würdigen.

Tipp Nr. 19: Den richtigen Titel finden

Nachdem der Roman vollendet wurde, sollten Sie dazu übergehen, Ihrem Elaborat statt des bisherigen Werktitels einen echten Romantitel zu geben. Dabei sollten Sie auf einige Feinheiten achten:
Der Titel muss den Kern der Geschichte treffen, er darf nicht zu viel über die Handlung verraten, auf keinen Fall darf er die Schlusspointe andeuten, er muss aber den Konflikt des Romans erkennen lassen, ein Problem aufwerfen, den Leser neugierig machen, reißerisch und zugleich intellektuell formuliert sein, er muss die Zielgruppe der Leser exakt ansprechen und unbedingt so formuliert sein, dass er einem unweigerlich im Gedächtnis haften bleibt. Für unseren konstruierten Roman könnte der Titel deshalb so lauten:
"Das Leben und Sterben des Harry Tuttle, eingebettet in die Saga der Menschen von Calduhocchi, wie sie aufwuchsen, sich ihre Eltern kennen lernten und Harry von ihnen in einer Scheune zusammen gedroschen wurde
- - oder - -
Die erfolglose Flucht nach Australien - ein Drama, erzählt in einundneunzig Rückblenden und siebzehn wechselnden Erzählperspektiven"
Spüren Sie die Kraft, die von diesem mächtigen Titel ausgeht? Wer würde ein solches Buch nicht sofort kaufen und zu lesen beginnen?

Tipp Nr. 20: Den Protagonisten bewusst auswählen

Nachdem der Roman zu Ende geschrieben wurde und wir ihm einen passenden Titel gegeben haben, sollten Sie sich als Autor ernsthaft die Frage stellen, wer eigentlich der Hauptcharakter Ihres Werkes ist? Verwenden Sie bewusst viel Zeit mit der Überlegung, wen Sie als Protagonisten auswählen.
Als Hilfestellung kann Ihnen folgende Überlegung weiterhelfen: Diejenige Person, die am wenigsten in der Handlung zu leiden hat, hat die beste Voraussetzung einen guten Protagonisten abzugeben. Weshalb? Die Antwort kann nur lauten: Weil sich der Leser mit keiner Figur identifizieren möchte, die schwach ist, unter Zeit- und Handlungsdruck agieren muss und dazu gezwungen ist, Dinge zu verändern. Fazit: Bei jenen Protagonisten, die dem Leser am sympathischsten sind, handelt es sich immer um zufriedene, ausgeglichene, starke, selbstbewusste Charaktere, die keine Probleme haben. Alles andere wäre unerträglich langweilig.
Dazu noch ein Hinweis: Es muss nicht sichergestellt sein, dass der Protagonist immer aktiv am Hauptgeschehen beteiligt und an den wichtigsten Schauplätzen anwesend ist. Bei fünf parallelen Handlungssträngen ist das ohnehin unmöglich.
Anstatt den Protagonisten also krampfhaft in jede Szene hineinquetschen zu wollen, genügt es vollauf, dem Helden die spannendsten Momente der Erzählung zu vermitteln, am besten mit Hilfe von Briefen, Radionachrichten, Zeitungsartikeln, Tagebuchaufzeichnungen oder Erzählungen Dritter. Für den Leser wirkt das ohnehin viel spannender, als erlebte der Protagonist die neuesten Wendungen des Romans selbst mit.

Tipp Nr. 21: Namen gezielt einsetzen

Welcher Charakter soll welchen Namen tragen? Eine berechtigte Frage. Hier gilt vor allem eines: Überraschen Sie den Leser! Scheue Sie sich nicht davor, ein warmherziges Weichei Branston Cock Smith zu nennen, einen knallharten Raumschiff Kommandanten Hasuel Helferling, eine laszive Barnutte mit rauchiger Stimme Herta Knopetz oder eine überfettete Hausfrau mit Lockenwicklern Lola Géneve.
Eine weitere Faustregel, die niemals ausgelassen werden darf, lautet: Aliens benötigen unbedingt Alien-Namen! Kein Alien heißt heutzutage Batyk, Crypto, Megalox, Tetran, Zyprak oder Xon-8. Das wäre zu plump und einfallslos. Nennen Sie Ihre Aliens Ycztcvöpüw oder Kdiehfrpweijweroi. Trauen Sie sich! Versuchen Sie es mit: FJl4j¦Ã3Pv! Überraschen Sie Ihre Leser und lassen Sie sich komplizierte Zungenbrecher einfallen, die eine willkürliche Aneinanderreihung von Buchstaben, Zahlen und Zeichen darstellen. Je schwieriger die Namen auszusprechen sind, desto mehr Flair des Extraterrestrischen verleihen Sie Ihren Figuren. Glauben Sie mir: Das wirkt!
Um unser Beispiel von vorhin weiterzuspinnen, könnte unser Protagonist Harry, nachdem er von der einsamen Insel endlich auf der entschärften Bombe nach Australien gerudert ist, in Sydney auf Alien-Kängurus treffen, die so merkwürdige Namen wie Xyzétrikcy, Hzhtxie´ccy oder Shtwyxh´üül tragen. Doch merken Sie sich eines: diese Alien-Kängurus müssen auch magische Fähigkeiten besitzen, damit weiterhin ungeklärt bleibt, ob es sich um Fantasy oder Sciencefiction handelt. Natürlich könnten sie auch einen Colt oder eine Winchester im Beutel tragen, wodurch wir auch die Möglichkeit hätten, daraus einen Western zu entwickeln.
Doch zurück zu den Begriffen: Auch bei der Namensgebung von fremden Gegenständen, Straßen, Städten, Landstrichen, Planeten, Galaxien und parallelen Universen lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Motzen Sie Ihre Story mit Fremdworten auf, dadurch wirkt Ihr Roman utopischer und origineller. Scheuen Sie sich um Himmels Willen nicht davor, solche Begriffe zu wählen, die man nicht aussprechen kann, und eine bloße Ansammlung seltener Buchstaben sind. Dadurch wird der Leser aus der Geschichte gerissen, und wir haben es endlich erreicht, dass er statt der Handlung zu folgen, über die Buchstabenfolge nachdenkt. Das wirkt intellektuell auf den Leser, und wir haben ihn da, wo wir ihn wollen.

Tipp Nr. 22: Auf die richtige Erzählperspektive achten

Der nächste stilistische Trick wurde zuvor bereits im Titel unseres fiktiven Romans vorweggenommen. Um den Leser nicht zu langweilen, sollten Sie Ihren Roman stets aus einer anderen Perspektive erzählen, niemals jedoch aus einer gleichbleibenden, am besten aus siebzehn verschiedenen. Ansonsten wirkt die Story schal und verliert bald an Unterhaltungswert.
Für den Leser ist es unheimlich wichtig, in die Welt der Geschichte vorzudringen. Das erleichtern Sie ihm dadurch, indem Sie ihn in die Sichtweise der meisten Charaktere schlüpfen lassen. Wenn der Leser alles sieht, hört, riecht und denkt, was auch die zwanzig Hauptprotagonisten, beispielsweise eines Baseball-Teams, erleben, Sie deren Gedanken und Gefühle mit dem Leser teilen, wird er es Ihnen danken, weil er einen ganzheitlichen Eindruck von dem Roman erhält. Scheuen Sie sich also nicht davor, ein ständiges "dachte Irene", "überlegte Ralf", "hoffte Karin" oder "fühlte Giovanni" in den Text einfließen zu lassen. Je häufiger Sie solche Sprünge in die Geschichte einbauen, desto abwechslungsreicher gestalten Sie die Handlung.
Durch diesen stilistischen Trick vermeiden Sie vor allem einen Fehler: Sie verhindern, dass sich der Leser mit einem einzigen Charakter identifiziert, und er der Handlung nur aus einer Erzählperspektive folgt.

Tipp Nr. 23: Charaktere richtig beschreiben

Bei der Charakterbeschreibung gelten vor allem drei wichtige Regeln: Details! Details! Details! Eine Figur dem Leser mit beispielsweise folgender Demonstration vor Augen führen zu wollen, verblasst meist ohne Effekt: "Julia war diese Art Frau, die immer dann kreischte, wenn sie eine Spinne sah." Eine derart ausgelutschte Phrase, die nichts ausspricht und der Fantasie des Lesers freien Lauf lässt, kann nie und nimmer besser wirken als eine bis ins letzte Detail ausgefeilte Erläuterung. Folgendes Beispiel soll das beweisen:
"Marlene war einsachtzig groß, wog siebzig Kilogramm, hatte adrett gekämmtes braunes Haar, eine Locke in der Stirn, rauchblaue Augen und ein Grübchen in der Wange. Sie trug einen grauen Armani Hosenanzug, eine gelbe Damenkrawatte mit silberner Anstecknadel, eine schmale Lesebrille, Silberschmuck im Ohr und hielt eine Ausgabe der Financial Times unter den Arm geklemmt."
Solche Beschreibungen, solch bloße Aneinanderreihung von Informationen, haben stets mehr Kraft und lesen sich wirkungsvoller als etwa ein plumpes "Marlene sah aus, als käme sie gerade aus einer Calvin Klein Boutique und marschierte schnurstracks zu ihrem nächsten Business-Termin." Das ist viel zu vage formuliert, und der Leser kann sich nichts darunter vorstellen.

Tipp Nr. 24: Realistische Dialoge einsetzen

Oft stoßen wir in Romanen unerfahrener Autoren auf den Fehler, dass Protagonisten anders reden, als wir es in der Alltagssprache tatsächlich tun.
Kein Mensch spricht in knappen Sätzen und bringt alles innerhalb eines Satzes auf den Punkt. Solche Dialoge sind bar jeder Realität und erzürnen den Leser. Er möchte in der Geschichte die kleinen feinen Details der Alltagsunterhaltung hören, die Floskeln der Sprache im Roman wiederfinden - dadurch wirkt jede Szene realistischer. Weshalb also Ihre Protagonisten noch länger in knappen, verdichteten Sätzen sprechen lassen? Lassen Sie Ihre Charaktere seitenlang um den heißen Brei herumreden! Würzen Sie diese Dialoge mit unwichtigen Reflexionen über das Wetter, die Verkehrsstaus, die Umweltverschmutzung, die politische Lage, die Haustiere Ihrer Figuren, deren Schnupfen oder deren morgendlichen Stuhlgang. Alles unnötige kann nützlich sein, um eine Atmosphäre der Echtheit zu schaffen.
Erst sogenannte Nulldialoge geben der Szene die richtige Würze. Sie bringen die Story zwar nicht voran, aber sie schinden Zeit und blähen die Story auf: "Guten Morgen, wie geht es dir?" - "Danke gut, und dir?" - "Naja, das Übliche!" - "Ja", lachte Harry, "das kenne ich." - "Wem sagst du das!" - "Also, mach´s gut!" - "Du auch." - "Wir sehen uns." - "Bis bald." - "Tschüss!"
Wow! Da rieselt es einem doch eiskalt über den Rücken!

Tipp Nr. 25: Dialoge gekonnt ausschmücken

Achten Sie darauf, dass Sie das Wort "sagte" nicht überstrapazieren. Werfen Sie einen Blick in ein Synonymwörterbuch oder nutzen Sie die Erfahrung vieler kreativer Wortschatzspiele. Verwenden Sie abwechselnd andere Ausdrücke, wie brüllte, brummte, flüsterte, grölte, hauchte, jammerte, kicherte, klagte, krächzte, kreischte, lallte, murrte, rief, röhrte, schrie, seufzte oder wisperte - auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt zur Szene passt. Das ist egal! Hauptsache Abwechslung!
Guter Stil geht jedoch einen Schritt weiter! Verwenden Sie synonyme Ausdrücke, die zur Atmosphäre der Szene passen, welche die Handlung vorantreiben und gleichzeitig die Charaktere weiterentwickeln. Scheuen Sie sich nicht davor, Ihre Beschreibungen so ausarten zu lassen, dass Sie unangemessene Begriffe verwenden, die nicht mehr die Art des Sprechens beschreiben, sondern darüber hinausgehen. Hier nur einige Beispiele:
"Ich weiß es nicht", zuckte Ralf mit den Achseln.
"Vielleicht?", kratzte sich Günther am Hinterkopf.
"Du Idiot!", tippte sich Irene an die Stirn.
"Ich habe Hunger!", bohrte Johanna in der Nase.
"Mick juckt´s", kratzte sich Erich am Gesäß.
"Magst du probieren?", lutschte Karin am Eis.
"Nein, danke!", trank Bernhard sein Glas aus.
Solche Ergänzungen wirken keineswegs absurd, sondern tragen zum weiteren Verständnis der Dialogszene bei.

Tipp Nr. 26: Schreibblockaden überwinden

So schrecklich die Wahrheit auch klingen mag, aber: Schreibblockaden kann man nicht überwinden! Es ist schlichtweg unmöglich! Das ist nämlich die ureigenste Eigenschaft einer Blockade, dass man sie nicht umgehen oder austricksen kann. Ansonsten hießen sie ja nicht Schreibblockaden, sondern bloß Spontan-Auftretende-Schreibhindernisse.
Es nützt also nichts, wenn man sich trotz einer Blockade an die Schreibmaschine setzt und einfach darauf loshämmert, in der Hoffnung, plötzlich mit der Schreiberei wieder in Fahrt zu kommen. Alle Assoziations-, Clustering-, Autogenes Training- oder Automatischen-Schreib-Spielereien, die erfunden wurden, um die innere Energie wieder zum Laufen zu bringen, sind purer Humbug! Sparen Sie sich diese Mühe! Hocken Sie sich lieber auf die Wohnzimmercouch und ziehen Sie sich ein gutes Video und eine Tüte Popcorn rein!
Der einzige Weg, eine Schreibblockade restlos zu überwinden ist, so hart das jetzt auch klingen mag, einfach darauf zu warten, bis sie von alleine weggeht. Es nützt nichts, die Muse und Kreativität krampfhaft herbeizwingen zu wollen. Wenn die Zeit für Kreativität reif ist, wird sie sich von alleine einstellen. Bis dahin muss man eben abwarten ... und wenn es fünf Jahre dauert, bis man wieder einen halbwegs vernünftigen Satz aufs Papier bringt, dann dauert es eben fünf Jahre! In der Zwischenzeit kann man viele gute Videofilme sehen und jede Menge Popcorn essen.

Tipp Nr. 27: Sich lästiges Überarbeiten ersparen

Die eigene Story auf Plausibilität prüfen, die Handlung umschreiben, den Stil überarbeiten, an den Charakteren feilen, die Dialoge straffen, Textstellen kürzen und statt dessen andere einfügen ... das sind Mühen und Plackereien, womit sich nur unerfahrene Autoren herumquälen.
Wahrhaft geniale, talentierte Schriftsteller haben keine Überarbeitung notwendig, ihnen fließt die perfekte Story im perfekten Stil aus dem Handgelenk. Das sind unsere Vorbilder! Ihnen müssen wir nacheifern!
Deshalb: Tippen Sie einen Roman stets auf der Schreibmaschine herunter, anstatt sich mit Textverarbeitungsprogrammen am PC herumzuplagen. Damit verzetteln Sie sich nur, weil Sie ständig der Versuchung unterliegen, den Satzbau zu verändern, an der Wortwahl herumzufeilen, Dialoge zu ändern, Absätze umzuschachteln, bestimmte Details an einer anderen Stelle einzubauen. Dadurch wirkt der Roman künstlich und verliert den ursprünglichen Charme des Originellen und Spontanen. Der Leser muss spüren, dass Sie Ihren Roman in einem Stück ohne Korrekturen runtergetippt haben, mit all seinen Holprigkeiten, Wortwiederholungen, Unplausibilitäten und logischen Widersprüchen.

Tipp Nr. 28: Richtig mit Kritik umgehen

Es soll vorkommen, dass manche Leser, Lektoren oder Herausgeber mit derartiger Stilkunst nicht einverstanden sind und unseren Texten mit subtiler Kritik begegnen. Nur zu! Wir sind auf Kritik gut vorbereitet. Sollten sie es wagen, es nur gut mit uns zu meinen und an unseren Romanen Kritik zu üben, weil sie glauben, dass wir dadurch lernten, es besser zu machen, müssen wir uns immer eines vor Augen halten: Wir haben es nicht notwendig, Kritik einzustecken! Lassen wir es nicht zu, dass jemand an unseren Texten nörgelt! Ersticken wir jede "gut gemeinte" Anregung sofort im Keim und verteidigen unser epochales Werk bis zum letzten Atemzug! Jawohl!
Harte Worte, meinen Sie? Sollen wir diese Kritik etwa vertragen lernen? Sollen wir unseren Stil vielleicht ändern, nur weil jemand anders meint, er könnte es besser? Sollen wir etwa das Positive in dieser Kritik zu finden versuchen? Sollen wir vielleicht gar die Chance darin entdecken, die eigenen Schwächen zu erkennen und auszumerzen? Pah! Natürlich nicht! Nie und nimmer!
Die Wahrheit ist die: Wir müssen endlich begreifen, dass Lektoren ihre Kommentare nicht als Kritik am Text, sondern als persönliche Beleidigung meinen. Sie wollen uns demütigen, uns Steine in den Weg legen. Wir aber sind freischaffende Künstler, wir dürfen unsere Arbeiten nicht zensieren lassen. Die Kunst ist frei und muss frei bleiben! Wer glauben diese Leser und Lektoren eigentlich, wer sie sind, dass sie so über unsere Arbeit urteilen? Die können ja selbst kaum schreiben! Am besten, wir reagieren zornig auf deren Anschuldigungen. Das ist die einzige angemessene Antwort eines wahrhaft professionellen Autors. Fazit: Denen schicken wir nie mehr wieder ein Manuskript! Die sollen schauen, wo sie ohne unsere Texte bleiben.
Sollten Sie ähnlich empfinden, erhalten Sie sich diese Eigenschaft, fremde Kritik abzuschmettern, solange wie möglich.

Tipp Nr. 29: Den Leser richtig einschätzen

Nahezu gegen Schluss dieses Artikels noch eine Bemerkung über den Leser: Es ist ein zu Unrecht weit verbreitetes Vorurteil, dass der Leser es schätzt, von selbst auf Muster, Motive und die Bedeutung von Dingen und früher erwähnter Ereignisse zu kommen. Angeblich liebt es der Leser, die Zusammenhänge im Roman selbst zu entdecken. Angeblich versucht er zwischen den Zeilen zu lesen und beginnt damit, zu kombinieren und seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Ha! Welch fataler Irrtum!
Lassen wir uns nicht von derart vorsintflutlichem Humbug einlullen! Wollen wir die Lektüre für unsere Leser tatsächlich zu einem spannenden Erlebnis machen, müssen wir von solchen, aus der Luft gegriffenen Vorstellungen, Abstand nehmen. Das Bild des Lesers hat sich gewandelt, er ist nicht mehr der Konsument, der er noch im 17. Jahrhundert war. Wir müssen unseren Stil an die veränderte Lesegewohnheit unseres Publikums anpassen.
Wir dürfen unsere Leser nicht mitdenken lassen, wir setzen ihnen doch kein Quiz vor oder unterziehen sie einem heiteren Rätselraten, wie wir unseren Text gemeint haben könnten. Statt dessen müssen wir ihnen alles vorkauen und bis ins letzte Detail erklären! Es darf keinen Spielraum für Spekulationen geben, keinen Raum für Interpretationen, keinen Platz für Vermutungen. Lassen Sie nichts offen, klären Sie alles auf!
Doch sollten wir unseren Leser zu gegebener Stunde überraschen! Das ist legitim und vom Leser sogar erwünscht! Wenn unser Protagonist Harry auf Grund der kosmischen Weisheit eines Alien-Kängurus, beispielsweise drei Wünsche frei hat, wovon er im Lauf der Handlung bereits drei unnötig vergeudet hat, dann sollten wir ihn am Ende der Geschichte auf jeden Fall durch einen vierten Wunsch aus seiner Misere retten.

Das ist kein Betrug am Leser, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, sondern eine überraschende Wendung, auf die der Leser von selbst nie gekommen wäre. Er liebt solche Überraschungen.

Tipp Nr. 30: Den ausschlaggebenden Erfolgsfaktor nützen

Den wichtigsten Punkt habe ich für den Schluss aufgespart. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, der beste Erfolgsfaktor für keinen erfolgreichen Roman ist und bleibt der Ratschlag, das Manuskript an keinen Verlag zu schicken, sondern den Text in der Schublade am Dachboden liegen zu lassen. Genügt das? Nein! Fest versperrt und den Schlüssel im Blumenbeet hinter dem Haus des Nachbarn verscharrt. So ist es richtig! Denn die verschlossene Kommode am unzugänglichen, verstaubten Dachboden ist der einzige Ort, der sich einem grandiosen, fulminanten, epochalen Manuskript als würdig erweist.
Verlage, die heutzutage beinahe schon gemeinnützigen Kunst-Vereinen gleichen, weil sie nur das drucken, was kaum Chancen auf Erfolg hat, Lektoren, die ihr Handwerk trotz jahrelanger Erfahrung nicht die Bohne beherrschen und den Text verstümmeln, wo es nur geht, Layouter, die jedes edle Buch entstellen, und Leser, die am Roman nur herumzumeckern haben, würden die Genialität eines solchen Manuskripts ohnehin niemals begreifen.
Fazit: Verschwenden Sie Ihr Werk nicht an Banausen! Schreiben Sie es für sich selbst und Ihre Schublade! Nachkommende Generationen werden es vielleicht entdecken und zu würdigen wissen.
 

Schlussbemerkung

Ich hoffe, Ihnen mit diesem Artikel ein wenig weitergeholfen zu haben. Wenn Sie sich an diese dreißig Tipps des Uncreative Writing halten, und Ihre Texte dementsprechend ändern, kann nichts schief gehen. Sie werden garantiert keinen erfolgreichen Roman schreiben. Das verspreche ich Ihnen!
Sollte jedoch das alles nichts genützt, und Sie trotz mehrmaliger Versuche dennoch einen erfolgreichen Roman produziert haben, seien Sie bitte nicht verzagt ... Sie können das Manuskript immer noch von Ihrem PC löschen. Jedenfalls wünsche ich Ihnen viel Spaß beim berarbeiten Ihrer Texte.
Andreas Gruber - Schriftsteller:
www.agruber.com

Zurück