Brauche ich eine Ausbildung, wenn ich schreiben möchte?

Brauche ich eine schriftstellerische Bildung wenn ich schreiben möchte? Mehrfach wurde behauptet, dass man als angehender Schriftsteller sich nicht in Normen pressen lassen möchte, so wie andere sie interpretieren. Auch ich gehörte zu den vielabgesagten und habe mich damals gefragt, woran das wohl liegen wird.

Ich hatte mich dann entschlossen eine Autorenschule zu absolvieren. Später, während meiner Mentortätigkeit, musste ich immer Wiedersprüche junger Autoren hören, die die von mir interpretierten Regeln einfach nicht akzeptieren wollten. Jene, die der Meinung sind, dass sie sich nicht an Vorgaben und Regeln halten brauchen, möchte ich mal nachfolgenden Zeitungsartikel ans Herz legen. (Ich glaube der Artikel stammt aus dem Stern, bin mir aber nicht mehr sicher).

Eins aber noch vorweg: jeder möge selber entscheiden, ob er sich irgendwelche Richtlinien verinnerlichen möchte oder nicht. Ich hab es getan, aber es gibt wahrscheinlich tausende, die das nicht für nötig halten und trotzdem gute Bücher schreiben.


Wieso sind viele junge Leute so felsenfest davon überzeugt, dass sie sich ohne alle Voraussetzungen zum fiktiven Schreiben berufen fühlen?

Selbst für das Schreiben von Groschenromanen ist ein Fundament an sehr soliden und stilistischen Kenntnissen erforderlich, vor allem aber muss man erst einmal wissen, wie eine spannende Story aufgebaut wird. Man kann nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun - das geht immer schief.
Es genügt bei weitem nicht, Phantasie zu besitzen. Schreiben ist ein Handwerk wie jedes andere, und wenn man darin erfolgreich sein will, muss man es lernen - sogar wenn man nur ganz gewöhnliche Schundromane zu schreiben gedenkt. Es gibt hierfür Kurse und ähnliches, aber auch zahlreiche ausgezeichnete Bücher und Anleitungen, man braucht sie nur zu studieren.
Ohne universelle Bildung und ohne ein gewisses angeborenes Erzähltalent gerät jede Art von ernsthafter Schriftstellerei zum Desaster. Dies gilt für Belletristik in besonders hohem Maße. Jenen, die als Schriftsteller tätig sein wollen und nicht bereit sind, sich universelle Bildung anzueignen kann man nur zurufen: Lasst alle Hoffnung fahren! In der bildenden Kunst kann man zur Not Unwissenheit und mangelndes Talent gegenüber einem banausischen Publikum vertuschen; beim schriftstellerischen Umgang mit der Sprache kann man es nicht.
Man erreicht fast alles, wenn man Verstand, Anstand, Mut, Kraft und vor allem das nötige Know-how hat.
Wer von vornherein der Meinung ist, Regeln wie oben genannt (und weitere) seien für seine Genialität überflüssig, hat schon verloren...

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